Beilstein ist eine Stadt mit ländlicher Idylle

Beilstein  Ein Ort, der dazwischen liegt: In Beilstein trifft urbane Infrastruktur auf abwechslungsreiche Landschaft. Ein Industriestandort ist die Stadt trotzdem nicht - und doch hat sie einiges zu bieten.

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Beilstein im Wandel der Zeit: Wie auf der historischen Postkarte (links) zu sehen ist, war das Fachwerk am Rathaus und an anderen Gebäuden entlang der Hauptstraße zeitweise verputzt.

Foto: Christiana Kunz

Die Stadt Beilstein ist irgendwie dazwischen. Zwischen zwei Landkreisen, zwischen zwei Großräumen, zwischen Schozach- und Bottwartal, zwischen ländlicher Idylle und urbaner Infrastruktur. Und diese Mischung ist es wohl auch, die die 6200-Einwohner-Stadt mit ihren Teilorten zu einem beliebten Wohnort macht. Nicht zu vergessen, die gute Erreichbarkeit über die A 81.

Doch trotz der guten Lage ist Beilstein kein Industriestandort und damit relativ steuerschwach. Es fehlt schlichtweg der Platz für größere Gewerbegebiete. Firmen siedeln sich deshalb eher in den Nachbargemeinden an. Die Lage ist für Beilstein somit Fluch und Segen zugleich.

Viel Verkehr in der Innenstadt

Ein weiteres Manko, das sie mit sich bringt: viel Verkehr. Die Einwohner sind zwar in alle Richtungen gut angebunden, können von ihrem Heimatort aus sowohl in Richtung Heilbronn als auch nach Ludwigsburg und Stuttgart pendeln. Gleichzeitig leiden viele Beilsteiner unter der Vielzahl der Fahrzeuge, die täglich durch die kleine Stadt kommen.

Der große Wunsch nach einer Umgehungsstraße bleibt jedoch bis auf weiteres unerfüllt. Eine Bahnanbindung gibt es nicht mehr. 1966 wurde der Personenverkehr der Bottwartalbahn eingestellt, die damals auch nach Beilstein fuhr. Heute wird über ihre Wiederbelebung diskutiert. Derzeit existiert der öffentliche Nahverkehr jedoch nur in Form von Bussen - aber auch die müssen über die Straßen.

Beilstein ist eine Stadt mit ländlicher Idylle

Weinberge und der "Langhans" prägen das Ortsbild.

Foto: Archiv/Sawatzki

Das tut der Attraktivität der Stadt - auch als Ausflugsziel - aber keinen Abbruch. Beilstein ist eine Stadt der landschaftlichen Vielfalt. Von Weinbergen bis Hochlage (539 Meter) am Stocksberg, wo es sogar einen Skilift gibt, ist alles geboten. Stocksberg ist außerdem einer der insgesamt zwölf Teilorte, die 1972 vereint wurden. Zu Beilstein gehören außerdem Söhlbach, Schmidhausen, Jettenbach, Gagernberg, Billensbach, Klingen, Maad, Etzlenswenden, Kaiserbach und Farnersberg.

Beilstein ist eine Stadt mit ländlicher Idylle

Eine Besonderheit Beilsteins ist der Skilift auf dem Stocksberg.

Foto: Archiv/Barth

Zwei Wahrzeichen

Besonders markant ist die bereits von weitem sichtbare Burg Hohenbeilstein aus der Stauferzeit, die für ihre Falknerei weithin bekannt ist. Im Volksmund wird die Burg aufgrund des 23 Meter hohen Bergfrieds "Langhans" genannt. Es bleibt aber nicht bei nur einem Wahrzeichen - Beilstein hat auch noch ein Schloss etwas weiter unten am Berg. Das beherbergt das Haus der Kinderkirche der evangelischen Landeskirche.

Für Ausflugsgäste sind aber auch die Rundwanderwege interessant, über die man die Stadt erkunden kann. Viele Fahrradfahrer kommen über die überörtlichen Radwege nach Beilstein.

Wein als wichtiges Thema

Und dann ist da natürlich noch der Wein. Beilstein hat eine Weinprinzessin, eine Weinchronik, ein Weinfest. Die Identifikation mit dem Thema ist groß. Auf 200 von 2525 Hektar Gesamtfläche wird Wein angebaut. Den Großteil dieser Fläche bewirtschaften die Wengerter der Genossenschaft Bottwartal-Kellerei. Es gibt aber auch einige selbstständige Weingüter.

Beilstein ist eine Stadt mit ländlicher Idylle

Bei einer sogenannten Weinproklamation einmal im Jahr wird die Weinchronik der Stadt fortgeschrieben. Seit 2019 findet dies nicht mehr beim Andreasmarkt statt, sondern im Rahmen einer eigenen Veranstaltung. Festgehalten werden in der Chronik seit 1694 die Daten des Weinjahrs und die Qualität der Ernte. Damit aber nicht genug: Die Beilsteiner Wengerter haben auch noch eine eigene Weinprinzessin. Derzeit regiert Claudia Anacker. Für eine Stadt in dieser Größenordnung nicht gerade üblich.

Und Beilstein hat noch mehr zu bieten, das man einer so kleinen Stadt nicht zutrauen würde. Zum Beispiel ein Gymnasium, ein eigenes Hallenbad und ein Freibad, das mit der Nachbargemeinde Oberstenfeld betrieben wird. Diese Infrastruktur bietet den Beilsteinern zwar viele Vorteile, bedeutet aber gleichzeitig eine hohe Belastung für den Stadtsäckel, der nicht gerade üppig gefüllt ist.

Die Stadt und ihre Teilorte prägt zudem eine lebendige Vereinstätigkeit mit zahlreichen Angeboten. Allen voran der TGV Eintracht Beilstein, der mit zwölf Abteilungen der größte Verein ist.

Auch die Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Pontault-Combault wird intensiv gelebt. Und natürlich feiern die Beilsteiner ab und zu gern. Das größte Traditionsfest ist das Weinbergfest im Juli.


Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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