Vier Grundschulen gehen noch den Heilbronner Weg

Heilbronn  Betreuung außerhalb des Unterrichts: Die Stadtverwaltung Heilbronn und der Gemeinderat warten auf ein klares Signal aus Stuttgart. Deshalb finanzieren sie erst einmal den Sonderweg weiter.

Email

Ist nach den Sommerferien eine Ganztagsschule nach Wahlform: Die Wilhelm-Hauff-Schule in Heilbronn geht diesen Weg.

Foto: Mario Berger

Grundschüler außerhalb des Unterrichts betreuen: Heilbronn zählt zu den Vorreitern im Land. Der sogenannte Heilbronner Weg hat seine Anfänge im Jahr 2006, als erstmals flächendeckend Ganztagsangebote in den Grundschulen und den heutigen Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren geschaffen wurden. Zurzeit besuchen gut 60 Prozent der Kinder ein solches Angebot.

Mittlerweile hat das Land nachgezogen, die Bildungshäuser können zu Ganztagsschulen werden. Dann sind auch die Lehrer mit im Boot, die genauso mittags zum Einsatz kommen können. Ein Großteil der Heilbronner Grundschulen ist auf diese Schiene umgeschwenkt, doch nicht alle folgen. Deshalb springt die Kommune ein - erst einmal aber nur bis zum Sommer 2021. Denn parallel dazu könnte es auf Landesebene zu Änderungen kommen. Stuttgart diskutiert darüber, kommunale Angebote künftig zu bezuschussen. Das könnte die Fortsetzung des Heilbronner Sonderwegs ermöglichen.

Gemeinderat und Verwaltung haben einen klaren Favoriten

"Wir zwingen keine Schule, zur Ganztagsschule zu werden", betont Bürgermeisterin Agnes Christner. Allerdings sind Teile des Gemeinderats und auch die Verwaltung davon überzeugt, dass eine Ganztagsschule ein besseres Angebot ist. Dann können Betreuungsangebote und schulische Inhalte besser miteinander verzahnt werden. "Wir versuchen, Überzeugungsarbeit zu leisten."

Das sind die jüngsten Entwicklungen

Die Wilhelm-Hauff-Schule sowie die Rosenauschule werden nach den Sommerferien zur Ganztagsschule, die Luise-Bronner-Schule plant einen solchen Schritt. Übrig sind dann nur noch die Dammschule, die Grundschule Alt-Böckingen sowie die Grundschulen in Biberach und Frankenbach. Dass sich dort die Gremien durchringen und auf das Ganztagsmodell umschwenken, glaubt das Rathaus nicht. "Es sind zurzeit keine Präferenzen zu erkennen", sagt Karin Schüttler, Leiterin des Schul-, Kultur- und Sportamts. Das bedeutet für die Stadt, dass sie dort weiterhin den Heilbronner Weg in Eigenregie finanziert. Eine Betreuung bis 14 Uhr ist gesetzt. "Den halben Tag müssen wir absichern", sagt Agnes Christner mit Blick auf berufstätige Eltern. Schulen im Heilbronner Weg können darüberhinaus 15 Betreuungsstunden hinzubuchen. Bislang hat der Gemeinderat beschlossen, den Heilbronner Weg bis Mitte 2021 zu verlängern. Sollte das Konzept auslaufen, heißt das: Eine Betreuung an den vier Schulen gibt es ab Herbst 2021 nur noch bis 14 Uhr.

Die Stadt Heilbronn spart nicht, wenn Schulen auf das Ganztagsmodell nach Landesgesetz umschwenken. Die Erfahrung zeige, sagt Bürgermeisterin Christner, dass dann auch mehr Kinder das Angebot in Anspruch nähmen. Ohnehin sei die Mittagszeit die kostenintensivste, wenn viele Kinder ein Mittagessen zu sich nehmen und bis zum Beginn weiterer Angebote betreut werden. Unterm Strich steckt die Stadt Heilbronn pro Jahr 6,5 Millionen Euro in die kommunal finanzierten Ganztagsangebote in den städtischen Grundschulen; abgezogen sind Landeszuschüsse und Elternentgelte.

 

Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

Zurück zur Übersicht



Kommentar hinzufügen