In Heinsheims Synagoge sollen sich alle Religionen treffen

Bad Rappenau  Dem Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Heinsheim steht ein ganz besonderes Jahr ins Haus. Was auf Initiative von Fritz Abel begann und 2012 mit der Vereinsgründung Fahrt aufnahm, vollendet sich 2020.

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Im Laufe des Jahres werden die Sanierungsarbeiten an der ehemaligen Synagoge in Heinsheim abgeschlossen. 2012 wurde der Freundeskreis gegründet, 2013 das Gebäude gekauft. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Die Sanierungsarbeiten an dem geschundenen Gebäude sind fortgeschritten. Im Nebengebäude fehlen noch Installationen, außen die Holzverkleidung. Im Innenraum der Synagoge wurde eine Frauenempore eingezogen, die Balken für das Deckengewölbe sind montiert.

Dort, wo ein Schmied seine Toilette hatte, strebt jetzt eine eiserne Wendeltreppe in die Höhe. In der Mitte stehen derzeit Podeste für die Maler, die die Decke in einem Grauton streichen. Die Bauarbeiten werden auch von einer inhaltlichen Diskussion begleitet: Welches Profil soll die Synagoge haben. Was ist ihr Auftrag?

Der Freundeskreis blickt in die Zukunft
Die eiserne Wendeltreppe bildet einen Kontrast zu dem historischen Gebäude. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Geht es nach dem ehemaligen evangelischen Pfarrer Bernd Göller, so soll das Gebäude kein Museum, sondern ein lebendiger Ort des Miteinanders und der Versöhnung werden. Den Trialog der Religionen, den er 2019 zusammen mit dem Stuttgarter Lehrhaus initiiert hat, und den Tora-Lernkreis sieht er als Herzstück der Vereinsarbeit an. Drumherum gruppieren sich Vorträge sowie kulturelle Veranstaltungen aller Art.

Und auch, wenn die Synagoge Ende 2020 fertig sei: Bernd Göller will nicht nur die Synagoge bespielen, sondern auch die gute Zusammenarbeit mit den Bad Rappenauer Kirchen fortführen. Das Programm im ersten Halbjahr steht, mit Trialog, Tora-Lernkreis, einem Vortrag von Andreas Rothenhöfer ("The Girl who escaped from Germany", Donnerstag, 6. Februar) und Klezmermusik (Donnerstag, 23. April).

Für die Eröffnung der Synagoge im Spätjahr schweben Bernd Göller mehrere Festtage vor, wo auch denjenigen gedankt wird, die zum Gelingen der Sanierung beitragen. Es soll "noch einmal gegenwärtig werden, wo wir angefangen haben und wo wir heute stehen", sagt er.

Der Freundeskreis blickt in die Zukunft
Die Balken für die gewölbte Decke sind von Zimmerleuten bereits montiert. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Trialog der Religionen wird fortgesetzt

Drei Mal lädt der Freundeskreis der ehemaligen Synagoge Heinsheim im ersten Halbjahr zum hochkarätig besetzten Trialog ein. Das Motto lautet "Glaube und Alltag bei Juden, Christen und Muslimen". Hatte man im vorigen Jahr nach Themen gesucht, die die Religionen verbinden, so liegt der Schwerpunkt nun auf dem Neuen, dem Unbekannten, dem Verstehen und dem Verständnis füreinander.

Shaul Friberg, Rabbiner der Hochschule für jüdische Studien Heidelberg, und die Mannheimer Kulturagentin Esther Graf vertreten auf dem Podium das Judentum, Eyüp Besir, der Vorsitzende des Forums für Interkulturellen Dialog in Frankfurt, spricht für die Muslime. Der emeritierte Weihbischof Dr. Franziskus Eisenbach und Bernd Göller als Pfarrer im Ruhestand stehen für das Christentum. Resonanz war mit bis zu 50 Teilnehmern überwältigend.

Der Freundeskreis blickt in die Zukunft
Über dem Eingang der ehemaligen Synagoge findet sich die Jahreszahl 1796. Foto: Ulrike Plapp-Schirmer

Überwältigende Resonanz

"Damit hatten wir gar nicht gerechnet", sagt Göller. Vertreter aller Religionen waren auch unter den Zuhörern. "Mir geht es vor allem darum, dass wir in Bad Rappenau eine gemeinsame Veranstaltung machen", sagt Bernd Göller. "Das Gemeinsame suchen, das Miteinander pflegen" ist eines seiner Anliegen.

"Auf Augenhöhe" soll jeder Dialog und jeder Trialog geführt werden. Das hieße aber auch, dass man nicht zu jeder Zeit einen Trialog ansetzen kann, sagt Bernd Göller. Auch der Sabbat wird bei Veranstaltungen des Freundeskreises eingehalten. Noch sind 30- bis 50.000 Euro der Sanierungskosten nicht gedeckt. Bernd Göller nimmt das gelassen. Bisher, sagt er, sei immer wieder eine Türe aufgegangen - und jede Rechnung wurde bezahlt.

Info für mögliche Förderer

Wer sich mit der Geschichte der ehemaligen Synagoge in Heinsheim auseinandersetzen will, wird im Internet fündig unter www.synagoge-heinsheim.de. Dort findet man auch Hinweise auf eine Mitgliedschaft im Freundeskreis. Seit dem Tod der langjährigen Vorsitzenden Yvonne von Racknitz wird der gemeinnützige Verein von Hans-Eckard Bucher angeführt.

 

Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer ist seit 1993 bei der Heilbronner Stimme. Sie ist für Bad Rappenau und Gemmingen zuständig, gehört dem Thementeam Gesundheit an und rezensiert regelmäßig Bücher.

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