Die Gemeinde Ilsfeld ist reich an Käpsele

Ilsfeld  Auffallend viele bekannte Persönlichkeiten stammen aus der Schozachtal-Kommune. Wir stellen einige von ihnen vor.

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Die Liste der berühmten Namen, die sich in der Ilsfelder Geschichte finden lassen, ist lang: Auffallend viele Persönlichkeiten stammen aus der Schozachtal-Kommune. Sie verbrachten dort ihre Kindheit oder Jugend, zogen mit dem Kuhgespann mit aufs Feld oder streiften durch die Handwerker-Werkstätten. Alle bedeutenden Söhne und Töchter aufzulisten, die einen Bezug zu Ilsfeld haben, würde den Rahmen allerdings sprengen. Darum beschränkt sich die Auswahl auf acht der bekanntesten Käpsele, die aus der Schozachtal-Kommune stammen.

 

 

Gottlob Obenland (1871-1966)

Von der Gründung des Kaiserreichs bis zur Bundesrepublik Deutschland: Gottlob Obenland hat viele Stationen als Zeitzeuge erlebt. Der Sohn einer Ilsfelder Bauernfamilie saß von 1922 bis 1932 als Abgeordneter des Bauern- und Weingärtnerverbunds im Württembergischen Landtag. In Ilsfeld war Obenland Gemeinderat und stellvertretender Bürgermeister. Anlässlich seines 80. Geburtstags wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde ernannt. Obenland war außerdem stellvertretender Feuerwehrhauptmann. Beim großen Brand 1904 leitete er die ersten Löschversuche.

 

Dr. Ferdinand von Steinbeis (1807-1893)

Auch wenn er fürs Studium wegzog: Mit der Schozachtalgemeinde, wo er seine Kindheit verbrachte, blieb Ferdinand von Steinbeis stets eng verbunden. Auf seinem Grab in Ulm nennt er sich "Bürger zu Ilsfeld". Institute, Schulen und Straßen sind nach dem bedeutenden Wirtschaftspolitiker und Förderer der Industrialisierung in Württemberg benannt. Das Grab seiner Mutter Friederike Luise Kerner, eine Schwester des Weinsberger Dichters Justinus Kerner, befindet sich beim Westeingang des Alten Friedhofs und erinnert an die Beziehungen zwischen den beiden Familien.

 

Lothar Späth (1937-2016)

Der angesehene, ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident (CDU) wurde in Sigmaringen geboren, verbrachte aber von 1940 bis 1956 seine Jugendzeit in Ilsfeld. Die Familie wohnte in der Dammstraße, die Großeltern stammten aus Auenstein. Wann immer es mit dem Kuhgespann auf Feld ging, war Späth dabei. Der wissbegierige Jugendliche wurde in der Bartholomäuskirche konfirmiert. Viele Ilsfelder Persönlichkeiten, allem voran Ferdinand von Steinbeis, nahm sich Lothar Späth zum Vorbild. Späths Karriere nahm seinen Lauf, als er Bürgermeister von Bietigheim war.

 

Robert Kohlhammer (1904-1983)

Es waren ungewöhnliche Umstände, unter denen Robert Kohlhammer geboren wurde: Er kam in einem der ausgedienten Eisenbahnwaggons zur Welt, die nach dem großen Brand 1904 als Notunterkünfte dienten. In Stuttgart machte er eine Ausbildung im Druckerei- und Verlagswesen. Mit 25 Jahren gründete er den Konradin-Verlag Robert Kohlhammer. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam das Druckhaus dazu. Die Konradin-Mediengruppe mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen ist Anbieter für Fachmedien, Fachveranstaltung, Wissensmagazine und Online-Portale.

 

Adolf Würth (1909-1954)

In der König-Wilhelm-Straße 75 führten Adolf Würths Eltern Friedrich und Anna den "Würths-Bäck" - wohl ein Wortspiel, weil Friedrich Würth Bäcker und Wirt war, steht im Heimatbuch der Gemeinde. Das Elternhaus, in dem Adolf Würth aufwuchs, stand dort, wo sich heute die Kreissparkasse befindet. Würth zog nach Künzelsau, wo er eine Schraubenfabrik gründete: die Adolf Würth GmbH, inzwischen ein Weltunternehmen. Adolf Würths Sohn Reinhold übernahm das Lebenswerk seines Vaters nach seinem Tod 1954. Nach dem Junior ist in Ilsfeld eine Straße benannt.

 

Johann Adam Schlipf (1796-1861)

Mit Ehrgeiz, Fleiß und Eifer fand Johann Schlipf einen Weg raus aus den bäuerlichen, bildungsfernen Verhältnissen, in denen er in Auenstein aufwuchs. Er war das jüngste von neun Kindern, mit zwölf Jahren wurde er Vollwaise. Sein Vormund, der Schulmeister Bäuerle, förderte den intelligenten und strebsamen Jungen: Schlipf schlug die Lehrer-Laufbahn ein. Aus dem einstigen Lehrling bei einem Dorfschulmeister in Murr wurde ein hoch geschätzter Pädagoge. Er dozierte an der Ackerbauschule in Hohenheim. Unzählige Ausgaben seines Handbuchs der Landwirtschaft sind erschienen.

 

Prof. Dr. Otto Mangold (1891-1962)

Der Sohn des Kronenwirts und Landwirts Wilhelm Mangold in Auenstein hatte eine starke Neigung zu Literatur und Politik. In Auenstein wuchs er auf, besuchte die Volksschule. Zum Naturwissenschafts-Studium zog es ihn nach Tübingen. Für seine Doktorarbeit, die ihm der Nobelpreisträger Hans Spemann auftrug, gelang ihm die Verschmelzung von zwei Amphibien-Eiern. Er lehrte als Professor am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin, das später das Max-Planck-Institut für Biologie wurde. Bis 2009 verlieh die Gesellschaft für Entwicklungsbiologie den Otto-Mangold-Preis.

 

Friedrich Losberger (1891-1969)

Friedrich Losberger wurde als zweites von elf Kindern in Ilsfeld geboren. Er machte ein Mechanikerlehre in Ilsfeld und begann die Wanderjahre. Später gründete er 1919 die Friedrich Losberger Sackhandlung, daraus wurde 1925 die Fabrik für Planen und Wagendecken. Als Autodidakt auf diesem Gebiet entwickelte Losberger Zeltkonstruktionen. Wegen des Baukastensystems und anderer Vorteile gehören sie noch heute zur europäischen Spitzenklasse, die Losberger De Boer Gruppe ist in Bad Rappenau-Fürfeld ansässig. Bei Ilsfelder Festen war Losberger ein gern gesehener Gast.


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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