Rekordverdächtige Kraichgaustadt

Eppingen  Den sieben Ortschaften Eppingens wurden 18 Spitznamen zugedacht. Tiere, Gerichte und die badische Revolution spielten dabei eine Rolle.

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Die Eppinger tragen den Spitznamen Mischdgrabb mit Stolz. Denn Raben sind schlau. So schlau, dass sie Wölfen den Weg zu kranken Rentieren zeigen, um am Ende selbst etwas von der Mahlzeit abzubekommen.

Foto: dpa

Uzen, necken, foppen oder – auf gut schwäbisch – veräbble, das sollten die Spitznamen, die Orten und deren Bewohner zugedacht wurden. Ihnen zugrunde liegen meist eine gute Beobachtungsgabe, die darauf abzielt, besondere Charaktereigenschaften zu benennen, die man den Bewohnern einer Gemeinde zuschreibt. Eppingen und seine heutigen Stadtteile sind eine wahre Fundgrube in Sachen Spitznamen – was darauf hindeutet, dass Eppinger schon in früheren Zeiten alles andere als stromlinienförmig unterwegs gewesen sein müssen.

Halbherren

Die ehemaligen Amtsstädter sind mit Uznamen gleich dreifach gesegnet. Den Halbherren – eine Bezeichnung, die aus Richtung Oedheim gekommen ist – dürfte wohl Neid zugrunde liegen, und die Aussage, dass sich Eppingens Landwirtschaftsvertreter, die einst eine herrschende Stellung innehatten, aufführten wie Städter.

Mondschbritzer

Diesen Spitznamen wehte quasi der Rauch nach Eppingen. Der Legende zufolge wurde eines Nachts, als der Mond groß und gespenstisch über dem Eppinger Hardt leuchtete und Rauchfahnen für ein wechselndes, unheimliches Licht sorgten, Feueralarm geschlagen. Die renommierte Eppinger Wehr rückte aus, um den vermeintlichen Waldbrand zu löschen. Groß war die Erleichterung, als sich der Brandherd nach langem Suchen als Feuerstelle von Holzfällern entpuppte.

Mischdgrabbe

Der gebräuchlichste Spitzname sind die Mischdgrabbe, der Bezug auf die Landwirtschaft nimmt. Zurückgeführt wird der auf den Raben, der den Mist zusammenkratzt. Die Eppinger selbst verweisen lieber auf die Klugheit der Namensgeber. Noch heute eröffnet der Mischdgrabb jeden Faschingsumzug – allen voran die Hexenzunft, die in ihrer bunten Schaft gleich zwei dieser Vögel mit sich führt. Und er dient stolz auf dem Mist sitzend als Wappentier, das jedes Fest ins rechte Licht rückt.

Adelshofener Schwalben

Schwalben oder Traufschwälble, so heißen die Adelshofener – was vermutlich ebenfalls auf die Landwirtschaft zurückzuführen ist. Denn wo einstmals viel Vieh stand, gab es auch sehr viele Schwalben. Gern gesehene Vögel übrigens, denn früher hieß es, wenn Schwalben ihr Nest auf dem Dach bauen, dann brennt das Haus nicht ab.

Elsenzer Hoobe

Wie die Fleiner auch, haben die Elsenzer ihren Uznamen dem krummen Rebmesser der Wengerter zu verdanken, das mittlerweile von der Rebschere abgelöst wurde.

Klonegardicher Freischärler

Den Kleingartachern wird seit eh und je ein gewisses Revoluzzer-Gen nachgesagt. Die Nähe zur badischen Grenze soll bei der revolutionären Erhebung von 1848 dafür gesorgt haben, dass ganz Klonegardich in politische Erregung geriet. Anführer der Rebellion, die allerdings wohl ein rasches Ende gefunden hat, sollen ein Wunderdoktor und der Pfarrer gewesen sein. Der Spottname wird aber von den Kleingartachern noch heute mit gewissem Stolz getragen – und ist viel gebräuchlicher als Revolutionär, Zigeuner oder Linsenlanger, wie die Bewohner des Stadtteils auch genannt werden.

Mühlbacher Waldhase

Kuckuck, Schmalzhääfele, Waldhase und Rehzungen – das sind die Mühlbacher. Sie selbst heften sich gern die Waldhasen an, bei ihren badischen Nachbarn hingegen sind die Mühlbacher schlicht und einfach die Rehzungen. Dort wollten nämlich einst einige Mühlbacher zünftig Kirchweih feiern und es dabei so richtig krachen lassen. Auch kulinarisch. Deshalb waren sie sofort mit dem Vorschlag eines Wirtes einverstanden, doch seine köstlich schmeckenden Rehzungen zu verkosten, die sie mit Hochgenuss verspeisten. Wie toll sie das Mahl fanden, als sie anschließend erfuhren, dass man ihnen Pferdezunge untergeschoben hatte, darüber schweigt sich die Überlieferung aus.

Richener Speckfresser

Um Essgewohnheiten ging es wohl auch bei der Vergabe des Uznamens Speckfresser und die Ortsbezeichnung "Schmackhause" oder "Schmackheim". Noch lieber werden die Richener von ihren Nachbarn allerdings als "Es" bezeichnet, womit diese eine sprachliche Eigenart aufs Korn nehmen: Es gibt kein er oder sie – in Richen sind alle es: "Es sitzt uff"m Mischd unn bammt" was soviel heißt wie "er sitzt auf dem Mist und kackt".

Rohrbacher Wickewacker

Kreizkepf (Kreuzköpfe) und "Wickewacker mit de longe A...backe" – das sind die Rohrbacher, die einstmals wohl ihren eigenen Modetrend kreierten: Ihre Vorliebe galt halblangen Hosen, die heutigen Bermuda-Shorts nicht unähnlich waren – und fast nur in Rohrbach getragen wurden.

 

Kuebelwirth

Ulrike Kübelwirth

Autorin

Ulrike Kübelwirth volontierte 1980 bei der Heilbronner Stimme. Bis 1986 war sie Redakteurin in der Landkreisredaktion. Danach leitete sie bis 1992 die Nachrichtenredaktion bei Radio Regional. Vier Jahre in der Politikredaktion schlossen sich an, bevor sie 1996 in die Redaktion Sonderveröffentlichungen (Leben und Freizeit) wechselte, wo sie heute unter anderem für das Thema Garten zuständig ist.

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