Für die Musikschule Schozachtal endet ein ungewöhnliches Jahr

Abstatt  Musikschulleiter Gerd Wolss spricht über die Corona-Zeit, in der Veranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden können, und über Musik in Zeiten der Digitalisierung.

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Der letzte Schultag vor den Sommerferien. Die Streicherklassen der Grundschule haben die Viertklässler mit einer Darbietung verabschiedet. Die Geschäftsräume der Musikschule Schozachtal im Vereinszentrum in der Goldschmiedstraße leeren sich. Eine Schülerin gibt ihr Leihinstrument ab, dann entschwindet auch sie in die wohlverdiente Sommerpause. Am 14. September startet der Musikschulunterricht wieder.

Vieles ist machbar, aber sehr aufwendig

Ein ungewöhnliches Musikschuljahr neigt sich seinem Ende zu, eines mit vielen Herausforderungen und Bedingungen wegen der Corona-Pandemie. Und noch immer ist der Unterricht nur eingeschränkt möglich: Sänger- und Bläsergruppen müssen streng auf die Hygieneregeln und den Abstand achten. Und damit sich die Jahrgänge beim Klassenmusizieren nicht vermischen, mussten die Gruppen neu eingeteilt werden, erklärt Schulleiter Gerd Wolss.

"Im Prinzip ist alles wieder machbar, es bleibt nur ein Wahnsinns-Aufwand." Auch die Veranstaltungen der Musikschule können nicht wie vorgesehen stattfinden: Die Ballettaufführungen wurden verlegt, seit Pfingsten konnte wieder in kleinen Gruppen geprobt werden. Das Musical "Tabaluga" wurde auf 2021 verschoben.

Während der Corona-Zeit habe es keine Austritte gegeben, sagt Gerd Wolss. Im April setzte die Musikschule die Gebühren aus. Wer das virtuelle Angebot der Musikschule im Mai und Juni nutzte, zahlte die Hälfte. Die Spendenbereitschaft war hoch. "Das hätte ich nie erwartet", sagt Wolss. Viele Mitglieder seien bereit gewesen, den vollen Betrag zu zahlen. Sorgen wegen fehlender Summen muss sich die Musikschule, die von den Mitgliedsgemeinden im Zweckverband getragen wird, nur geringfügig machen. "Die Gemeinden stellen sich voll und ganz hinter uns und stehen für uns gerade", ist Wolss dankbar.

Ein Teil des Musikschuljahrs: Die Verabschiedung der 4. Klassen der Grundschule Abstatt durch die Streicherklassen. Foto: privat

Dem Musikschuljahr 2019/2020 stellt er kein durch und durch schlechtes Zeugnis aus. Viele ungeahnte Herausforderungen habe man gut bewältigen können. "Die Lehrer haben die Umstellung sofort angenommen. Als der Lockdown im März kam, haben wir gesagt: Versucht, mit euren Schülern Kontakt zu halten." Sowohl über den YouTube-Kanal der Musikschule, als auch mittels der modernen Kommunikationsdienste wie Skype oder Zoom habe das derart gut funktioniert, dass es viel Lob seitens der Eltern gegeben habe.

Eine verpflichtende Digitalisierung macht keinen Sinn

Für die Corona-Zeit war die Umstellung auf ein digitales Musikschulangebot recht nützlich, und auch sonst hält die Digitalisierung zum Teil Einzug in den Unterricht. Dennoch: Die Digitalisierung für alle Musikschullehrer und -schüler verpflichtend einzuführen, mache nicht immer Sinn, sagt Gerd Wolss. Jedes Instrument funktioniere schließlich anders, ebenso unterschiedlich ist auch die Herangehensweise mancher Lehrer. Während vor allem die Jüngeren ganze Notenbibliotheken auf ihren Tablets speichern, arbeiten die Älteren mit Arrangements auf Papier und mit Lehrbüchern. "Bei 200 Jahre Beethoven denkt man nicht gleich an eine App."

Für die Musikschule Schozachtal endet ein ungewöhnliches Jahr

Zwischen dem Unterricht kann es schon mal passieren, dass Musikschulleiter Gerd Wolss selbst zu den Schlagzeugstöcken greift und einen "Big Beat" zum Besten gibt.

Foto: Christiana Kunz

Notenschreibprogramme, Rhythmus-Trainer, Musik-Lern-Apps: Gerd Wolss muss angesichts der Möglichkeiten für den digitalen Musikunterricht staunen, übt aber auch Kritik: "Im Internet wird oft vorgegaukelt, das alles immer gleich toll klingen muss. Wer anfängt zu üben, ist nicht gleich perfekt." Von einer Übe-App, die wie Fitness-Apps aufgebaut ist, habe er sich hingegen schon herausgefordert gefühlt. "Solche Apps motivieren und vermitteln das Musizieren spielerisch. Einen Musiklehrer werden solche Angebote aber nicht ersetzen können."

Weshalb? "Man braucht die Lehrer als Bezugsperson", sagt Wolss. Wenngleich digitale Apps oder ein Lehrvideo in Corona-Zeiten hilfreich sind - dem gemeinsamen Musizieren im Ensemble oder in der Gruppe laufen sie den Rang so schnell nicht ab.

Die Arbeit der Musikschule Schozachtal

1992 in Abstatt als Verein gegründet, ist der Zweckverband Musikschule Schozachtal seit 2002 Träger der Musikschule Schozachtal. Mitgliedskommunen sind Abstatt, Untergruppenbach und Ilsfeld. Die kommunale Einrichtung mit 23 Pädagogen hat mit allen fünf Grundschulen in den Kommunen eine Kooperation, darüber hinaus auch mit dem Gymnasium in Beilstein. Neben dem Vereinszentrum in der Goldschmiedstraße, wo die Geschäftsstelle beheimatet ist, erfolgt der Unterricht unter anderem in Vereinsheimen und Schulräumen. Die 850 Schüler kommen aus den Mitglieds- und Nachbarkommunen.

Eine Besonderheit der Musikschule sind die Ballett-, Schauspiel und Musiktheaterklassen und deren Aufführungen. Das Angebot der Musikschule deckt unter anderem die musikalische Früherziehung, Ensembles, Kammermusik, und Gesang ab.

 

Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

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