Eine Stadt, zwei Freilichtbühnen

Künzelsau  Gleich zwei Laienspieltruppen sorgen in Künzelsau mit Sommertheater für Unterhaltung - eine im Burggraben von Schloss Stetten, eine im Kocherfreibad. Wegen Corona pausieren 2020 allerdings beide.

Von Barbara Griesinger
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2014 ging es temperamentvoll zu im Burggraben: Mit "Zorro" erzählte das Ensemble der Burgfestspiele Schloß Stetten die abenteuerliche Geschichte des mexikanischen Freiheitskämpfers.

Foto: Archiv/Stolla

Jagsthausen hat eine, Schwäbisch Hall hat eine und Künzelsau hat gleich zwei - Freilichtbühnen, auf denen im Sommer Theater gespielt wird.

Und weil die Hohenloher nicht nur eine Schwäche fürs Theater haben, sondern viele von ihnen auch begeisterte Schauspieler sind, stehen im Burggraben von Schloß Stetten wie auch beim Theater im Fluss im Künzelsauer Kocherfreibad durchweg Laien auf der Bühne.

Erste Premiere 1989 gefeiert

Die Ursprünge dieser Theaterleidenschaft liegen hoch droben über dem Kochertal vor den Mauern der einstigen Stauferburg. Dort ging die erste Premiere 1989 über die Bühne. Mit "Hi Stetten - Hi Hohenlohe" wollte Wolfgang von Stetten damals an die Tierberger Fehde vor genau 500 Jahren erinnern, in der sich die Edelfreien von Stetten und die Grafen von Hohenlohe heftig bekriegten. Er griff zur Feder und schrieb ein opulentes Stück, in dem gekämpft und gefeiert wurde. Schauspieler wie Publikum waren begeistert - und die Burgfestspiele auf Schloß Stetten waren geboren.

Alle zwei Jahre überraschte der Schlossherr, Prinzipal und Stückeschreiber in Personalunion mit einem neuen Stück. Anregung fand er dabei im reichen Sagen- und Historienschatz der Region.

Für die Inszenierung holte er sich Unterstützung bei Theater-Profis von Rolf Parton über Franz Bäck und den allzu früh verstorbenen Björn Dömkes bis zu Udo Grunwald, der mittlerweile im Burggraben Regie führt.

Action hoch über dem Kochertal

Schnell ging das anfangs zweijährige Event jährlich über die Bühne. Kinderstücke, Operetten, Mantel-und Degen-Stücke, Musical-Nächte, Krimi-Dinner sorgen für einen bunten Mix. Bunt und actionreich geht es dabei zu. "Wir wollen, dass die Leute fröhlich nach Hause gehen", fasst Wolfgang von Stetten sein Credo zusammen. Problemstücke, die zum Nachdenken anregen, gibt es im Burggraben nicht. Das ist auch gut so, denn unten am Kocher hat sich 2010 ein weiterer Theaterverein formiert.

Das Theater im Fluss hat sich aus der Burgschauspieltruppe heraus entwickelt. Und der Name ist Programm: Die Amateurtruppe spielt im Künzelsauer Freibad direkt am Kocherufer. Die Truppe um Franz Bäck (Regie), Nina Weitzner (Ausstattung) und Eva-Maria Schneider-Reuter (Musik) hat sich zum Ziel gesetzt "auf verständliche und unterhaltsame Weise literarisch und schauspielerisch anspruchsvolles Theater zu machen." So fasst der Vereinsvorsitzende Heiner Sefranek die Intention des Theatervereins zusammen.

Bekannte Dramatiker und selten gespielte Stücke

Eine Stadt, zwei Freilichtbühnen

Mit künstlerisch aussagekräftigen Kostümen und Masken stattet Maskenbildnerin Nina Weitzner die Darsteller vom Theater im Fluss immer wieder aufs Neue aus, so auch bei Maxim Gorkis "Barbaren" 2018.

Foto: Archiv/Ludwig

Auf dem Spielplan stehen dabei bekannte Dramatiker von Nestroy bis Brecht oder Faßbinder, aber auch selten gespielte Stücke wie Paul Kornfelds "Jud Süß". Längst hat sich die Truppe so eine große Fangemeinde weit über die Kreisgrenzen hinaus erobert.

An dem außergewöhnlichen Spielort hält das Theater im Fluss mit abwechslungsreichem Stationentheater auf mehreren Bühnen das Publikum nicht nur physisch in Bewegung.

Mit ihrer Experimentierfreude sorgt das Ensemble von Jahr zu Jahr immer wieder aufs Neue für Überraschungen - sei es, indem das Kocherfreibad in einen Rummelplatz verwandelt wird wie bei Molars "Liliom", sei es mit Verfremdungseffekten wie den aufwendigen Masken bei "Jud Süß" oder der Aufnahme von Flüchtlingen in die Theatertruppe bei Faßbinders Integrationsdrama "Angst essen Seele auf".

Ausfall 2020

Wegen der Corona-Pandemie sind beide Freilichttheater in diesem Jahr in der Zwangspause und die Theaterfans müssen auf 2021 hoffen. Für das Theater im Fluss ist das bereits die zweite Saison in Folge, die ausfällt. Vergangenes Jahr wurde die Spielstätte, das Künzelsauer Kocherfreibad, aufwendig saniert und stand deshalb nicht zur Verfügung.

Auf eine andere Spielstätte oder gar in eine Halle auszuweichen, kam für die Truppe nicht in Frage, ist das Kocherfreibad doch wesentlicher Teil des künstlerischen Konzepts. 2021 soll dann das für diese Saison geplante Stück, Johann Nestroys "Talisman" , nachgeholt werden.

Im Burggraben von Schloß Stetten wird das historische Stück "Der Justizmord von Hall" aus der Feder von Wolfgang Freiherr von Stetten zu sehen sein.

 

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