Susanne Martin leitet seit 20 Jahren die Gemeindebücherei in Flein

Flein  Als Kind hat Susanne Martin Jim Knopf verschlungen. Die Zukunftsaussichten der Fleiner Einrichtung sind erfolgsversprechend: Umzug an zentralere Stelle im Ort könnte wahr werden.

Email

"Das kleine Gespenst" hat Susanne Martin als Kind verschlungen. Auch heute noch sind die Bücher von Otfried Preußler beim Nachwuchs gefragt.

Foto: Andreas Veigel

Das Lieblingsbuch aus der Kindheit ist gerade ausgeliehen, deshalb hat sie es fürs Foto nicht zur Hand. Das zeigt, dass Michael Endes "Jim Knopf" auch 60 Jahre nach dem Erscheinen immer noch ein gefragter (Vor-)Lesestoff ist. Susanne Martin greift stattdessen zum "Kleinen Gespenst" von Otfried Preußler. Auch das hat sie als Mädchen verschlungen.

"Meinen ersten Lesestoff habe ich mir in der kleinen Fleiner Schulbibliothek besorgt", erzählt die 59-Jährige. Sie erinnert sich, wie sie den Bücherstapel auf dem Gepäckträger nach Hause geradelt hat. Bücher begleiten sie ihr Leben lang. Seit 20 Jahren leitet sie die kommunale Einrichtung auf dem Gelände der St.-Veit-Schule.

Klassiker über Generationen hinweg

Warum sind Ende, Preußler & Co. immer noch aktuell? Sie seien sprachlich gut, nennt Martin einen Grund. Diese Klassiker der Kinderliteratur würden über Generationen weitergegeben. Hörbücher und Verfilmungen hielten das Interesse der Zielgruppe wach.

"Damals wie heute gibt es Leseratten und Kinder, denen es schwerer fällt, sich auf eine Geschichte einzulassen", macht Martin keine große Veränderung im Leseverhalten von Grundschülern aus. Diese hat Martin fest im Blick. Leseförderung ist ihr ein wichtiges Anliegen. Mit Aktionen und Lesungen vermittle die Bücherei Spaß am Schmökern. "Das gelingt oft durch persönliche Beratung", sagt die Ur-Fleinerin. Und mit ihrem Tipp für Jungen ab zwölf Jahren liegt sie meist richtig: Percy Jackson. "In der Fantasie-Reihe ist die griechische Mythologie sehr spannend verpackt." Damit bekommt sie Jugendliche schon mal weg von PC und Smartphone.

Kooperationen mit Kindergärten und Schulen

Martin ist sich bewusst, dass es Elternhäuser gibt, in denen das Lesen wenig gefördert wird. "Dem wollen wir entgegenwirken." Deshalb setzt sie auf die Kooperation mit Kindergärten und Schulen, sei es durch Vorlesen oder das Computer-Leseprogramm Antolin, bei dem eine Urkunde als Ansporn winkt.

"Eine Bibliothek unserer Größe muss aktuell sein", sagt Martin, die ihre Ausbildung 1984 bei Determann in Heilbronn abgeschlossen hat. Was die Bandbreite betrifft - Neuerscheinungen, Wissens-DVD, Hörbücher, "Tonies" sowie moderne Technik - ist die Bücherei auf einem guten Stand. Als Martin 2000 die Leitung übernommen hat, ist der Ausleihstempel vom elektronischen Verfahren abgelöst worden. 2015 ist Flein der Onleihe Heilbronn-Franken beigetreten. Viel genutzt werde der Web-Opac, mit dem die Leser über die Homepage der Gemeinde nach Lesestoff stöbern, ihn vorbestellen und verlängern können.

Jahrespensum: rund 300 Bücher

Die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes liest am liebsten Belletristik, ab und zu mal einen Krimi. Da liegt sie mit den erwachsenen Kunden auf einer Wellenlänge. Ein gutes Thema, glaubhafte Figuren und eine nicht zu lapidare Sprache: Das macht für sie ein gutes Buch aus. Ob in Papierform oder auf dem E-Reader: Rund 300 Bücher liest sie pro Jahr. Das kommt den Lesern bei der Beratung zugute.

"Kultur sollte frei zugänglich sein", sagt Susanne Martin, die gerne Yoga macht und schwimmt. Deshalb findet sie es toll, dass in Flein die Bücherei kostenlos ist. Das sei eher die Ausnahme, weiß sie.

Ein Ort der Kommunikation

Bis auf neu gestrichene Wände hat sich in der Bücherei in den vergangenen 20 Jahren nicht viel verändert. Mit 200 Quadratmetern ist sie klein. Dass die Einrichtung raus aus dem Keller mitten rein in den Ortskern ziehen könnte - solche Überlegungen werden von der Gemeinde angestellt - wäre für Martin ideal. Die Bücherei als Ort der Kommunikation und kulturellen Begegnungsstätte rückte dann mehr ins Bewusstsein der Fleiner. Großzügige Räumlichkeiten, eine Lese-Ecke für Kinder, separate Bereiche für Jugendliche und Erwachsene, WLAN, ein Raum für Veranstaltungen, eine Eingangssituation, in der sich keine Schlange bildet - das schwebt Martin vor.

Statistik zu Nutzern, Ausleihen und Bestand

1011 Leser waren 2019 in der Kartei der Gemeindebücherei Flein gelistet - eine relativ konstante Größe in den vergangenen 20 Jahren. 281 davon waren im Alter bis zwölf Jahre, 178 ab 60plus. Die Zahl der Ausleihen der physischen Medien lag 2019 bei 52 402, zehn Jahre zuvor waren es 48 768.

Kinder und Jugendliche halten sich bei den Ausleihungen die Waage mit den Erwachsenen. Von den 17 355 Medien im aktuellen Bestand entfallen 7062 auf Kinder und Jugendliche, 3251 Medien betreffen die Belletristik, 2487 die Sachliteratur. Der Bestand an virtuellen Medien wie E-Books, E-Audios und E-Learning umfasst 69 073 Medien. Im vergangenen Jahr gab es 9122 Onleihen, die elektronisch bestellt wurden.

Die Gemeindebücherei hat jährlich einen Etat für Neuanschaffungen von 26 000 Euro, hinzu kommen 3000 Euro für die Onleihe. Das Bücherei-Team besteht aus Leiterin Susanne Martin und ihrer Kollegin Anja Grotzer-Sauer (zusammen 1,7 Stellen). 16 Stunden pro Woche sind die Räumlichkeiten unter dem Musiksaal der Schule geöffnet.

Jährlich gibt es etwa 50 Veranstaltungen. Die Autorenlesungen für Kinder und Erwachsene sowie die Teilnahme am Fleiner Ferienprogramm finanziert der Freundeskreis der Ortsbücherei. Buchvorstellungen, Ferienkoffer-Aktion, Medienkisten, Bücherei-Einführungen für die Erstklässler und Schnupperbesuche von Kindergärten gehören mit dem Angebot außerhalb der Öffnungszeiten.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

Zurück zur Übersicht



Kommentar hinzufügen