Entwicklungsstandort mit der Natur im Rücken

Abstatt  Die Gemeinde Abstatt profitiert von der Bosch-Ansiedlung im Jahr 2004, will aber auch ihren ländlichen Charakter wahren.

Email

Aus dem einstigen landwirtschaftlich geprägten Dorf ist die gefragte Wohngemeinde Abstatt geworden. Das Foto wurde von Burg Wildeck aufgenommen.

Foto: Christiana Kunz

Wer A wie Abstatt sagt, muss auch B wie Bosch sagen: Seit sich das Weltunternehmen die Schozachtalgemeinde für seinen Forschungs- und Entwicklungsstandort ausgesucht hat, ist der Name Abstatt über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Im Mai 2004 wurde der Komplex mit 1200 Mitarbeitern eröffnet. Heute arbeiten in Abstatt rund 5800 Angestellte in den Bereichen Chassis Systems Control und Bosch Engineering an der Mobilität der Zukunft. Neben dem viertgrößten Arbeitgeber in der Region haben sich in Abstatt weitere Unternehmen angesiedelt. Das spült dementsprechend Geld in die Gemeindekasse.

2010 wandelte sich die Finanzlage, als die Gewerbesteuer unerwartet einbrach. Abstatt musste bei geplanten Projekten Abstriche machen. Seit diesem Jahr wird es wegen der Corona-Krise wieder gravierende Einschnitte geben: 1,8 Millionen Euro Gewerbesteuerreinnahmen werden der 4882-Einwohner-Gemeinde fehlen, sagt Bürgermeister Klaus Zenth im Stimme-Gespräch. Darum muss die Gemeinde bei ihren Investitionen Prioritäten setzen, Kredite aufnehmen und Projekte aufs Folgejahr verschieben, etwa den Umbau des Kindergartens "Hinter der Kirche".

Vom einstigen landwirtschaftlich geprägten Dorf hin zur gefragten Wohngemeinde: Abstatt hat seit den 1970er Jahren einen enormen Wandel erlebt. Innerhalb von 30 Jahren stieg die Einwohnerzahl von rund 1600 um 3000. Das hat die Landwirtschaft zurückgedrängt: Sie spielt nur noch eine kleine Rolle, der Weinbau hat hingegen noch eine gewisse Bedeutung. Zu Abstatt gehört die Burg Wildeck mit dem Versuchsbetrieb der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, seit 1934 der Teilort Happenbach und außerdem der Weiler Vohenlohe, ein ehemaliger Gutshof.

Neue Ortsmitte geplant

Entwicklungsstandort mit der Natur im Rücken

Wird einmal der Mittelpunkt in der Gemeinde werden: die Neue Ortsmitte.

Das Bild der Gemeinde wird sich weiter wandeln: Die Ortsmitte und der Place de Léhon sollen nach der Umgestaltung zum Treffpunkt werden. An der Ecke Beilsteiner Straße/Rathausstraße entsteht ein zukunftweisendes Bauprojekt für eine bessere Infrastruktur im Ort: die Neue Ortsmitte mit Supermarkt, betreutem Wohnen, Ärztehaus und mehr. Abstatt punktet zum einen mit der Nähe zum Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald. Zum anderen liegt sie günstig an der Autobahn mit Nähe zu Heilbronn und dem Großraum Stuttgart.

Bauplätze hat die Gemeinde derzeit keine zu verkaufen, obwohl sich in Sachen Baugebiete etwas tut: Mit der Neuordnung der "Ortsmitte Happenbach - südlich der Hauptstraße" entstehen in Happenbach neue Bauplätze. Nachdem der Bereich Entenstraße erschlossen wurde, geht es im Herbst voraussichtlich mit dem Wiesenweg weiter.

Der Teilort Happenbach bekommt eine Blitzersäule

Gut entwickelt hat sich nach Einschätzung von Rathauschef Klaus Zenth das Wohngebiet "Innere Hofäcker", das vormals ein reines Mischgebiet war. Bei den Planungen des Gebiets mit 43 Eigenheimen gab es Kritik seitens der Bürger. Ihre Sorge: Alles würde zugeparkt werden. Die Parksituation sei jedoch mit der Tiefgarage und zwei Stellplätzen pro Wohneinheit überschaubar, so Rathauschef Klaus Zenth. Widerstand in der Bürgerschaft regte sich außerdem im Vorjahr, als es um das angestrebte Wohngebiet "Wehräcker II" ging. Bei einem Bürgerbegehren im Juli 2019 sprach sich die Mehrheit für eine Entwicklung aus.

Wenn den Teilort Happenbach eines beschäftigt, dann ist es der Durchfahrtsverkehr auf der Landesstraße. Ein erster Schritt wird in dieser Woche mit einer Blitzersäule getan. Tempo 30 soll im Rahmen des Lärmaktionsplans in diesem Jahr angestrebt werden.

Eine Besonderheit in Abstatt: der große Bürgerpark mit Showbühne, Rondell, Boulebahn und mehr. Der Park ist das Ergebnis einer Zukunftswerkstatt mit den Abstattern. Eine Woche lang wurde im Juli 2008 Einweihung gefeiert. Alljährlich findet das Bürgerparkfest dort statt, in diesem Jahr muss es ausfallen. Ob es das traditionelle Adventsständle geben wird, steht noch nicht fest.

Ein reges Vereinsleben prägt den Ort. Mit dem Programm des Arbeitskreises Kultur Akku, dem Angebot der Musikschule Schozachtal und dem Laientheater der Rälling-Bühne kommen Kulturfreunde in der Gemeinde nicht zu kurz.

 


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kommt aus Weinheim an der Bergstraße und kam im November 2019 zur Heilbronner Stimme. Jetzt berichtet sie aus dem nördlichen und östlichen Landkreis - am liebsten über kulturelle und gesellschaftliche Themen.

Zurück zur Übersicht



Kommentar hinzufügen