Hardthausen hat drei Ortsteile und eine Berühmtheit

Hardthausen  Die 4200-Einwohner-Gemeinde Hardthausen wächst seit Jahren stark und hat ihre Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Durch den Ortsteil Lampoldshausen und das Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist der Ort weltweit bekannt.

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Umgeben vom Harthäuser Wald liegt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampolshausen. Foto: DLR

Drei Mehrzweckhallen, drei Grundschulen, drei Friedhöfe, drei Backhäuser: Vieles gibt es in Hardthausen am Kocher dreifach, also einmal in jedem Ortsteil. Kochersteinsfeld, Gochsen und Lampoldshausen sind inzwischen trotz eigenen Identitäten zur Gesamtgemeinde Hardthausen am Kocher zusammengewachsen. Am 1. Januar 1975 kam Lampoldshausen zu den bereits 1974 zusammengeschlossenen Gemeinden Kochersteinsfeld und Gochsen hinzu. Der Nachzügler und bis heute kleinste Ortsteil ist aber gleichzeitig der berühmteste.

Wer Hardthausen nicht kennt, hat mit großer Wahrscheinlichkeit schon einmal von Lampoldshausen gehört. Und das nicht nur in der Region, in Baden-Württemberg oder in Deutschland. Weltweit ist der Ort ein Begriff, weil dort das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Harthäuser Wald angesiedelt ist. Im DLR werden seit mehr als 60 Jahren Raumfahrtantriebe erforscht, entwickelt und erprobt.

In einem Atemzug mit Metropolen

Auch das Kompetenzzentrum für Raumfahrtantriebe der Firma Ariane-Group macht Lampoldshausen zu einer Marke. Satellitenantriebssysteme, hergestellt und getestet in Lampoldshausen, steuern heute eine große Anzahl von Satelliten im All. Auch wenn bei Tests auf dem DLR-Gelände immer wieder weiße Wolken aufsteigen und bei dem einen oder anderen die Fensterscheiben klirren, ist das Luftfahrtzentrum bei den Einwohnern akzeptiert. Viele sind sogar stolz, so eine Einrichtung in ihrer kleinen Gemeinde zu haben.

Dass Lampoldshausen in einem Atemzug mit Metropolen wie Barcelona oder Madrid genannt wird, ist auch dem Forum Ariane Lampoldshausen zu verdanken. Es ist Mitglied im Ariane-Städtebund, um Technologie-Transfer europaweit zu fördern und Lobbyismus für die Raumfahrt zu betreiben.

Drei Ortsteile und eine Berühmtheit
Hardthausen wächst immer weiter. Auch in Kochersteinsfeld wird fleißig gebaut. Foto: Ralf Seidel

Nun aber zurück zur Gesamtgemeinde. Warum heißt die eigentlich Hardthausen? Das weiß Adolf Frank, Vorsitzender des Historischen Forums: "Der Name wurde ausgesucht, weil es in der Nähe vom Langen Grund einmal eine Siedlung gab, die so hieß." Da man beim Zusammenschluss keinen der drei Teilorte bevorzugen wollte, seien alle mit diesem Namen einverstanden gewesen. Seit aus drei Orten einer wurde, ist die Gemeinde stark gewachsen. Von 1975 bis 2020 hat sich die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt. Es entstand in dieser Zeit viel Wohnraum sowohl in den Ortskernen als auch in Neubaugebieten.

In den vergangenen 15 Jahren wurden mehr als 22 Hektar Wohnbaufläche ausgewiesen. Zuletzt entstanden die Baugebiete "Rosenberg II" in Kochersteinsfeld mit 38 Bauplätzen, das innerörtliche Baugebiet "Brunnenstraße" in Lampoldshausen mit vier Bauplätzen sowie das Baugebiet "Ob dem Kirchhof II" in Gochsen mit 107 Bauplätzen. Hardthausen ist eine beliebte Wohngemeinde. Bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft wurde sie aber auch immer mehr eine typische Auspendlergemeinde. Mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer pendeln.

Landwirtschaft spielt große Rolle

Drei Ortsteile und eine Berühmtheit
In Gochsen lässt sich der Kocher erleben, den die Gemeinde im Namen trägt. Foto: Ralf Seidel

Trotzdem spielt die Landwirtschaft weiterhin eine große Rolle, ebenso wie die Direktvermarktung. Es wird in der Gemeinde zum Beispiel Gemüse und Obst angebaut, es gibt Weinbauern, einen Geflügelhof, einen Kartoffelhof, Schweine- und Rinderhaltung sowie eine Mühle.

Arbeitsplätze sind durch die Ausweisung des Gewerbegebiets "Untere Au" in Gochsen und vor allem durch das DLR hinzugekommen. Hardthausen ist zusammen mit Neuenstadt und Langenbrettach zudem am Gewerbe- und Industriepark Unteres Kochertal (GIK) an der Autobahn 81 beteiligt.

Das Thema Energie wird in Hardthausen groß geschrieben. Im Hardthäuser Wald gibt es neben dem DLR nämlich noch eine weitere Besonderheit: Windräder, die von der Bürger-Energie Hardthausen betrieben werden. Zudem besteht seit Juli 2009 die Bürger-Energiegenossenschaft (BEG), die Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien vorantreibt.

Viele Vereine gestalten mit Aktivitäten, Kursen und Festen das Gemeindeleben. Einige gibt es da auch wieder dreifach, wie zum Beispiel die Landfrauen. Der größte Verein ist der TSV Hardthausen.

Supermarkt und ärztliche Versorgung

Nicht schlecht aufgestellt ist die Gemeinde für ihre Größe auch in Sachen Gastronomie, Bäcker, Metzger oder Banken. Trotzdem fehlt den Einwohnern ein Supermarkt, wie eine Umfrage für das Gemeindeentwicklungskonzept "Hardthausen 2035" ergeben hat. Auch die ärztliche Versorgung soll demnach verbessert werden.


Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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