Warum der VfL Eberstadt nicht in der neuen Halle feiert

Eberstadt  Es gibt drei Gründe, warum der VfL für seine Jahresfeier nach Gellmersbach ausgewichen ist - obwohl doch in Eberstadt erst kürzlich die neue Halle eröffnet wurde.

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Eine neue Halle - aber gefeiert wurde auswärts

Im November wurde die Eberfirsthalle eingeweiht. Vor allem der Festakt mit geladenen Gästen habe dem Boden zugesetzt, zitiert der Bürgermeister die Hausmeister. Das Planungsbüro hebt dagegen die Strapazierfähigkeit des Belags hervor.

Foto: Archiv/Kunz

Sicher haben sich viele Eberstädter verwundert die Augen gerieben, als sie gelesen haben, wohin sie am Samstagabend kommen sollten für die Jahresfeier 2020 des VfL: nicht in die neue gute Stube der Gemeinde, in die Eberfirsthalle, sondern in den Nachbarort Gellmersbach. Drei Gründe führt der Verein ins Feld: der Bodenbelag, die fehlende Cateringküche und die Tatsache, dass es noch keine mobile Bühne gibt.

Diesen Schuh wollte sich der VfL nicht anziehen. Damit es hinterher nicht heißt, der Verein und seine Jahresfeier seien schuld, dass der lindgrüne Boden Schaden nimmt, habe man sich entschieden, nach Gellmersbach auszuweichen, sagt Vereinschef Thomas Dierolf. Und zwar schon kurz nach der Einweihung Anfang November. Denn damals, als die Halle eben nicht nur sportlich, sondern auch mit Getränken in der Hand und Straßenschuhen an den Füßen genutzt wurde, haben die Hausmeister zum ersten Mal geklagt, wie schwer es sei, den Boden sauber zu bekommen.

Muss eine Bodenabdeckung gekauft werden?

Das bestätigt Bürgermeister Stephan Franczak. Man müsse nun überlegen, ob man sich für nichtsportliche Veranstaltungen eine Abdeckung für den Hallenboden anschafft. Sie kostet je nach Qualität und Verlege-Art laut Rathauschef zwischen 5000 und 15.000 Euro. In diesen Tagen soll es eine Besichtigungstour mit der Verwaltung in einen Eppinger Teilort geben, wo exakt derselbe Boden verlegt sei, sagt Franczak. Bis entschieden ist, ob eine Abdeckung gekauft wird, soll die Halle nur für sportliche Zwecke genutzt werden.

Jochen Wilfert, Architekt und Geschäftsführer des Büros Knecht, das die Halle geplant hat, kann die Diskussion nicht so recht nachvollziehen. "Das ist ein absolut gängiger Boden. Ich kenne keine bessere Alternative für die Mehrzwecknutzung", sagt er auf Nachfrage der Stimme. Der Boden mit Linoleum als Oberbelag sei vielfach in Hallen eingebaut. "Es gab nirgendwo Probleme."

Klar könne man eine Abdeckung anschaffen. "Notwendig ist sie nicht." Natürlich müsse der Boden nach einer Veranstaltung intensiv gereinigt werden. Wichtig sei vor allem eine kontinuierliche Reinigung. "Darauf habe ich im Vorfeld hingewiesen." Der Pflegeaufwand des Bodens werde "grundsätzlich unterschätzt."

Großes Lob für den Sportbetrieb

Im Sportbetrieb scheint der lindgrüne Belag Anklang zu finden, wie überhaupt die ganze Halle. "Mit dem Equipment sind wir sehr zufrieden", sagt Dierolf. "Alle Abteilungen sind hochzufrieden", weiß der Chef des mit 930 Mitgliedern größten Eberstädter Vereins. Auch Grundschulrektorin Melanie Kübler ist glücklich: "Für den Schulsport ist die Halle optimal."

Nicht glücklich ist Dierolf mit dem Umstand, dass es noch keine mobile Bühne gibt. Auch dies ein Grund, warum der VfL nach Gellmersbach ausgewichen ist. "Ich war der Meinung: Bis zur Jahresfeier ist eine Bühne vorhanden." Bürgermeister Franczak sagt, die Bühne, die der VfL benötigt hätte, wäre so groß gewesen, dass "die Anmietung teurer gewesen wäre als die Anmietung der Halle in Gellmersbach". Außerdem sei der Zeitdruck groß gewesen: Der VfL habe sich schnell entscheiden müssen, wo er feiert.

Zunächst mieten, dann kaufen

Warum überhaupt mieten und nicht kaufen? Bürgermeister Franczak gibt einen Beschluss des Gemeinderates wieder: "Wir lassen das Equipment erstmal weg und prüfen nach einer gewissen Zeit mit Anmietungen, was wir genau brauchen." Das gelte für die mobile Bühne, für Teile der Beleuchtung und für die Beschallung.

Zuguterletzt hat der VfL auch deshalb in der Mehrzweckhalle in Gellmersbach gefeiert, weil es in der neuen Halle in Eberstadt keine Cateringküche gibt. Früher lief das Essen über die Gaststätte der alten Halle, sagt Dierolf. Jetzt sei es kaum möglich gewesen, "einen Caterer zu finden, der es ohne Küche macht" - zumindest nicht für die Speisen, die der VfL seinen Gästen bietet: mehrere (warme) Gerichte.

Da es in Gellmersbach eine Küche gibt, sei es kein Problem gewesen, hierfür die Güldene Krone aus Ellhofen zu verpflichten. Dierolf hält sich mit Kritik zurück, bedauert aber, dass für eine Feier in Eberstadt "die Rahmenbedingungen nicht vorhanden waren. Ich finde die derzeitige Situation nicht ganz glücklich."

Noch kein Nachfolger für Thomas Dierolf in Sicht

Nein, auch im Notfall will er sich nicht nochmal breitschlagen lassen: Nach sechs Jahren als Vize-Chef und acht Jahren als Vorsitzender sei demnächst endgültig Schluss, sagt Thomas Dierolf im Gespräch mit unserer Redaktion. Nicht dass es Ärger gegeben hätte im VfL - überhaupt nicht, versichert Dierolf. "Aber nach so vielen Jahren hat man das Recht aufzuhören", findet der 59-Jährige, der sich bei der Hauptversammlung Ende Februar nicht mehr zur Wiederwahl stellen wird. Thomas Dierolf war Jahrzehnte lang in verschiedenen Funktionen im VfL tätig. Der Verein ist mit rund 930 Mitgliedern der größte in Eberstadt.

Seit Monaten wird nach einem Nachfolger für Dierolf Ausschau gehalten. "Wir suchen dich" heißt es auf der Homepage des Vereins- bisher vergeblich. "Wir haben noch keinen gefunden", bedauert der scheidende Vereinschef. Er ist aber zuversichtlich. "Ich bin mit ein paar Leuten in Kontakt. Ich habe zwar noch keine definitive Zusage, denke aber schon, dass es klappt." Und wenn nicht? Dann könnte es laut Dierolf zunächst provisorisch weitergehen.

Immerhin wird sich beim restlichen Vorstandsteam wohl nichts ändern: Der Vizechef Sport, Sandro Dierolf, steht turnusgemäß nicht zur Wahl, ebenso wenig Kassiererin Evi Sander. Zur Wahl stehen der Vize-Vorsitzende Technik, Robin Schwarz, und Schriftführerin Carmen Göhring. Beide machen weiter, sagt Thomas Dierolf auf Nachfrage der Heilbronner Stimme.

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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