Besondere Lösung für zwei besondere Frauen

Ingelfingen  Die Hohenloher Weinhoheiten haben die Kronen getauscht: Die bisherige Hohenloher Weinkönigin, Mathea Weinstock, hat ihre Krone an die bisherige Prinzessin, Marleen Häfele, weitergereicht. Es ist eine ungewöhnliche Zeit, auch für Weinhoheiten.

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Nach einem Jahr, in dem sie durch Corona ausgebremst wurden, haben die Hohenloher Weinhoheiten jetzt die Kronen getauscht: Königin Mathea ist nun Prinzessin (li.), die bisherige Prinzessin Marleen die neue Königin.

Fotos: Armin Rößler

Wie außergewöhnlich diese Krönungszeremonie über die Bühne geht, zeigt sich am untypischen Outfit der Württembergischen Weinkönigin Tamara Elbl: Zu Krone und Kleid gesellen sich Mund-Nasen-Schutz und lange Handschuhe, ehe sie nach den Kronen greift. Erst ist die silberne an der Reihe, die sie Mathea Weinstock aufsetzt. Dann lässt die Untersteinbacherin, aktuell Kandidatin fürs Amt der Deutschen Weinkönigin, die goldene Krone aufs Haupt von Marleen Häfele wandern.

Mathea Weinstock: "Uns vergisst keiner mehr"

"Uns vergisst keiner mehr", sagt Mathea mit einem Lachen. Die bisherige Hohenloher Weinkönigin, eben noch Mathea I., hat ihre Krone weiter gereicht - an die bisherige Prinzessin, die nun zu Marleen I. und damit zur 47. Hohenloher Weinkönigin geworden ist. Und aus der Vorgängerin wird die neue Prinzessin Mathea. Der Kronentausch - eine besondere Lösung für zwei besondere Hoheiten in der ganz besonderen Situation der Corona-Pandemie. "Wie es für uns weitergeht, steht noch in den Sternen", will sich Weinkönigin Marleen "überraschen lassen", wie sich die Lage entwickelt. "Wir sind ein starkes, unschlagbares Duo", ergänzt Mathea.

Besondere Lösung für zwei besondere Frauen

Den Corona-Regeln entsprechend hielten die Gäste beim Kronentausch, darunter Landrat Dr. Matthias Neth (re.), ausreichend Abstand.

"Marleen & Mathea 2.0 - Kronentausch in Hohenlohe" heißt es im Schwarzen Hof in Ingelfingen vor wenigen geladenen Gästen. Das Weinfest in Criesbach, auf dem sonst die Wahl stattfindet, fällt wegen der Corona-Pandemie dieses Jahr leider aus. Neue Hoheiten zu krönen, wäre in einer Zeit ohne Großveranstaltungen eine undankbare Angelegenheit gewesen.

Die Idee der beiden Hoheiten, einfach noch ein Jahr dranzuhängen, das aber in vertauschten Rollen zu tun, wurde deshalb von allen Beteiligten dankbar angenommen. "Wir fanden die Idee schön", sagt Silke Amann stellvertretend fürs Betreuerteam. Zumal sie den beiden großes Engagement und große Motivation bescheinigt. "Die Leidenschaft für den Wein und das Hohenloher Land war immer zu spüren."

Ein Zeichen, dass es auch anders geht

Genau das kommt in den Grußworten zur Sprache. "Zwei besondere Frauen" sieht Landrat Dr. Matthias Neth. Der Kronentausch sei "ein starkes Zeichen". Für Neth "ein gelebtes Zusammenhalten". Die Weinhoheiten hätten damit gezeigt, "dass es auch anders geht". Und noch eine Besonderheit spricht der Landrat an: "Wer kann schon von sich behaupten, von der künftigen Deutschen Weinkönigin mit FFP2-Maske gekrönt worden zu sein?"

Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer erinnert daran, dass schon die Wahl im vergangenen Jahr große Besonderheiten aufgewiesen hat: Erst waren die beiden Kandidaten ohne Absprache im gleichen Dirndl erschienen, dann hatte es ein Patt gegeben, sodass das Los entscheiden musste. Nun die Kronen einfach zu tauschen, sei "eine ganz tolle Idee", so Bauer, "das zeigt wahrhaft königliches Verhalten".

Botschafterinnen für die Region

"Sie haben den Wein und die Region hervorragend vertreten", bedankt sich Reinhold Fritz (Weinkellerei Hohenlohe). Die beiden seien "tolle Botschafterinnen für unser Hohenloher Land und unseren Hohenloher Wein". Christian Kress begrüßt die Gäste für den Gesangverein Criesbach und den Landfrauenverein, die sonst das Weinfest ausrichten. Er erinnert daran, dass genau dort auch die hoheitliche Karriere von Tamara Elbl begonnen hat.

Die scheidende Weinkönigin Mathea erspart sich abschließende Worte. "Mir ist nichts eingefallen", gesteht sie, "Abschluss passt heute nicht". Deshalb werde sie auch keine Tränen vergießen, "das kommt nächstes Jahr". Der Wunsch beider, nachdem die Regentschaft im März unterbrochen worden ist, wäre, spätestens im März 2021 genau da weitermachen zu können, wo sie aufhören mussten. Mit einer kleinen Weinprobe, die den Kronentausch begleitet, gibt es einen Querschnitt durch den Hoheitenjahrgang 2019. "Wir hoffen, Sie sind auch so begeistert wie wir", sagt Marleen I. Und gleichzeitig ist sie schon "ganz gespannt" auf den 2020er Jahrgang.


Armin Rössler

Armin Rößler

Armin Rößler, geboren in Heilbronn, aufgewachsen in Untereisesheim, schreibt nach über dreißig Jahren im badischen Exil seit 1. Juli 2020 für die Hohenloher Zeitung.

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