Zu Besuch beim "Brodekönig"

Ilsfeld  Willi Brod wurde wie sein Vater Wilhelm nach dem letzten König von Württemberg benannt. Er und seine Frau Gudrun sind Ur-Ilsfelder - und kennen die Beziehung von Ilsfeld zur königlichen Hoheit.

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Willi und Gudrun Brod sind beide mit dem Weinbau groß geworden. Noch heute legen sie, so gut es geht, in den Weinbergen Hand an. Für sie bedeute das weniger Pflicht denn Freude, sagen die alteingesessene Ilsfelder Eheleute.

Foto: Christiana Kunz

Als Willi und Gudrun Brod 1969 die alte, baufällige Töpferei in der Hasengasse kauften, wurden sie von vielen Ilsfeldern belächelt. "Heute beneiden sie uns dafür", sagt Gudrun Brod lachend. Die Jahre, in denen das Paar eisern für sein Traumhaus sparte, es umbaute und anbaute, haben sich rückblickend gelohnt: Das Paar ist stolz auf ihr Anwesen und den großzügigen Garten. Gudrun und Willi Brod sind alteingesessene Ilsfelder, auch wenn sie dort nicht geboren wurden.

Die Familie von Willi Brod begleitet außerdem ein ganz besonderes Erbe: Sein Vater Wilhelm wurde am 6. Dezember 1906 getauft - der Tag der Wiedereinweihung der Ilsfelder Kirche, die bei dem verheerenden Brand 1904 größtenteils zerstört wurde. Taufpate war niemand geringeres als König Wilhelm II. Willi Brod erzählt, dass sein Vater deswegen sehr stolz gewesen sei.

Bis heute ist das Taufkleid des Königs in Familienbesitz

Seitdem zieht sich die Verbindung zum König durch die Familiengeschichte der Brods: Er war Namensgeber für Wilhelm Brod und seinen Sohn Willi und stiftete auch das Taufkleid, das die Kinder und Kindeskinder der Brods bis heute symbolisch bei ihrer Traufe tragen. Bei den Festumzügen zu 100 Jahre nach dem großen Brand von Ilsfeld und dem Wiederaufbau des Orts traten Gudrun und Willi Brod als Königspaar auf. Willi Brods Elternhaus in der König-Wilhelm-Straße stand an der Stelle, wo heute das König-Wilhelm-Zentrum steht. Nicht umsonst trägt Willi Brod den Spitznamen "Brodekönig", ein Wortspiel aus Brod und König.

Willi und Gudrun Brod haben den Ort wachsen sehen, sie sind fest im Gemeinde- und Vereinsleben verwurzelt. Wie die Brods die Entwicklung des Ortes erlebt haben? "Sie ging recht schnell voran", sagt Gudrun Brod, und bedauert, dass es heute weniger Landwirte gibt.

Die Brods übernahmen 1975 den landwirtschaftlichen Betrieb mit Ackerbau, Weinbau und Viehzucht von Willi Brods Eltern. Der Weinbau bleibt bis heute seine Leidenschaft und auch die seiner Frau. In den Weinbergen in Grantschen und Botenheim, die Sohn Steffen weiterführt, legen Willi und Gudrun Brod noch immer Hand an.

Willi Brod wuchs mit Pferden auf, arbeitete im Ilsfelder Reitverein mit. An Wochenenden nahm er an Turnieren und Wettkämpfen in der Region teil. Gern erinnert er sich an die ausgelassenen Vereinsfeste zurück, bei denen bis in die frühen Morgenstunden getanzt wurde. "So ein Fest besteht nur durch ehrenamtliche Helfer", sagt der 72-Jährige. Stolz berichtet er auch von der Kameradschaft, die aus dieser Zeit erwachsen ist und noch immer besteht.

Auch bei der Freiwilligen Feuerwehr war Willi Brod 40 Jahre lang aktiv, spielte zudem Pauke im Spielmannszug - es ist der einzige verbliebene im Landkreis Heilbronn, sagt Willi Brod. Sein liebstes Hobby: 30 Jahre zog es ihn mit Kameraden in die Berge zum Wandern.

Willi Brod stand immer hinter seiner Frau

Gudrun Brod zog es erst nach der Hochzeit 1971 vom elterlichen Aussiedlerhof in Brackenheim-Botenheim nach Ilsfeld. Im Ort fand sie dann aber recht schnell Anschluss, zumal sie sich in zahlreichen Vereinen engagierte. "Ich bin gut aufgenommen worden und habe mich im Ort von Anfang an wohlgefühlt. Die Menschen hier sind sehr warmherzig."

Die 73-Jährige muss gut überlegen, als sie ihre Aktivitäten aufzählt: Zwölf Jahre war sie Vorsitzende und 20 Jahre Vorstandsmitglied beim örtlichen Landfrauenverein. Außerdem ist sie Teil der Senioren-Tanzgruppe des DRK, war viele Jahre im Ausschuss des Heimatvereins und sang unter anderem im Ilsfelder Kirchenchor. Als erste Frau wurde die landwirtschaftlich geprüfte Hauswirtschafterin 2002 für acht Jahre in den Aufsichtsrat der Volksbank Beilstein-Ilsfeld-Abstatt gewählt. Das war damals unüblich. "Für mich war das ein Höhepunkt", sagt sie. "Das konnte ich nur schaffen, weil Willi immer hinter mir stand."

Die Familie Brod
Willi Brod wurde am 6. Januar 1948 in Weinsberg geboren, Gudrun Brod am 10. Juli 1946 in Botenheim. Das Paar lernte sich auf einer Fahrt nach Berlin kennen. Im nächsten Jahr feiert es Goldene Hochzeit. Das Paar hat drei Kinder: Simon Brod, Steffen Brod und Sabine Muc engagieren sich in der Gemeinde Ilsfeld. Willi und Gudrun Brod sind mit fünf Enkelkinden gesegnet.


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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