Klingenbergs Wandel vom Straßendorf zur Wohngemeinde

Heilbronn  Erstmals urkundlich erwähnt wird Klingenberg im Jahre 1293. Tatsächlich aber erfolgte die Besiedelung des Ortes deutlich früher. Es gehört zu den großen Geheimnissen der Geschichte, warum Klingenberg Klingenberg heißt und nicht Rühlingshausen.

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Die fränkische Siedlung Rühlingshausen, nur ein Stück östlich von Böckingen gelegen, wird in Wimpfener Urkunden aus dem Jahr 823 erwähnt. Als nach etwa 200 Jahren die Herren von Klingenberg ausstarben, traten die Grafen von Neipperg 1407 an ihre Stelle. Mehr als 400 Jahre war Klingenberg im Besitz dieses Grafengeschlechts.

Am 1. Januar 1970 wurde Klingenberg nach Heilbronn eingemeindet. 93,3 Prozent der damals 1671 Bürger hatten sich für diese Ehe ausgesprochen und Heilbronn mit 101.390 Einwohnern zur Großstadt gemacht. Dass Klingenberg 123 Jahre lang einen Bahnhof an der Strecke Stuttgart - Heilbronn hatte, wissen nur die wenigsten. Als die Busse der Stadt Heilbronn nach Klingenberg fuhren, wurde der Bahnhof abgerissen. Und mit dem Bau des Stegs war bereits 1925 der Fährbetrieb zwischen Klingenberg und Horkheim eingestellt worden.

Sanierungen lassen auf sich warten

Kommunalpolitisch kocht Klingenberg auf kleiner Flamme. Der seit Jahren erhobenen Forderung, die Theodor-Heuss-Straße zu sanieren, wird wohl im kommenden Jahr nachgekommen. Ursprünglich sollte in diesem Jahr ein Flüsterasphalt aufgebracht werden. Wegen der Erneuerung von Gas-, Wasser- und Stromleitungen mussten die Arbeiten jedoch verschoben werden. Und wann die Kreuzung Leingartener Straße / Siebenmorgenweg durch einen Kreisverkehr ersetzt wird, steht in den Sternen.

Im Blick hat der Bezirksbeirat um Sprecher Stefan Traub (CDU) seit mehr als einem Jahrzehnt die Erweiterung der Grundschule. „Vor dem Hintergrund, dass Klingenberg perspektivisch wachsen wird, muss ein Schulanbau die Container ersetzen“, fordert Traub.

Ein Traum wäre für viele Klingenberger, wenn es gelänge, die Standorte Fußball und Tennis zusammenzuführen und mit Gastronomie zu ergänzen. „Ein solcher Ort der Begegnung wäre für Klingenberg eine Bereicherung und eine Stärkung des Ehrenamts“, sagt Traub.

Gastronomische Angebote fehlen

Zu allen Zeiten war Klingenberg eine arme Gemeinde. Eine Industrieansiedlung war in dem engen Tal nicht möglich. Doch so schlecht, wie landläufig über Klingenberg gesprochen wird, ist die Infrastruktur im Stadtteil heute nicht. „Wir haben einen Arzt, einen Friseur, einen Physiotherapeuten und einen Masseur, ein Dentallabor, zwei Autohäuser, einen Netto-Markt, einen Bäcker, einen Getränkehändler und die Weinstube Wieder“, zählt Ruth Kinbacher auf.

Ein wenig wehmütig blickt die Ortskartell-Vorsitzende dennoch auf die letzten Jahrzehnte zurück, als es in Klingenberg noch drei Gaststätten mit angegliederter Metzgerei beziehungsweise Bäckerei gab. Es waren die Wirtshäuser „Anker“, „Sigloch“ und „Thomaier“.

 


Joachim Friedl

Joachim Friedl

Stv. Leiter der Stadtkreis-Redaktion

Joachim Friedl arbeitet seit Ende 1979 bei der Heilbronner Stimme. Sein Arbeitsschwerpunkt ist die Kommunalpolitik. 

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