Faires Frühstück in Künzelsau geht in die sechste Runde

Künzelsau  Künzelsau macht seinem Titel als Fairtrade-Stadt alle Ehre: Zum sechsten Mal wurde am Unteren Markt gefrühstückt, um den Titel zu feiern und über nachhaltige Lieferketten zu informieren. Parallel dazu bot der Weltladen eine Auswahl fair gehandelter Produkte.

Von Sonja Reichert
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Die lockere Atmosphäre am Unteren Markt lockt Bürger aller Altersgruppen an. Bei Kaffee und mitgebrachtem Essen lässt sich zwanglos plaudern.

Fotos: Sonja Reichert

Der Termin für das faire Frühstück der Stadt Künzelsau hätte nicht besser gewählt werden können: Samstagmorgen im Juni, wunderbares Wetter, nicht zu warm und nicht zu kalt. Und nach dem langen Shutdown kehrt so auch Leben zurück in die Stadt.

Am Unteren Markt stehen Biertische und Bänke, mit Abstand wohlgemerkt, damit sich der Mindestabstand einhalten lässt. Auf der Höhe des Schuhgeschäftes haben die Mitarbeiter der Stadt den Kaffeeausschank platziert, und daneben präsentiert und verkauft der Weltladen eine Auswahl der essbaren, fair gehandelten Produkte aus seinem Sortiment.

Stadt schenkt Kaffee aus

Schon um 9 Uhr geht es los: Von zu Hause mitgebrachtes Frühstück wird ausgepackt, Geschirr und Besteck hat jeder selbst dabei, der Kaffee dazu wird am Stand der Stadt ausgeschenkt, mit Milch oder Zucker, wie"s gefällt. Der sogenannte "Stadtkaffee" ist ein Bio-Kaffee aus fairem Handel, der in eigens für Künzelsau entworfenen Tüten abgepackt wird. Man kann ihn unter anderem im Bürgerbüro kaufen.

Mit dem fairen Frühstück möchte die Stadt unter der Bevölkerung mehr Bewusstsein dafür schaffen, beim Kauf von Lebensmitteln und anderen Produkten auch darauf zu achten, wie diese produziert werden.

Nachhaltigen Konsum stärken

Schon seit 2015 gehört Künzelsau zu den Fairtrade-Städten, einer Vernetzung von Kommunen, die nachhaltigen und fairen Konsum stärken und eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung anstreben. Schon über 600 Städte haben sich den Titel Fairtrade-Town bundesweit erarbeitet.

Grundsätzlich will Fairtrade die Kleinbauern durch bessere Preise unterstützen und setzt sich für menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Entwicklungs- und Schwellenländern ein. Fairtrade-Produkte werden ohne illegale Kinderarbeit hergestellt und umweltschonend angebaut, dabei wird der Bio-Anbau gefördert.

Norbert Gut und Marion Jünger haben gerade Schicht am Stand des Weltladens, wo sie neben Kaffee, Tee und Kakaoprodukten auch Bananen anbieten. Den Weltladen in Künzelsau gibt es seit 30 Jahren, dort kann man fair gehandelte Produkte kaufen, und zwar aus aller Welt. Zwölf Ehrenamtliche betreiben den Weltladen, der im Gebäude der Diakonie zu Hause ist.

Bewusstsein schaffen

Stadtkaffee und Stadtgespräche gratis

Marion Jünger (l.) und Norbert Gut engagieren sich für den Weltladen. Beim fairen Frühstück informieren sie über nachhaltige Lieferketten und fairen Welthandel.

Norbert Gut formuliert die Ziele so: "Wir wünschen uns, dass diese Aktion mehr Bewusstsein schafft für das, was fair, regional und biologisch ist." Gut sieht die Politik in der Pflicht, mehr in den Handel einzugreifen und bessere Rahmenbedingungen zu schaffen für den nachhaltigen Handel.

Marion Jünger ist Lehrerin an der Gemeinschaftsschule in Kupferzell, die schon ein paar Jahre das Zertifikat "Fairtrade Schule" besitzt. Sie erzählt, dass die Schüler nach der Corona-Schließung regelrecht nach Fairtrade-Produkten nachgefragt haben: "Der Renner unter unseren Schülern ist eine Art Müsliriegel mit dem Namen ?Popquins", bestehend aus Reis, Kakao und dem Andengetreide Quinoa."

Das Publikum ist gemischt, alle Altersgruppen sind vertreten. Kleinere Kinder nehmen in null Komma nichts den großen Sandkasten in Beschlag, den die Stadt im Rahmen der Aktion "Sommer in der Stadt" aufgebaut und mit Spielzeug bestückt hat.

Davor stehen blaue Liegestühle, die den ganzen Sommer über zum Chillen einladen. Auch Nina Neumann, die Frau von Bürgermeister Stefan Neumann, ist überzeugt: Wir sind jedes Jahr hier. Das faire Frühstück wird immer mehr angenommen. Tolle Sache, um mit allen ins Gespräch zu kommen."

Weitere Fairtrade-Schule auf dem Weg

Um den Titel Fairtrade-Town tragen zu dürfen, ist eine Steuerungsgruppe notwendig. Diese plant und führt Projekte rund um das Thema Fairtrade durch. Von Anfang an war auch der Weltladen mit dabei, außerdem Vertreter von Schulen, Vereinen, Verwaltung, Kirche und engagierte Bürger. In Einzelhandelsgeschäften, in Cafés und Restaurants werden Produkte aus fairem Handel angeboten.

Es gibt schon zwei Fairtrade-Schulen in Künzelsau: die Kaufmännische Schule und das Ganerben-Gymnasium, die Georg-Wagner-Schule ist auf dem Weg dahin. Die Schulen beschäftigen sich in Fairtrade-AGs mit dem Thema und setzen verschiedene Projekte um.


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