Eine florierende Kurstadt und ihre Grenzen

Bad Rappenau  Die kleinste der drei großen Kreisstädte im Kreis Heilbronn steht als Wohngemeinde gut da und punktet mit Parks und als Klinikstandort.

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Eine florierende Kurstadt und ihre Grenzen

Die Neuordnung der kommunalen Rehakliniken wurde im April 2018 abgeschlossen. Seitdem sind die Kliniken an einem Ort gebündelt.

Fotos (2): Ulrike Plapp-Schirmer

Bad Rappenau ist eine von drei großen Kreisstädten im Landkreis Heilbronn. 21.559 Einwohner laut Statistischem Landesamt. Bad Rappenau ist ein attraktiver Wohnort, eine Flächengemeinde mit acht Ortsteilen, steuerschwach − aber schön. Die Grenze zwischen Württemberg und Baden verläuft durch die Gemarkung. Die Sportvereine in Fürfeld und Bonfeld spielen beim württembergischen Fußballverband. In den anderen Ortsteilen singt man das Badener Lied. Grombach und Obergimpern orientieren sich klar nach Sinsheim. Bad Rappenau kam erst 1973 zum Kreis Heilbronn.

Der nördlichste Ortsteil ist Wollenberg, idyllisch gelegen. Bei seiner Eingliederung am 1. Januar 1972 hatte Wollenberg 253 Einwohner, heute sind es 438. Man muss den Kreis Heilbronn verlassen, um durch den Kreis Mosbach noch mal in den Kreis Heilbronn einzufahren.

Zuzug nach Bad Rappenau

Ende der 80er Jahre hatte das Land den Zuzug vieler Spätaussiedler zu verkraften. Zimmerhof wurde Wohnbauschwerpunkt, ist eigentlich Ortsteil Nummer neun, gehört aber seit den 1930er Jahren zur Kernstadt. Die wiederum profitiert vom Zuzug vieler älterer, oft auch zahlungskräftiger Menschen, die in der Nähe der Kurkliniken ihren Lebensabend verbringen wollen.

Bad Rappenau hat drei Parks. Im Kurhaus und im Schlosspark-Café werden nach wie vor Tanznachmittage angeboten. Mit der Vulpius Klinik hat Bad Rappenau eine renommierte orthopädische Einrichtung am Ort, die auch über eine Ambulanz verfügt. Wer sich in hier in den Finger schneidet, fährt nicht in die Notaufnahme nach Heilbronn.

Bad Rappenau besitzt wenige historische Gebäude. Man sieht dem Ort an, dass er seinen ländlichen Charakter erst spät abgelegt hat. Wer Historie tanken will, geht einen Ort weiter nach Bad Wimpfen, mit dem man touristisch zusammenarbeitet. Die Kur prägt das Selbstverständnis der Bad Rappenauer. Der Ort sitzt auf Salz. Bis 1973 wurde dort eine Saline betrieben. Sole wird bis heute als Heilmittel eingesetzt.

 

Die Kliniken

Die Vesalius- und die Kraichgau-Klinik gehören zu privaten Konzernen. Die Rosentritt-, die Salinen- und die Sophie-Luisen-Klinik sowie das Stimmheilzentrum und das Therapiezentrum gehören der Stadt.

Vergessen: die Krise Anfang des Jahrtausends, als die Kliniken hochverschuldet waren. Vergessen auch: die Angst der Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz, der Bettenabbau, die Umstrukturierung. Die Rappenauer Häuser gehören heute zu den modernsten im Land und rangieren bei den Kostenträgern stets ganz oben.

Stadt sowie Kur- und Klinikverwaltung nahmen viel Geld in die Hand, um die Häuser und das Gebiet zu ordnen. Neu gebaut wird derzeit das Therapiezentrum. Der Siebziger-Jahre-Rundbau in der Salinenstraße ist architektonisch interessant, aber energetisch eine Katastrophe. Überhaupt die Baustellen: Im Kurgebiet entstehen derzeit viele neue Häuser. Die Nachfrage nach Wohnraum geht ungebremst weiter. Viele profitieren schon jetzt von der Lidl-Zentrale, die gerade in Bad Wimpfen gebaut wird. Im Kurgebiet werden Mieten von bis zu elf Euro pro Quadratmeter aufgerufen.

 

Viele kulturelle Angebote

Über zu wenig Kultur klagt hier keiner. Beim Blacksheep Festival treten internationale Stars auf, am Römersee spielen regionale Bands. Der Touristikbetrieb BTB bespielt das Kurhaus, die Stadt das Wasserschloss, wo auch bildende Kunst gezeigt wird. Hermann Hesse oder Friedensreich Hundertwasser: Die Besucher kommen.

Anwohner ächzen unter Verkehr und Feinstaub

Aber vor einem Bild ist immer Platz. Das Gedränge der Großstadt stellt sich eher vor den Schranken ein. Noch eine Grenze: Bisweilen entzweit die Bahnlinie die Kernstadt.

Jegliche Intervention bei der DB: vergebens. Anwohner an den Innenstadtstraßen ächzen unter Verkehr und Feinstaub. So viel Großstadt ist dann doch. Dafür hat auch Bad Rappenau die Stadtbahn. Die war zur Landesgartenschau 2008 zwar noch nicht angekommen. Aber auch sechs Jahre später war klar: Die Dörfer an der Strecke wachsen weiter.

 

 


Ulrike Plapp-Schirmer

Ulrike Plapp-Schirmer

Autorin

Ulrike Plapp-Schirmer arbeitet seit 1993 bei der Heilbronner Stimme, über ein Jahrzehnt lang war sie Teil der Kraichgau Stimme in unserer Außenredaktion in Eppingen. Neben der lokalen Berichterstattung hat sie in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Literaturkritiken geschrieben. Sie gehört den Thementeams „Kultur“ und „Migration und Kirche“ an.

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