Kulturleben in Bad Wimpfen leidet unter vielen Absagen

Bad Wimpfen  Für ihr kulturelles und geselliges Flair ist die Stauferstadt Bad Wimpfen weithin bekannt. Doch vom Serenadenkonzert bis zum Talmarkt sind zahlreiche Veranstaltungen abgesagt worden. Ein kulturelles Zentrum in der Region muss sich neu erfinden.

Von Ute Plückthun
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Heinz und Barbara aus Möckmühl (links) gemeinsam mit Ute Bauschert und Selina Hörnle in der Ausstellung "Abstrakte Kompositionen".

Foto: Ute Plückthun

Besonderes Flair umweht die Stauferstadt nicht nur durch das historische Erbe, sondern auch durch das künstlerisch-kulturelle und gesellige Potenzial. Acht Großveranstaltungen und ein vielfältiges Kulturprogramm mit Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Theateraufführungen oder Führungen sind normal. 2020 macht jedoch alles anders. Seit Fasching liegt vieles brach.

So wurde am Pfingstmontag die geplante Wiener Kaffeehausmusik des "Trio Salonissimo" abgesagt. Trotz der Lockerungen ab dem Tag, die Auftritte vor bis zu 100 Zuhörern erlauben. Dass die Stadt bei ihrer Absage ohne Vorschlag eines Ersatztermins blieb, ärgert Kontrabassist Frank Ringleb aus der musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim.

Selina Hörnle, Leiterin der Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit, dagegen begründet: "Um ein Konzert zu organisieren, brauchen wir Vorlaufzeit." 48 Stunden vor dem Konzert seien die Hygieneauflagen noch nicht klar gewesen. Zumal es "unvernünftig" gewesen wäre, ein Konzert mit erfahrungsgemäß älterem Publikum an den Start zu bringen.

Eigentlich gibt es acht Großveranstaltungen im Jahr, aber...

Nicht die einzige abgesagte Veranstaltung. So traf es etwa die Jeanine-Vahldieck-Band, die im Keller des Hohenstaufen-Gymnasiums ebenso zu hören gewesen wäre wie das Live-Hörspiel. Nicht stattfinden konnten Beiträge aus der Klassikreihe im Alten Spital, die Lesung von Tim Pröse, das Seniorenprogramm "Dalli Klick" oder zwei Vorstellungen der Badischen Landesbühne. Flach fielen viele besucherstarke und imagefördernde Großveranstaltungen. Am Beispiel der Kunstnacht, die am 4. Mai geplant gewesen war, macht Selina Hörnle die Auswirkungen deutlich. Auch wenn viel Energie, Planungsarbeit und Herzblut in die 17. Auflage geflossen seien: "Das neue Konzept ist nicht für die Tonne produziert", macht sie dessen Wiederverwertbarkeit 2021 deutlich.

Für die Belebung der Innenstadt sei der finanzielle Ausfall dagegen "schrecklich". Durch das Ausbleiben des Publikums fehlten die Einnahmen für den örtlichen Handel und die Gastronomie. Zwar habe die Stadt rund 25.000 Euro an Ausgaben gespart: "Sie fließen jetzt aber in das Innenstadtkonzept."

Kein Aktionstag Roter Turm am 17. Mai, kein "Brunnen und Gärten" und kein "Montmartre-Flair". Bitter: Das Verbot von Großveranstaltungen trifft am 29./30. August gerade noch den Zunftmarktverein. Für die Wimpfener emotional und für die vielen Aussteller finanziell "katastrophal": Auch der 1055. Talmarkt, der mit zigtausenden Besuchern Ende Juni an den Start gegangen wäre, fällt unter das Verbot.

Nun sind neue Ideen gefragt

In der städtischen Galerie im Alten Spital wurden zwei Ausstellungen "im Einvernehmen mit den Künstlern um ein Jahr verschoben", betont Hörnle. Dafür gibt es neue Ideen. In Kooperation mit dem Siebenbürgischen Museum Gundelsheim wurden "Abstrakte Kompositionen" von Susanne Schunn an Land gezogen. Zudem bietet die Touristinfo Tages- und Familienentdeckertouren auf eigene Faust an. In der kommenden Woche wird entschieden, ob Stadtführungen ab 1. Juli mit zehn Personen, Funksystem und besonderen Hygieneregeln wieder möglich sind.

Am 22. August könnte die Klassik-Reihe im Alten Spital fortgesetzt werden. Allerdings mit maximal 24 Zuhörern. "Unter Vorbehalt" geht es im Kursaal am 19. September mit der "Leibssle"-Vorstellung "Freilich! Im Gegenteil sogar!" weiter. Das Live-Hörspiel oder das Theremin-Konzert sollen 2021 nachgeholt werden. Regulär wäre auch das "Trio Salonissimo" wieder an der Reihe. Ohne Ersatz kommt Frank Ringleb aber zu dem Schluss: "Dann werde ich in Bad Wimpfen nicht mehr spielen."

 

Das ist die Ausstellung "Abstrakte Kompositionen"

Die Ausstellung "Abstrakte Kompositionen" ist bei freiem Eintritt noch bis 6. September, täglich von 10 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr, in der Städtischen Galerie im Alten Spital zu sehen. Die Werke sind Teil einer umfangreichen Schenkung von 630 Gemälden, Zeichnungen, Aquarellen und Goachen, die als künstlerisches Vermächtnis Susanne Schunns (geboren 1929 im siebenbürgischen Kronstadt, gestorben 2016 in Fürstenberg/ Havel) in der Sammlung des Siebenbürgischen Museums Gundelsheim bewahrt werden. Weitere Infos bei der Tourist-Info unter Telefon 07063 97200; E-Mail info@badwimpfen.org.

 

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