Erneuerbare Energien sollen Eberstadt Einnahmen bringen

Interview  Anders als andere Gemeinden in der Region schrumpft Eberstadt. Hält die Gemeinde auch wegen des fehlenden Neubaugebiets nicht Schritt? Bürgermeister Stephan Franczak antwortet - und spricht auch über ein zweites Zukunftsthema, das umstritten ist: Zwei Windräder in Hölzern.

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Der Bürgermeister und der Eber: Stephan Franczak bezieht auf dem Marktplatz Stellung neben dem Wahrzeichen der Gemeinde. Die Kommune braucht dringend ein maßvolles Wachstum, findet der Rathauschef.

Foto: Mario Berger

Womit punktet die 3100-Einwohner-Gemeinde Eberstadt? Was sind die Herausforderungen der Zukunft? Im Rahmen der großen Stimme-Aktion "50 Wochen - 50 Orte" steht Bürgermeister Stephan Franczak Rede und Antwort.

 

Herr Franczak, was macht für Sie den Reiz Eberstadts aus?

Stephan Franczak: Der besondere Reiz Eberstadts ist die Lage - also die Randlage zu Hohenlohe, die Natur und der im Verhältnis zum Gemeindegebiet große Wald und die Kulturlandschaft mit den Weinbergen. Wir nennen die Gegend gerne Toskana des Landkreises Heilbronn - und das stimmt wirklich. Gleichzeitig ist man schnell in einer Stadt wie Heilbronn, Weinsberg oder Neckarsulm.


Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten Freude?

Franczak: Besonders gerne mache ich Ortsentwicklung in Verbindung mit Natur- und Umweltschutz. Dazu gehört auch das Thema erneuerbare Energien. Das wird das Zukunftsthema werden, weil es die Einnahmeseite der Gemeindefinanzen stärkt und dies mit dem Klimaschutz verbindet.


Sie meinen Windkraft in Hölzern. Dort, auf dem Bergfeld, könnten laut Flächennutzungsplanung einmal zwei Windräder stehen.

Franczak: Ja, aber ich meine nicht nur Windkraft. Ich meine auch eine große Solaranlage auf dem Dach der neuen Halle. Ich meine generell Photovoltaik, aber auch unser kleines Nahwärmenetz oder das Thema E-Mobilität. Wie bauen wir in Zukunft? Wie heizen und kühlen wir unsere Häuser jenseits von fossilen Brennstoffen? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns.


Mit Windrädern auf dem Bergfeld machen Sie sich in Hölzern nicht nur Freunde.

Franczak: Wir haben die Bürger im Rahmen der Flächennutzungsplanung eingebunden und sehr große Schritte auf die Bedenkenträger zugemacht. So gibt es jetzt einen größeren Abstand zur Wohnbebauung, und wir orientieren uns an niedrigeren Grenzwerten für möglichen Lärm. Noch ist ja auch nichts konkret. Nun geht es darum, einen Pachtvertrag auszuarbeiten. Zu klären ist zudem, ob die Gemeinde das Projekt selbst stemmen kann, zum Beispiel in Form einer Bürgergenossenschaft, oder ob wir einen Investor brauchen. Wenn wir es in Eigenregie machen, wäre das eine große Einnahmemöglichkeit für die Gemeinde, weil die Wertschöpfung in der Gemeinde bleibt.


Eberstadt ist in den vergangenen Jahren nicht, so wie andere Orte, gewachsen. Im Gegenteil, die Gemeinde schrumpft. Seit über 20 Jahren gibt es kein neues Baugebiet. Warum hat es die Kommune nicht geschafft, mit anderen Orten Schritt zu halten?

