"Der Zusammenhalt in Jagsthausen ist auch ohne Krise hoch"

Jagsthausen  Roland Halter spricht im Interview über die Vorzüge von Jagsthausen und erklärt, warum er so gern Bürgermeister dort ist.

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land Halter Bürgermeister in Jagsthausen. Nun erlebt er erstmals einen Sommer ohne Burgfestspiele und muss seine Gemeinde durch eine schwierige Zeit lotsen. Was ihm dabei Hoffnung macht und wo er am besten auf neue Ideen kommt, verrät er im Interview.

Herr Halter, am Freitagabend wären Sie zur Premiere von "Monty Python"s Spamalot" auf die Götzenburg gegangen. Was machen Sie anstelle dessen?

Roland Halter: Ich weiß es nicht, traurig sein, bei mir zu Hause sitzen und auf die Fanfare warten. Das ist ganz komisch.

Wie tief sind Ihre Sorgenfalten wegen der Burgfestspiele?

Halter: Das Glas ist halbvoll. Es laufen gerade intensive Gespräche mit dem Land Baden-Württemberg, dem Landkreis Heilbronn, natürlich mit unseren Sponsoren. Das Land hat klar signalisiert, dass wir eine Perle in der kulturellen Landschaft Baden-Württembergs sind und man alles versucht, uns über diese schwierige Phase zu helfen. Genauso gab es ermutigenden Zuspruch vom Landkreis Heilbronn. Auch setzen unsere Sponsoren, wofür ich besonders dankbar bin, ihr für uns überlebenswichtiges Engagement fort. Das lässt mich hoffen.

Wie erleben Sie die Jagsthäuser in der Krise? Wie ist der Zusammenhalt?

Halter: Der Zusammenhalt in Jagsthausen und Olnhausen ist auch ohne Krise immer hoch. Die Bürgerinnen und Bürger habe ich zuversichtlich, mutig, besonnen und verständnisvoll, trotz der doch massiven Einschränkungen, erlebt.

Roland Halter ist 62 Jahre alt und ist seit 1986 Bürgermeister von Jagsthausen. Zudem ist er Geschäftsführer der Burgfestspiele. Seine berufliche Karriere begann 1983 als Diplom-Verwaltungswirt bei der Stadt Heilbronn,anschließend war er ein Jahr als Fachbeamter für das Finanzwesen in der Talheimer Verwaltung tätig. Roland Halter ist in Neckarsulm aufgewachsen, verheiratet, hat zwei Töchter und einen Enkel. Foto: Ralf Seidel

Stimmt Sie das auch positiv?

Halter: Wenn man so eine positive Bevölkerung hinter sich spürt, hat das auf einen persönlich großen Einfluss. Es gibt Kraft und Mut, nach vorne zu gehen und die Verantwortung für die Menschen im Ort wahrzunehmen.

Sie sind nun in Ihrer fünften Amtszeit. Warum sind sie so gerne Bürgermeister in Jagsthausen?

Halter: Jagsthausen ist eine kleine, aber feine Gemeinde. Es leben bodenständige und engagierte Menschen hier, für die es sich lohnt, zu arbeiten. Die Gemeinde ist stark geprägt durch die Burgfestspiele. Die Toleranz, ungewöhnliche Wege mitzugehen, ist dadurch groß und unterscheidet uns sicherlich von vergleichbaren Gemeinden. Der Austausch mit den Menschen hier macht mir immer noch viel Freude.

Was haben Sie in Ihrer letzten Amtszeit noch alles vor?

Halter: Hätten Sie mich das vor einem Vierteljahr gefragt, wäre die Antwort sicher klarer ausgefallen. Im Moment gilt es zuallererst, die große Herausforderung mit Covid-19 zu bestehen, damit Jagsthausen hinterher auch der Ort ist, der er vorher war. Die Pandemie wird starke Auswirkungen auf die Gemeinde, das ganze Finanz- und Investitionsprogramm haben. Uns werden finanzielle Mittel fehlen. Insofern glaube ich, wäre es im Moment falsch, langfristig in die Zukunft zu schauen. Fakt ist, vieles wird mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Was zum Beispiel?

Halter: Das, was uns auf jeden Fall beschäftigt, ist die Sicherung der Wasserversorgung. Das ist so ein fundamentales Thema, das ich nicht lange in die Zukunft verschieben darf. Ansonsten wird sicher das ein oder andere Straßenbauprojekt, die ein oder andere Gestaltungsmaßnahme wohl weiter in die Zukunft verlagert.

Haben sie schon einen Überblick, wie sich die Corona-Krise auf die Finanzen der Gemeinde auswirken wird?

Halter: Es gibt ja die Steuerschätzung vom Mai. Wenn man die herunterbricht, werden sich die Mindereinnahmen der Gemeinde sowie die jetzt zwangsläufigen Mehrausgaben auf einen Betrag von rund 300 000 bis 400 000 Euro belaufen. Das bedeutet, dass wir unseren Haushalt 2020 nicht ausgleichen können, was vorher darstellbar war. Die einzige Hoffnung ist, dass das Land ein weiteres Finanzpaket schnürt, das uns jetzt hilft. Wir sind hier finanziell nicht auf Rosen gebettet, wir waren es gewöhnt, jeden Euro dreimal umzudrehen, umso bitterer ist unsere Haushaltssituation jetzt.

Wenn Sie mal durchschnaufen wollen, wo gehen Sie dann hin?

Halter: Ich bin tagtäglich auf der Gemarkung unterwegs, um den Kopf frei zu kriegen. Viele Ideen entstehen in der ungezwungenen Atmosphäre eher, als wenn man sie am Schreibtisch erzwingen will. Ich setze mich gern auf mein Motorrad und bin in der Umgebung unterwegs. Auf dem Motorrad ist zum Beispiel die Idee Dorfladen entstanden.

Haben Sie einen Lieblingsort?

Halter: Schwierige Frage. Es gibt einige. Ich würde sagen, gerade die neue Ortsmitte in Olnhausen mit dem Dorfgemeinschaftshaus und besonders dem Backhaus, das wir vor Corona bürgerschaftlich neu zum Leben erweckt haben.

 

Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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