Maczollek geht nach 25 Jahren in den Ruhestand

Künzelsau  Im Juli geht Jürgen Maczollek, Leiter des Senioren- und des Demenzzentrums in Künzelsau, nach mehr als 25 Jahren in den Ruhestand. Claudia Alt wird seine Stelle übernehmen.

Von Barbara Griesinger
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Jürgen Maczollek überreicht seiner Nachfolgerin Claudia Alt einen symbolischen Schlüssel. Die Übergabe des echten Schlüssels steht am 1. Juli an.

Foto: Barbara Griesinger

Als Jürgen Maczollek 1994 als fünfter Leiter des gerade einmal vier Jahre jungen Alten- und Pflegeheims St. Bernhard nach Künzelsau kam, hatte er sich auf maximal fünf Jahre am Kocher eingestellt. Denn "nach drei Jahren wird es sicher langweilig", hat er sich damals gedacht - und sich gewaltig geirrt.

Mehr als 25 Jahren 

Aus den fünf Jahren sind mehr als 25 geworden, wenn der Regionalleiter der längst zum Seniorenzentrum gewachsenen Einrichtung mit benachbartem Demenzzentrum im Juli die Schlüssel an seine Nachfolgerin Claudia Alt übergibt. Ihr gibt er mit auf den Weg: "Es wird nie langweilig in der Altenpflege. Da gibt es immer etwas Neues."

Mit den Menschen, Mitarbeitern, Bewohnern und deren Angehörigen zu sprechen und Vertrauen zu schaffen, sei in der Anfangszeit seine wichtigste Aufgabe gewesen, erinnert er sich. Zumal es für viele Bewohner des ländlichen Hohenlohes damals noch ein "Gschmäckle" gehabt habe, die Pflege der älteren Generation nicht selbst zu übernehmen, sondern einer Einrichtung zu überlassen. Zwar sei er als Reingeschmeckter anfangs genau beäugt worden, aber "die Leute haben sich ernst genommen gefühlt und mir Vertrauen geschenkt", sagt er. Schon die Anfangsjahre seien deshalb "wunderbar" gewesen.

"Man kann Lebenswelten für Menschen gestalten, und das ist geradezu eine Droge", umschreibt Maczollek, was ihn an seiner Arbeit stets besonders fasziniert.

84 Bewohner werden versorgt 

Unter seiner Leitung ist aus dem Alten- und Pflegeheim unter dem Dach der Caritas ein Seniorenzentrum geworden. Dieses wird seit dem Jahr 2000 von der Paul Wilhelm von Keppler-Stiftung geführt und versorgt bis zu 84 Bewohner nach einem ganzheitlichen Betreuungskonzept.

Jürgen Maczollek geht es dabei um eine so individuelle Pflege wie möglich. Angehörige, die wichtigsten Freunde der Bewohner, und der angestammte Hausarzt werden dabei eingebunden.

Angeschlossen an das Seniorenzentrum ist nicht nur eine Kurzzeitpflege, sondern auch betreutes Wohnen mit zwölf Wohneinheiten. Zudem werden Beratung und Vermittlungsdienste bei Unterstützungs- und Pflegebedarf angeboten.

Menschen zur Seite stehen

Ganz ohne den Blick auf die Wirtschaftlichkeit geht es freilich auch in St. Bernhard nicht. Wichtiger war für Jürgen Maczollek, der nicht nur Bankkaufmann ist, sondern nach dem Zivildienst eine Krankenpfleger-Ausbildung und ein Psychologiestudium anschloss, Menschen in Umbruchzeiten ihres Lebens zur Seite zu stehen. Denn: "Man kann helfen, und das ist ein gutes Gefühl."

Zusammen mit dem vom Künzelsauer Unternehmerpaar Hofmann ins Leben gerufene Demenzzentrum, dem Max-Richard und Renate Hofmann-Haus, ist er als Regionalleiter seit 2014 für 120 Mitarbeiter in beiden Einrichtungen zuständig. "Altenpflege ist immer Teamarbeit", so Maczollek. Kooperation mit der Diakoniestation im Betreuten Wohnen ist in St. Bernhard genauso selbstverständlich wie die Zusammenarbeit mit Palliativ-Care und Hospiz im Seniorenzentrum.

Pflegekräften wird viel abverlangt

Der Pflegealltag werde immer dichter, die Bewohner immer älter und pflegebedürftiger. Das Durchschnittsalter in St. Bernhard liegt bei 90 Jahren. Das verlange den Pflegekräften hohe Professionalität und Flexibilität ab. Psychohygiene, kleine Atempausen im Berufsalltag, "um durchzuatmen und zu reflektieren, worum es eigentlich geht", seien da notwendig.

Auch da habe er eine große Entwicklung mitgestalten können, sagt Maczollek rückblickend und ist stolz auf sein "unglaublich stabiles Team", in dem es wenig Fluktuation gibt. "Wer im Sankt Bernhard arbeitet, bleibt bis zur Rente", sagt er. Und das wiederum ist gut für die Bewohner.

Was der eigene Ruhestand nun bringen wird, das ist für Jürgen Maczollek noch offen. Erst mal ist tief Durchatmen angesagt, doch auf lange Sicht wird es für den rührigen 61-Jährigen wohl nicht ohne Ehrenamt gehen. Was er dann macht, das wird sich zeigen.

Die Nachfolgerin

Seit Mai arbeitet sich Claudia Alt an der Seite von Jürgen Maczollek in ihre neue Aufgabe als Regionalleiterin des Senioren- sowie des Demenzzentrums in Künzelsau ein. Die 58-Jährige stammt aus dem Zabergäu und wohnt mit ihrer Familie in Heilbronn.

Nach ihrem Sozialpädagogikstudium hat sie nicht nur lange Jahre in der Heilbronner IAV-Stelle ältere Menschen in Fragen zu ambulanter Pflege beraten, sie bringt auch praktische Erfahrungen in der Leitung von kleineren Seniorenheimen mit nach Künzelsau. Sie hat ein privates Seniorenheim mit zwei Standorten in Möckmühl und Widdern für je 40 Bewohner sowie ein weiteres in Sulzbach geleitet, zudem auch das Mehrgenerationenhaus in Untergruppenbach, in dem eine Kita und ein Pflegeheim unter einem Dach vereint sind.

Reiz an neuen Stelle 

Mit dem Seniorenzentrum St. Bernhard und dem benachbarten Demenzzentrum Max-Richard und Renate Hofmann-Haus übernimmt sie nun deutlich größere Einrichtungen. Gereizt hat sie an dieser neuen Stelle vor allem der wertschätzende Umgang mit Bewohnern und Mitarbeitern, für den die Keppler-Stiftung für sie steht.

Sie übernimmt die Einrichtungen in einer Ausnahmezeit, in der durch die Pandemie Einschränkungen für die Bewohner gelten, die bislang infektionsfrei geblieben sind. Auch ein großes Bauprojekt steht für St. Bernhard an. Bis 2028 soll das Seniorenzentrum erweitert werden.


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