Der Kleine Fleiner ist süß, saftig und etwas weinsäuerlich

Flein  Eine alte Apfelsorte trägt den Namen der Gemeinde Flein. An einigen Stellen wurde dieser Baum gepflanzt.

Email

Ernst Kuder freut sich: Doch nicht alles erfroren. Der Kleine Fleiner am Mönchsgraben trägt dieses Jahr einige Früchte.

Foto: Sabine Friedrich

Ernst Kuder ist überrascht: Doch nicht alles erfroren, wie er gedacht hat. Der Baum am Mönchsgraben trägt ganz ordentlich Früchte, stellt der Beisitzer des Obst- und Gartenbauvereins (OGV) fest. Jahrelang hat er das Gewächs, das einer Ruhebank Schatten bietet und mit einem kettengesägten Schild gekennzeichnet ist, gehegt und gepflegt. Es handelt sich um eine Besonderheit, die einem Großteil der Einwohner gar nicht bekannt sein dürfte: Dass nicht nur sie den Namen Fleiner tragen, sondern auch Äpfel - die Gruppe der Fleiner.

Renaissance in der Heimat

Davon gibt es verschiedene Sorten und Namen: Kleiner und Großer, Später Fleiner und Glasfleiner. Dem früheren OGV-Vorsitzenden Erich Kern ist es zu verdanken, dass die alte Sorte eine kleine Renaissance in der Heimat erfahren hat. 20 Jahre lang hat er mal mehr und weniger intensiv danach gesucht. Und ist fündig geworden. So ist 2009 in der Verlängerung der Neubrunnenstraße ein dünner Stamm des Kleinen Fleiners gesetzt worden. Auch die Gemeinde ist am Erhalt des Fleiners interessiert, hat im kleinen Park neben dem Haus zum Fels ein Exemplar gesetzt sowie eines im Schulgarten. Dieser Apfelbaum hat jedoch dem Bau der Kindertagesstätte weichen müssen.

Erst nach vier Jahren, so erinnert sich Ernst Kuder, hat der Kleine Fleiner beim Mönchsgraben erstmals Früchte getragen. Die hat er damals mit in die Hauptversammlung des Obst- und Gartenbauvereins mitgenommen und probieren lassen.

Ein guter Mostapfel

Wie war das Echo? "Er ist ein guter Mostapfel. Man kann ihn essen, wenn man keinen anderen hat", fasst der Rentner das Meinungsbild zusammen. Die Leute seien heute halt verwöhnt von den süßen Äpfeln. Ihm selbst schmecke der Kleine Fleiner.

Vor zwei Jahren hat sein "Pflegekind" eine reiche Ernte versprochen. Kuder hat sich schon gefreut, als er beim Sonntagsspaziergang gesehen hat, dass die Äpfel reif sind. Am nächsten Morgen hat er sie pflücken wollen, doch Diebe sind ihm zuvorgekommen. "Das war ärgerlich. Wir wollten im Verein Süßmost machen. Es hätte fast einen Zentner Äpfel gegeben", meint Kuder. Jetzt ist er in einem Alter, in dem er den Baum und das Plätzchen drumrum, das als Ausgleichsfläche für das Baugebiet "Gänsäcker" angelegt worden ist, nicht mehr pflegen kann.

Dass Apfelsorten den Namen Flein tragen, macht Kuder stolz. Zumal diese eine lange, interessante Geschichte haben. Erich Kern hat einst recherchiert: 1760 ist der Kleine Fleiner als Mostapfel empfohlen worden, 1775 gar hat er die Bezeichnung deutsche Nationalfrucht bekommen. Und Friedrich Schillers Vater Caspar hat 1795 von einem Welschen Fleiner geschrieben.

2010 zur Streuobstsorte des Jahres gekürt

215 Jahre später rückt der Kleine Fleiner ins Rampenlicht als Streuobstsorte des Jahres 2010. Zu diesem Anlass hat der Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg ein Kurzporträt geliefert. "Das Fruchtfleisch ist weiß, fest, süß und saftig, etwas weinsäuerlich", ist da zu lesen. Und: Die Sorte eigne sich nicht nur für Saft und Most, sondern auch zum Backen und als Kompott. Die Herkunft des Kleinen Fleiner sei nicht genau geklärt, allerdings sei er mit dem "gewöhnlichen" Fleiner, der aus Flein stammt, verwandt.

 

Sabine Friedrich

Sabine Friedrich

Autorin

Sabine Friedrich ist seit 2001 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist in der Landkreis-Redaktion zuständig für Obersulm, Wüstenrot, Flein, Talheim und Weinsberg sowie für den Themenschwerpunkt Feuerwehr.

Zurück zur Übersicht



Kommentar hinzufügen