Nach der Absage des Töpfermarkts bangen Handwerker um ihre Existenz

Forchtenberg  Die Absage des Sindringer Töpfermarkts hat für Händler und Vereine drastische Auswirkungen. Es wird an einer Lösung gearbeitet. Alternativ können die Töpfer auf dem Weihnachtsmarkt ausstellen.

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Seit über 30 Jahren ist das Fest der alten Handwerkskunst ein Besuchermagnet.

Foto: Archiv/Tscherwitschke

Die Besucherzahlen sprechen jedes Jahr für sich: Der Sindringer Töpfermarkt zieht Jahr für Jahr Tausende von Menschen in den Forchtenberger Teilort. Aus ganz Deutschland kommen die Händler, die Vereine sind komplett eingespannt und machen aus dem Markt zusätzlich ein kulturelles und kulinarisches Fest. Für die Töpfer bedeutet einer der ersten und bekanntesten Märkte vor allem Futter für die leeren Winterkassen.

Das diesjährige Aus der Veranstaltung, die für den 16. und 17. Mai angesetzt war, ist für die Stadt und die Vereine schade, für die Töpfer geht es ums Überleben. "Die Haupteinnahmezeit ist von Mai bis September," erklärt Hartmut Allmendinger, einer der Aussteller und Berater beim Markt. Die Veranstaltung im Kochertal sei deshalb einer der ersten und für viele auch eine der lukrativsten. "Eine Ausstellerin hat mir mal erzählt, sie nimmt ein Drittel ihres Jahresverdiensts bei uns ein", erzählt der Sindringer Ortsvorsteher Thomas Hartmann.

Markt mit langer Tradition

Hauptanliegen der Vereine und Stadt ist es, den Markt mit seiner 30-jährigen Tradition zumindest nächstes Jahr wieder nach Plan laufen zu lassen. "Ich hoffe, dass es ihn in Zukunft geben wird, denn wir wissen nicht, ob es die Töpfer überstehen werden", ergänzt Hartmann. Die Künstler des alten Handwerks würden eher bescheiden leben. Dass es immer weniger gibt, , zeigen die Bewerberzahlen. Waren es vor einigen Jahren noch zwischen 150 und 200 könne man in diesen Tagen die 75 Ausstellplätze noch gut füllen.

Hartmut Allmendinger hat Verständnis für die Entscheidung der Hohenloher, den Markt abzusagen. "Sie müssten sich nach den Vorgaben richten", überlegt er und meint aber, ob man sich nicht auf höherer politischer Ebene hätte einigen können. "Es findet alles im Freien statt", gibt er zu Bedenken. Er selbst stellt an 15 Märkten übers Jahr verteilt aus. Dieses Jahr war es noch keiner. Tendenzen, dass es noch Ausstellungen geben wird, gibt es keine. Dass einige seiner Kollegen altershalber aufhören, bezweifelt er und sagt: "Die Töpfer, die ich kenne, können es sich nicht leisten aufzuhören." Er habe eine Soforthilfe für zwei Monate erhalten.

Zerbrechliches eignet sich schlecht zum Verschicken

Eine Alternative zu den Märkten sei kaum möglich. "Wenn ich so ein zerbrechliches Stück zum Beispiel zum Verschicken erst eine Stunde verpacken muss und dann noch eine Rechnung schreiben muss, ist der Aufwand zu hoch", so Allmendinger, der seit über 40 Jahren im Geschäft ist. Keramik sei ein haptisches Einkaufen, also mit den Händen, demzufolge sei online Verkaufen nicht optimal. Ein paar Kunden kommen in die Werkstatt und machen einen "Stützkauf", sagt er. Was einige Töpfer retten könnte, seien die geringen Kosten, da etwa nicht jeder die Miete für eine Werkstatt zahlen müsste.

Auch für die Vereine sind alleine die finanziellen Einbußen nicht zu unterschätzen. Insgesamt sieben Vereine, die Landfrauen, der Gesangverein, Fischerverein, die Kulturinitiative KIS, Rotes Kreuz, Sportverein und die Feuerwehr sind an der Organisation und auch am Gewinn beteiligt.

Einnahmen auch für Vereine

Der wird durch acht geteilt. Der achte Teil kommt einem Projekt in der Stadt zugute, wie einer Beleuchtung oder einem Gerät für einen Spielplatz. An einem Wochenende kämen rund 30 000 Euro an Umsatz zusammen. "Sicher muss man noch die Kosten abziehen, aber der Markt war finanziell eingeplant, so Thomas Hartmann.

Auch die Stadt Forchtenberg will ihre Töpfer nicht im Stich lassen und sucht nach Lösungen. Als Alternative können sie auf dem Weihnachtsmarkt ausstellen. Zudem sei man an einer Lösung dran, die bald verraten wird.

 

Stefanie Jani

Stefanie Jani

Autorin

Stefanie Jani schnupperte schon zu Schulzeiten in die journalistische Arbeit der Stimme. Nach dem Studium in Regensburg und verschiedenen Praktika kehrte sie zurück in die Heimat und ist seit 2011 Redakteurin in Hohenlohe.

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