Franczak: Für meine bisherige Amtszeit kann ich sagen: Das war immer mein Thema! Es war mir immer klar, dass wir als Gemeinde, die derart auf Drittmittel angewiesen ist, so nicht weitermachen können. Immerhin haben wir 2019 mehr Geburten und Zuzüge als Sterbefälle. Junge Familien haben ältere Häuser renoviert oder die eine oder andere Baulücke gefunden. Dass wir die Kinderbetreuung ausgebaut haben, zieht die Leute an. Nichtsdestotrotz ist das Ganze eine Herausforderung - zum Beispiel im Bestandsbau. Es geht nicht nur um das Wachstum auf der grünen Wiese. Deshalb ist die Sanierung "Ortskern III" mit Fördergeldern aus dem Landessanierungsprogramm so wichtig.


Dennoch bauen junge Familien gerne in Neubaugebieten. Warum hat sich das Bebauungsplanverfahren "Kirchhofäcker/Krautgärten" so lange hingezogen? In diesem Jahr soll es endlich erschlossen werden.

Franczak: Meiner Meinung nach hatte das planungsrechtliche Gründe. Im aktuellen Flächennutzungsplan sind alleine für das Baugebiet "Kirchhofäcker-Krautgärten" fünf Hektar ausgewiesen. Das ist sehr viel, und es waren viele Eigentümer. Ich denke, es wäre besser gewesen, an verschiedenen Stellen kleinere Flächen zu realisieren.


Welchen Gestaltungsspielraum haben Sie als Bürgermeister überhaupt? Die Gemeinde hat für die neue Eberfirsthalle zwei Millionen Euro Schulden gemacht. Der Sparstrumpf ist leer.

Zur Person

Stephan Franczak ist 43 Jahre alt und wurde 2015 im zweiten Wahlgang zum Bürgermeister von Eberstadt gewählt. Im November 2015 trat er die Nachfolge von Timo Frey an. Der Diplom-Sozialwissenschaftler ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter. Die Familie lebt im Klingenhof. 

Franczak: Als Einnahmequellen habe ich schon die erneuerbaren Energien genannt: Windkraft, Photovoltaik und Wärmeerzeugung für Baugebiete. Dies würde ich einer Versiegelung von Flächen vorziehen. Denn es gibt auch den Ruf nach einem weiteren Gewerbegebiet. Wir haben aber hier auf unserer Gemarkung kaum Möglichkeiten, eines in ordentlicher Größe auszuweisen. Deshalb wäre nur ein interkommunales Gebiet möglich, das dann größer sein darf. Auch jeder zusätzliche Einwohner bringt Geld in die Kasse, möchte aber eine ordentlichen Infrastruktur nutzen, die Geld kostet.


Ein Dauerthema ist in Hölzern der Verkehr. Was kann die Gemeinde tun?

Franczak: 2020 wird der Verkehr ein Schwerpunkt bei uns werden. Wir werden durchgängig Tempo 30 in der Hölzerner Ortsdurchfahrt anstreben. Klar sind uns bei der Landesstraße und bei der Autobahn meistens die Hände gebunden. Wir bemühen uns, im Rahmen des Lärmaktionsplans einzufgreifen, wo immer es geht. Im zweiten Quartal planen wir von der Gemeinde aus, eine Pkw-Nutzer-Umfrage machen. Wir wollen wissen, wie der ÖPNV verändert werden müsste, damit er mehr nachgefragt wird. Dazu benötigen wir Ziel und Grund der Pkw-Fahrt.


Wie steht Eberstadt in zehn Jahren?

Franczak: Sie hat gut aufgestellte Finanzen. Wir haben ein maßvolles Bevölkerungswachstum und eine sehr gute Infrastruktur für alle. Jede Generation fühlt sich nach wie vor wohl in Eberstadt mit einer tollen Natur in traubenhafter Umgebung.

 

 

Anja Krezer

Anja Krezer

Autorin

Anja Krezer ist seit 1999 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Sie berichtet hauptsächlich aus dem Weinsberger Tal. Außerdem liegt ihr das Thema Bildung/Schulen am Herzen.

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