Kreisstadt mit Wirtschaftskraft und kulturellem Reichtum

Künzelsau  Künzelsau hat für seine Größe viel zu bieten. Zum Beispiel fast so viele Arbeitsplätze wie Einwohner. Doch die Einwohner sind es, die durch ihr großes Engagement das Zusammenleben in der Kocherstadt prägen.

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Kunstwerke zieren die Brücke über den Kocher.

Foto: Archiv/Ludwig

Fährt man von der Autobahn 6 kommend die Bundesstraße in Richtung Künzelsau entlang, zeigt sich schnell, dass man sich in einer wirtschaftsstarken und kulturell reichen Region befindet. Links der Bundesstraße grüßt auf der Hochebene der riesige Gewerbepark Hohenlohe mit seinen zahlreichen modernen Unternehmenszentralen.

Wenige Kilometer weiter erhebt sich im Künzelsauer Teilort Gaisbach ein Firmenkomplex, der seinesgleichen sucht: Die Würth-Zentrale mit dem postmodernen Verwaltungsgebäude, den Logistik- und Vertriebszentren sowie dem neu entstandenen Niederlassungsbau direkt an der Bundesstraße. Auf der anderen Seite der B19 weist die neue Skulpturenallee auf das kulturelle Engagement des Weltunternehmens hin, das im neuen Carmen-Würth-Forum gipfelt.

Blick auf die Kernstadt

Wenige hundert Meter weiter im Tal öffnet sich die Landschaft und gibt den Blick auf die Kernstadt Künzelsau frei, die sich entlang des Kochers und am Süd- und Nordhang ausgebreitet hat. Auf dem Weg zum Talkessel fällt die Bergbahn auf, eine Standseilbahn, die den stark wachsenden Teilort Taläcker an die Kernstadt anbindet. Schon jetzt wird klar, dass die Kreisstadt des Hohenlohekreises mit ihren nicht einmal 15.500 Einwohnern weit mehr zu bieten hat, als es für eine Stadt dieser Größe üblich ist.

Kreisstadt mit Wirtschaftskraft und kulturellem Reichtum

Die alte Sankt Josefskirche nutzt heute die orthodoxe Gemeinde.

Foto: Scholz

Das fängt bei der Wirtschaftskraft an und hört bei der Kultur noch lange nicht auf. Die Wirtschaftsstärke der Stadt, die schon im Mittelalter wegen ihres starken Handelsaufkommens als "Klein-Nürnberg" bezeichnet wurde, zeigt sich in zwei Zahlen. Bei 15.321 Einwohnern hat die Stadt 13.287 Arbeitsplätze zu bieten. Rund 10.000 Pendler fahren an jedem Arbeitstag nach Künzelsau.

Neben der Würth-Gruppe, die 1945 an der Hofratsmühle am Kocher gegründet wurde und heute ihren Stammsitz auf der Höhe im stark wachsenden Teilort Gaisbach hat, zählen Ziehl-Abegg, Berner und Stahl Crane Systems zu den Weltmarktführern. Daneben sorgt ein guter Mix von Handwerkern, Handelsgeschäften, inhabergeführten Einzelhändlern und Dienstleistern für Arbeitsplätze.

Bildung bis zum Hochschulabschluss

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Ein besonderes Tor steht auf Schloß Stetten.

Foto: Heimatreporterin Joanna Czerwionke

Dazu passt, dass die Schulstadt Künzelsau rund 7000 Schüler bildet und weiterbildet. Von der Grundschule bis zum Gymnasium sind alle Schularten, teils mehrfach, vorhanden. Mit dem staatlichen Schlossgymnasium beherbergt die Stadt auch ein Internat. Stolz sind die Künzelsauer auf ihre Hochschule, die 1988 als Außenstelle der Fachhochschule Heilbronn startete. Heute trägt der Campus den Namen von Reinhold Würth und beherbergt 1500 Studenten - Tendenz steigend.

