Die Künzelsauer und ihr Maddäsle

Künzelsau  Der Spitzname der Kreisstadt ist eng mit der Markttradition verbunden. Viele Künzelsauer Charakterköpfe wurden mit eigenen Necknamen bedacht.

Von Ute Böttinger
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Zu einem richtigen, eingetragenen Ortsspitznamen hat es das "Maddäsle" nicht geschafft. Dennoch hat dieser Neckname für die Künzelsauer eine große Bedeutung. Spielt doch das "Maddäsle" auf die lange Tradition der Märkte der heutigen Kreisstadt des Hohenlohekreises an.

360 Jahre alt wird im Februar 2021 der Künzelsauer Matthias-Markt. Dieser Krämermarkt ist dabei nicht nur der Auftakt der drei Jahresmärkte, er ist auch der Namensgeber für das "Maddäsle". Der Heilige Matthias gilt als Schutzpatron der Metzger, Schneider, Schmiede, Bauhandwerker und Zuckerbäcker. Mit dem Gedenktag des Apostels am 24. Februar wurde der Matthias-Markt schließlich zum festen Datum.

Jahrmärkte hatten große Bedeutung

Kaiser Wenzel war es, der 1360 dem Marktflecken Künzelsau bereits vorhandene Marktrechte bestätigte. Vier Jahrmärkte wurden in damaliger Zeit in der Kocherstadt abgehalten, einer davon war der Johannes-Markt, der bis heute geblieben ist. Dieser älteste Krämermarkt am Namenstag von Johannes dem Täufer (25. Juni) kann in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht stattfinden. Im Jahresreigen der letzte ist der Simon-Judä-Markt. Am 28. Oktober 1741 wurde er erstmals abgehalten und ist damit auch der jüngste Krämermarkt der Stadt. Zu früheren Zeiten galten diese Jahrmärkte oftmals als einzige Gelegenheit, sich mit Dingen des täglichen Bedarfs zu versorgen oder auch eine Vielzahl an Dienstleistungen - vom Kesselflicker bis zum Scherenschleifer - in Anspruch zu nehmen.

Drei Krämermärkte prägen das Jahr in Künzelsau

Heute locken der Matthias-Markt, der Johannes-Markt sowie der Simon-Judä-Markt in jedem Jahr eine Vielzahl an Besuchern nach Künzelsau. Neben Gewürzen, Alpakawolle oder gusseisernen Pfannen gibt es beim Marktrundgang zudem kulinarische Angebote wie beispielsweise gebrannte Mandeln, Liköre, Crepes oder Grillwürste.

Schimbele, Bäle und Hexeheiner - Alles Künzelsauer Originale

Die Künzelsauer und ihr Maddäsle

Nicht nur viele Geschichten aus früherer Zeit hat Friedrich Haag (1878-1976) gesammelt. In einem Buch, herausgegeben von der Stadt Künzelsau im Jahr 1970, wusste der Sattler und ehemalige Bürgermeister auch um die "Gestalten im alten Künzelsau" zu erzählen. Viele "Originale" habe es gegeben und: "die meisten wurden mit Spitznamen bedacht, den sie in der Regel nicht gerne hörten." "Schimbele" oder "Bäle", "Heringsfrieder" oder "Langer Samstich", "Schorli" oder "Hexeheiner": Viele dieser "Sonderlinge" seien "geborene Witzbolde" gewesen, andere "fielen durch die Eigenart ihres Wesens auf", so die Niederschrift des Künzelsauer Ehrenbürgers Haag.

Dazu wusste er so manche heitere Episode zu erzählen. Etwa die vom Kolonialwarenhändler im Würzburger Bau, welcher in allem sehr genau gewesen sei. Beim Abwiegen seines Kaffees habe er stets eine Bohne zerbissen, um das genaue Gewicht zu ermitteln. Da lag der Spitzname "Bounebeißer" nahe.

Recht lustig ging es wohl in der Besenwirtschaft des "Gouloppenschmid" zu. Zu seinen Spitznamen kam dieser Handwerker, weil ihm seine Frau an jedem Samstag beim Sichelesbeck einen Gugelhupf (Gouloppe) backen musste. Zum Herbst betrieb er eine Besenwirtschaft und schenkte seinen "Kochermouscht" aus. Ein recht "strowelicher Mouscht" sei das gewesen. Dennoch habe dieser dem "Küwelheiner", einem Nachbarn des Besenwirts, recht gut geschmeckt und in weinseliger Stimmung habe derselbe "sein Leiblied" angestimmt: "Wenn's nur alltag Sonntag wär".

 

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