Das Tripsdrill-Gen im Blut

Cleebronn  Die vierte Generation ist am Start: Andreas und Benjamin Fischer sind wie ihre Väter und Onkels im Freizeitpark Tripsdrill groß geworden und heute Mitglieder der Geschäftsführung.

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Benjamin (links) und Andreas Fischer vor der neuesten Attraktion: Der Doppel-Achterbahn "Volldampf" und "Hals über Kopf". 2020 konnten sie den Erlebnispark coronabedingt erst 55 Tage später eröffnen als geplant. Foto: Claudia Kostner

"Wir wissen ja nicht, wie es ohne Tripsdrill ist", sagt Benjamin Fischer. Und doch sind er und sein Cousin Andreas Fischer sich dessen bewusst, dass ihre Kindheit eine besondere war. Zwischen Altweibermühle und Wildparadies groß geworden, ist die vierte Generation des Familienunternehmens längst Teil der Geschäftsführung.

"Für mich war das ein großer Abenteuerspielplatz", ist Andreas Fischer noch heute begeistert. Gerade mal 50 Meter vom Erlebnispark entfernt ist er zusammen mit seiner jüngeren Schwester Stefanie aufgewachsen. Als kleiner Junge war Andreas Fischer viel mit seinem Großvater Kurt auf dem Gelände unterwegs. "Opa war mein größtes Vorbild", sagt der 40-Jährige. "Der wusste alles aus dem Effeff."

Schon als Kind ein echter Experte

Und dieses Wissen hat sein Enkel geradezu aufgesaugt. Er erinnert sich gut daran, wie er Kurt Fischer abends beim Hausdienst in der Gaststätte vertreten hat. Damals gab es noch kein Verwaltungsgebäude. Das Telefon klingelte fast rund um die Uhr. "Öffnungszeiten und Preise habe ich nur so runtergerattert. Die Leute waren ganz baff, dass ein Neun- oder Zehnjähriger schon so eine Auskunft geben kann", berichtet Andreas Fischer.

Tierbabys hat der Sohn des Wildparadies-Chefs Dieter Fischer damals schon gerne großgezogen: "Von Gibbons bis Pampashasen." Aber auch sonst war er überall mit dabei: Ob an der Kasse, in der Gastronomie oder am Mühlenimbiss. Genau wie sein jüngerer Vetter Benjamin Fischer.

Der hat mit seinen Eltern Roland und Andrea und Schwester Yvonne zwar in Bönnigheim gewohnt. "Aber nach Kindergarten und Schule haben wir den Tag in Tripsdrill verbracht", erzählt der 34-Jährige. Am liebsten habe er sich in dem kleinen Tierpark, den es damals noch hinter der Altweibermühle gegeben hat, aufgehalten. "Das war mein Highlight."

Für Schulkameraden und Freunde mag diese Kindheit faszinierend gewesen sein. "Aber unsere Eltern haben immer gearbeitet. Urlaube wurden auf den Winter verlegt", erzählt Benjamin Fischer. Dass die beiden Juniors einmal mit einsteigen werden, war nicht unbedingt vorgezeichnet. "Ich wollte zwar eigentlich Tierpfleger werden, hatte aber extremen Heuschnupfen", berichtet Andreas Fischer.

Nach seiner Lehre als Koch und Stationen in der Schweiz, in Österreich und Baiersbronn machte er seinen Abschluss als staatlich geprüfter Gastronom und Küchenmeister. Seinen IHK-Betriebswirt sattelte er noch obendrauf. 2007 dann der Einstieg in Tripsdrill. "Den Umgang mit Tieren habe ich von meinem Vater gelernt", sagt Andreas Fischer, der heute für das Wildparadies und das Naturresort mit Baumhäusern und Schäferwägen verantwortlich ist.

"Bis ich 18 Jahre alt war, war ich fest davon überzeugt, dass ich nie hier einsteigen werde", gibt Benjamin Fischer zu. Mit der Ausbildung zum Kaufmann für Freizeit und Tourismus im Auto- und Technikmuseum Sinsheim und dem Tourismus-Studium in Heilbronn hat er dann aber doch diese Richtung eingeschlagen. Nach einer Stelle in einem Park in Holland arbeitet er seit 2013 offiziell in Tripsdrill.

Gesehen, wo die Reise hingeht

"Wir haben damals ja gesehen, wo es hingeht. Tripsdrill hatte eine Größe angenommen, die gezeigt hat, die Zukunft ist da", sagt Benjamin Fischer. Die Weichen seien bereits 1996 gestellt worden, als Kurt Fischer das Unternehmen an seine Söhne Helmut, Roland und Dieter übergeben hat. "Die haben damals ein großes Areal dazugekauft. Heute stehen dort Attraktionen wie das Waschzuber-Rafting, die G'sengte Sau oder die Burg."

Die Zusammenarbeit zwischen den Generationen funktioniere, betonen die beiden Cousins. "Klar gibt es auch mal Knatsch, aber wir finden immer eine Lösung. Und so ist es in Tripsdrill ja mittlerweile seit 91 Jahren", meint Andreas Fischer augenzwinkernd. "Wir denken im Prinzip alle gleich und wissen, was der Park braucht", ergänzt Benjamin Fischer. "Ich will nicht sagen, das hat man uns eingetrichtert. Wir hatten es wohl eher im Blut."

Anzeichen, dass Helmut und Roland Fischer sich zurückziehen, gebe es nicht, meinen die beiden schmunzelnd. Und selbst Dieter Fischer, der aus gesundheitlichen Gründen Ende 2013 die Geschäftsführung abgegeben hat, schaut seinem Sohn noch über die Schulter. Den jungen Fischers gibt das auch Sicherheit. Benjamin Fischer: "Das ist ihr Lebenswerk. Und es ist wichtig, sie an unserer Seite zu haben. Das spürt man besonders in Krisenzeiten wie Corona."

 

Familienbetrieb

Am 30. Juni 1929 eröffnet Eugen Fischer die erste Altweibermühle bei seiner Gaststätte. Sie besteht aus einer kleinen Rutschbahn und einem Mühlenturm mit vier Flügeln und wird zum beliebten Ausflugsziel. 1946 wird sie von einem Blitz zerstört. Eugen Fischer kehrt aus dem Krieg nicht mehr zurück. Sein Sohn Kurt führte den Familienbetrieb fort, 1950 wird die neue Altweibermühle eingeweiht. Nach und nach kommen ein Tierpark und weitere Attraktionen dazu. 1996 übergibt Kurt Fischer Tripsdrill an seine Söhne Dieter, Roland und Helmut. Mittlerweile ist die fünfte Generation geboren. Mit seiner Frau Marina hat Benjamin Fischer eine zweijährige Tochter. Der Sohn von Andreas und Katharina Fischer ist ein Jahr alt. "Sie sollen so bodenständig aufwachsen wie wir", sagt Benjamin Fischer. Dass der Nachwuchs sich wie er und sein Cousin schon jetzt im Park wohlfühlt, ist klar. Besonders die Moggelesbahn mögen die Kleinen gerne. 

 

Claudia Kostner

Claudia Kostner

Autorin

Claudia Kostner ist seit 1996 Redakteurin der Heilbronner Stimme. Der gebürtigen Heilbronnerin liegt die Region am Herzen. Sie berichtet hauptsächlich aus Zabergäu und Leintal, aber auch über die Volkshochschule Unterland.

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