Familienfreundlichkeit ist ein weitere Markenkern der Stadt der Ganerben, die 1098 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Bereits seit 2007 müssen Eltern keine Kindergartengebühren für die Regelbetreuung ihrer Kinder ab drei Jahren bezahlen. Seit Januar 2019 gilt das für das gesamte Betreuungsangebot, also auch Kostenfreiheit für Kinder ab einem Jahr.

Vereine sind tragende Säulen

Kreisstadt mit Wirtschaftskraft und kulturellem Reichtum

Der Kocher fließt mitten durch die Stadt und ist die Lebensader von Künzelsau. Im Hintergrund Schloss Bartenau und die Johanneskirche.

Foto: Heimatreporter Frank Lutz

Stolz sein kann Künzelsau auch auf seine Bürger, die sich vielfach engagieren. So hat die Stadt gleich zwei Freilufttheater, das Theater am Fluss, das sich auf anspruchsvolle Stücke spezialisiert hat, und die Burgfestspiele Schloß Stetten, die meist historische und aktionsreiche Stücke aufführen.

Die "Kiauer", wie die Einwohner sich gerne nennen und genannt werden, sind aber auch in vielen anderen Vereinen aktiv. Ältester Verein der Stadt ist die Schützengesellschaft, die 1827 gegründet wurde. Jüngster Verein ist der Verein Stadtgeschichte Künzelsau, den es seit 2014 gibt. Der Verein unterstützt unter anderem das städtische Museum und hat mit dem Projekt "Klebweg" den Wettbewerb um das Bürgerbudget 2019 gewonnen. So konnte eine einzigartige Naturlandschaft direkt am Kocher behutsam renaturiert werden.

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Viele Fachwerkhäuser schmücken die Innenstadt.

Foto: Heimatreporter Ehrenfried Bieha

Wie sehr sich die Bürger engagieren, zeigen auch zwei einschneidende Ereignisse. Als im Jahr 2016 bekannt wurde, dass das Krankenhaus geschlossen werden soll, gingen die Künzelsauer 37 Mal auf die Straße. Bei den Protesten kamen in der Spitze über 1000 Demonstranten. Auch als das Kocherfreibad im Sommer 2017 wegen schlechter Wasserqualität dicht gemacht wurde, nahmen das die Bürger nicht einfach hin.

Mit Protestschwimmen und Demonstrationen kämpften sie für ihr Bad mit Kultstatus. Und sie verhinderten das Aus der Badebucht. Es folgte der Umbau in ein Naturbad, das heute mit einem speziellen Filtersystem gute Wasserwerte garantiert. Die Proteste gegen die Klinikschließung hatten dagegen keinen Erfolg. Eine Wunde, die viele Künzelsauer bis heute schmerzt, genauso wie die unklare Situation um den Neubau des Landratsamtes, der fest zugesagt war.

Alexander Gerst löst Weltraum-Fieber aus

Stolz sind die Künzelsauer nicht nur auf sich selbst, sondern auf den berühmten Sohn der Stadt, Alexander Gerst. Seit seiner ersten Weltraummission 2014 ist das Astronauten-Fieber ausgebrochen. Spätestens mit der zweiten Mission, die im Juni 2018 startete, hat sich Gerst unsterblich gemacht. Dem Ehrenbürger ist seither auch eine Dauerausstellung im Rathaus gewidmet.

 

Thomas Zimmermann

Thomas Zimmermann

Autor

Thomas Zimmermann ist seit Dezember 2020 in der Stadtredaktion der Heilbronner Stimme. Zuvor arbeitete der ehemalige Radioreporter und Magazinmacher ab Februar 2015 in der Hohenloher Zeitung und berichtete vor allem über Künzelsau und Umgebung. In der Stadtredaktion berichtet Zimmermann vor allem über Handel, Gastronomie, Stadtpolitik und Gerichtsverhandlungen.

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