86 Jahre alter Böckinger Verein steht vor dem Aus

Heilbronn  Der Verein "Siedler und Kleingärtner Heilbronn-Haselter" ist völlig überaltert. Sein marodes Vereinsheim soll abgerissen werden. Nach 86 Jahren wollen sich die Böckinger Siedler und Kleingärtner auflösen. Das Ende kommt nicht überraschend.

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86 Jahre alter Böckinger Verein steht vor dem Aus

Das Vereinsheim der Siedler und Kleingärtner Heilbronn-Haselter in der Längelter Straße muss abgerissen werden.

Foto: Dennis Mugler

Die Einladung zur letzten Hauptversammlung des 86 Jahre alten Vereins "Siedler und Kleingärtner Heilbronn-Haselter" liest sich wie eine bittere Kapitulationserklärung. "Wir sind nicht mehr in der Lage, die Kosten zum Erhalt des Vereinsheims zu stemmen", schreibt der Vorstand an die Mitglieder. Das größte Problem seien die Heizkosten. Es gebe auch kein Kapital, um die notwendige Sanierung des maroden Gebäudes in der Längelterstraße 141 zu finanzieren.

Zudem sei der Verein "hoffnungslos überaltert". Weitere Mitglieder, die bei Vereinsveranstaltungen mithelfen würden, damit Geld in die Kasse kommt, "bekommen wir auch nicht mehr". Schlimmer noch: Bei den Mitgliedern bestehe auch kein Interesse mehr an den Veranstaltungen. "Wir erwirtschaften keinen Gewinn mehr, weil niemand mehr kommt."

Die Geschäftsgrundlage ging verloren

Zu der Hauptversammlung im Vereinsheim im November 2019 kamen rund 25 Personen. Sie erteilten dem Vorstand bei drei Gegenstimmen den Auftrag, den Verein aufzulösen. Die Siedler und Kleingärtner haben keine eigene Kleingartenkolonie wie etwa die Gartenfreunde Rasenäcker in Böckingen.

Der Verein hatte sich 1934 gegründet, als Gemeinschaft, die zum Beispiel gemeinsam Saatgut einkauft, das dann in den Gärten der Häuser, die damals im Haselter entstanden, von den Mitgliedern verwendet wurde. "Wir haben uns gegenseitig geholfen", erinnert sich Manfred Knodel. Früher habe der Verein bis zu 115 Mitglieder gehabt. Doch das ehemals gut funktionierende Konzept hat sich überlebt. Der Nutzgarten vor der eigenen Haustür ist selten geworden.

Damit fehlt auch Vereinen wie den Siedlern und Kleingärtnern im Haselter die Geschäftsgrundlage. Heute besteht der Böckinger Verein de facto nur noch aus zwei, drei Leuten: Manfred Knodel, seiner Frau und einer weiteren Person. Seit drei Jahren gebe es keinen Vorsitzenden mehr. Nachfolger in der überalterten Mitgliederstruktur ließen sich nicht mehr finden, berichtet Manfred Knodel, einer der letzten Mohikaner. Hausbesitzer bräuchten heutzutage nicht mehr Einkaufsgemeinschaften wie früher. Siedlervereine wie in Böckingen stünden auch in anderen Kommunen vor dem Ende.

Wie wickelt man einen Verein ab?

So kommt das Aus der Vereins nicht überraschend. "Jeder hat damit gerechnet", erklärt Manfred Knodel. Allerdings tun sich jetzt neue Probleme auf: Wie wickelt man einen Verein ab? Für den Abriss des Vereinsheims ist der Club selbst verantwortlich. Der Böckinger CDU-Stadtrat Karl-Heinz Kübler hat sich eingeklinkt und eine Anfrage an die Geschäftsstelle des Gemeinderats gestellt.

Wichtig wäre es, so Kübler, die rund 1,5 Ar Fläche, auf dem das Vereinsheim steht, "im Rahmen des Neubaugebiets Längelter II" zu nutzen. Kübler bringt eine weitere Variante ins Spiel: Möglicherweise könne der angrenzende städtische Kindergarten in der Helmholtzstraße 49 das Grundstück zur Erweiterung nutzen.

Grundstück gehört der Stadt

Das Liegenschaftsamt hat Kübler geantwortet. Das Grundstück, auf dem das Vereinsheim steht, gehöre der Stadt Heilbronn, heißt es in dem Antwortschreiben. Das Vereinsheim sei in der 1970er-Jahren von den Mitgliedern in Eigenleistung gebaut worden. Die Stadt hat das Gelände also an den Verein verpachtet. Es sei geplant, das Gelände des Kindergartens und des Vereinsheims in den künftigen Bebauungsplan des Neubaugebiets einzubeziehen. Wenn der Bebauungsplan aufgestellt wird, werde auch über die bauliche Nutzung des Terrains entschieden, zum Beispiel Gemeinbedarf oder Wohngebiet. Andere Pläne zur Nutzung seien dem Liegenschaftsamt nicht bekannt.

In dem Böckinger Neubaugebiet "Längelter II", das an die Haselter-Siedlung angrenzt, sollen einmal 3500 Menschen leben. Bis August/September wird der Wettbewerbsentwurf für das Gebiet überarbeitet, kündigte die Stadtverwaltung bei der Böckinger Bürgerversammlung im Dezember 2019 an. Mit dem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan könne die Erschließung 2025 beginnen.

Die Pläne für das Neubaugebiet sind umstritten

Die Pläne für das Neubaugebiet sind umstritten. Eine "Bürgergemeinschaft Anlieger Längelter II" hat Unterschriften gesammelt und bei der Bürgerversammlung an Oberbürgermeister Harry Mergel übergeben. Kritik gibt es beispielsweise an der Verkehrserschließung. Schon heute leidet die Haselter-Siedlung unter dem massiven Parkdruck von rund 4000 Schülern der Kreisberufsschule. Die Heilbronner Stadtverwaltung hat bei der Bürgerversammlung versprochen, die Bürger bei der Erarbeitung der weiteren Pläne einzubeziehen.

 

Helmut Buchholz

Helmut Buchholz

Autor

Helmut Buchholz arbeitet seit 1999 bei der Heilbronner Stimme. Er kümmert sich im Stadtkreisressort um die Themen Gericht, Polizei und Soziales. Er leitet außerdem das Thementeam Migration.

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