Zu Besuch im Bad Friedrichshaller Hindutempel

Bad Friedrichshall  Der einzige Hindutempel in der Region befindet sich in einer ehemaligen Produktionshalle in Bad Friedrichshall.

Von Stefanie Pfäffle
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Haben eine ehemalige Halle in einen Tempel verwandelt (v. l.): Indrakumar Yogusunthram, der Vorsitzende Sivam Seevaratnan und Nivaas Kumarakuruparan.

Foto: Pfäffle

Der Gegensatz fasziniert sofort. Von außen ist es ein grauer Bau, eine ehemalige Produktionshalle im Bad Friedrichshaller Gewerbegebiet. Doch bereits um die Eingangstür herum ist ein großes in orange gehaltenes Portal mit vielen religiösen Bildern und Szenen errichtet, und im Inneren wird es dann richtig bunt bei all den Altären auf weißen Fliesen und unter Lüftungsrohren.

Hinduismus ist augenscheinlich eine farbenfrohe Religion. Seit fünf Jahren gibt es den Tempel des Vereins Heilbronn Kanthasamy Kovil, es ist der einzige Hindutempel in der Region. Auf dem Boden sind orangefarbene Markierungen - Abstand in Coronazeiten, das gilt natürlich auch hier. Deswegen finden derzeit auch nur die gewöhnlichen Gottesdienste dienstags und freitags statt.

Festtage müssen ausfallen

Die zahlreichen Festtage müssen ausfallen. Gerade im November würden da viele anstehen, die dem Gott Murugan gelten. Ihm ist auch der Tempel gewidmet. "Er ist quasi unser Hauptgott und ihn haben wir ausgewählt, weil es in Süddeutschland noch keinen Tempel für ihn gab", erklärt Nivaas Kumarakuruparan. Am Namen ist schon zu erkennen, er ist Tamile, wie die meisten der hundert Mitglieder aus dem Kreis Heilbronn, aber es kommen auch Inder und ab und zu Deutsche.

Im Hinduismus gibt es verschiedene Götter für verschiedene Funktionen. Das kennt man auch von den alten Griechen und den Römern. Der bekannteste ist Ganesha, der mit dem Elefantenkopf. "Eigentlich sehen wir alle als einen Gott, der in verschiedenen Formen auftritt, um die verschiedenen Aufgabenbereiche abzudecken." Murugan ist ein eher allgemeiner Gott, beschreibt Kumarakuruparan. Dass der Tempel ihm gewidmet ist, heiße aber nicht, dass die anderen nicht auch einen Platz finden und so sind verschiedene kleine Altäre rund um den großen in der Mitte platziert. Die schwarzen Steinfiguren sind aus Sri Lanka importiert, die aufwendig bemalten Altäre wurden in monatelanger Arbeit selbst gebaut.

Die Steinfiguren sind fest verankert, um mit der Erde verbunden zu sein - die Elemente spielen ebenso wie die Planeten eine wichtige Rolle im Hinduismus. Dann gibt es aber auch noch einen Altar mit verschiedenen Götterfiguren aus Metall, die bei besonderen Anlässen auf den Schultern getragen werden.

Priester spricht in Sanskrit

Indrakumar Yogasunthram hat eine neue Blumenkette für eine der Figuren fertiggestellt und legt sie ihr um den Hals. Eine freundliche Geste an die Götter. Im Gottesdienst selber wird viel mit Wasser und Feuer gearbeitet, deswegen auch die große Entlüftungsanlage. Bei einem normalen Gottesdienst gehen der Priester und die Gemeinde von Gott zu Gott. Der Priester führt mit Öllampen und anderen Utensilien verschiedene Rituale durch, spricht dabei in Sanskrit, einer der ältesten Sprachen der Welt. "Wir verstehen das auch nicht", gibt Kumarakuruparan offen zu. Parallel dazu betet auch die Gemeinde. So geht das Altar für Altar, einmal außen rum für etwa eine Stunde.

An Festtagen kann der Gottesdienst auch schon mal zwei, drei Stunden und länger dauern. Zu den wichtigsten gehören Neujahr und das tamilische Neujahr, da ist der Tempel normalerweise richtig voll. Die Gemeinde wächst, aber sehr langsam. Die meisten Tamilen aus der Gegend sind dem Verein angeschlossen. "Wir sind auch immer mal auf der Suche nach einem eigenen Gebäude, denn hier sind wir ja nur Mieter."

 

Bürgerkrieg

Im Tempel befindet sich auch eine Gedenkstelle für die Opfer des Bürgerkriegs in Sri Lanka zwischen den beiden größten Bevölkerungsgruppen der Insel, den vorwiegend buddhistischen Singalesen und den meist hinduistischen Tamilen. Der bewaffnete Konflikt dauerte von 1983 bis 2009. Tamilische Separatisten kämpften dabei um einen eigenen Staat auf Sri Lanka im Norden und Osten der Insel. Der Bürgerkrieg endete mit einem militärischen Sieg der sri-lankischen Regierungstruppen. Die Zahl der Todesopfer wird auf 80.000 bis 100.000 geschätzt. 

 

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