Ausgedünntes statt üppiges Angebot

Abstatt  In diesem Jahr gibt es wegen Corona weniger Teilnehmer beim Kinderferienprogramm in Abstatt. Viele Veranstaltungen der Kultur- und Konzertreihe wurden auf 2021 verschoben.

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Neun Kinder waren bei der historischen Ortsrallye dabei, die Dorothee Ritter vom Heimatmuseum und der Abstatter Bauhof beim Ferienprogramm ausrichteten.

Foto: Möllers

Auf ihrem Fragebogen fehlen Larissa nur noch wenige Antworten, dann hat das Mädchen die 16 Fragen der historischen Ortsrallye zu Abstatt vervollständigt. Die Fragen zum Rathaus stehen noch aus. "Da kommen wir gleich hin", sagt Dr. Dorothee Ritter vom Abstatter Kulturamt. Als Ansprechpartnerin fürs Abstatter Heimatmuseum richtet sie zusammen mit dem Bauhof der Gemeinde einen der wenigen Programmpunkte aus, die die Gemeinde im Rahmen des Kinderferienprogramms in diesem Jahr anbieten kann. Denn wegen Corona ist das Angebot deutlich geschrumpft.

Vereine wollten das Risiko nicht eingehen

Weniger Teilnehmer meldeten sich an, viele Vereine, die sich sonst mit vielfältigen Programmpunkten an dem Angebot beteiligen, setzen diesmal aus. "Normalerweise ist das Kinderferienprogramm richtig üppig. Es gibt viele Programmpunkte, es finden auch mehrere an einem Tag statt", sagt Dorothee Ritter. In der Vergangenheit habe es eine Flughafenbesichtigungen gegeben, Bauernhofbesuche, Ausflüge ins Maislabyrinth, die Euro-City der Volksbank Beilstein-Ilsfeld-Abstatt oder die Gewässerschau der Freiwilligen Feuerwehr. Das alles fehlt in diesem Jahr. "Es bleibt den Vereinen überlassen, ob sie sich beteiligen. Einige wollten das Risiko allerdings nicht eingehen", sagt Ritter.

Neun Kinder zwischen acht und zwölf Jahren machen bei der historischen Ortsrallye mit. Die Gruppe startet am Bauhof, über den Friedhof geht es in den Bürgerpark für eine Verschnaufpause, dann am Rathaus vorbei zum abschließenden Grillen beim Bauhof. Dorothee Ritter nutzt die Gelegenheit im Bürgerpark, um den Kindern die Geschichte der Freizeiteinrichtung näherzubringen: "Hier war mal ein Sportplatz. Auf dem Handballfeld stand mittendrin ein Telefonmast, den die Spieler umgehen mussten", berichtet sie einen kuriosen Fakt.

Von der Vergangenheit der Schozachtalgemeinde zu ihrer Gegenwart: Wenn es nach Robin - einem der jungen Rallye-Teilnehmer - geht, fehlt Abstatt noch ein Skaterpark. "Hat die Gemeinde dafür genug Geld?", will der aufgeweckte Junge mit Blick auf die Corona-Krise wissen. Wegen der Haushaltssperre kommen die Planungen für einen Skaterpark wohl erstmal nicht infrage, schätzt Dorothee Ritter. Seit 20 Jahren engagiert sich die Kunsthistorikerin im Arbeitskreis Kultur in Abstatt, kurz Akku.

Kabarett und Kindertheater könnten stattfinden

Seit 1999 fördert dieser in der Gemeinde Kunst und Kultur, bringt namhafte Konzertmusiker, Autoren, Kabarettisten und Kindertheatergruppen nach Abstatt. In diesem Jahr der Corona-Pandemie müssen Kulturfans zurückstecken. "Mitte Februar fand noch das Lehrerkonzert statt und, am 17. Juli konnten wir das beliebte Open-Air-Kino mit dem Film unter Corona-Auflagen stattfinden lassen", sagt Dorothee Ritter. Je nachdem, wie sich die Lage entwickelt, könnte Christiane Maschajechi im Oktober ihren Kabarettabend im Happenbacher Bürgerhaus geben und das Kindertheater en miniature im November "Wie Findus zu Pettersson kam" aufführen. Alle anderen Veranstaltungen, die Akku auf seiner Webseite auflistet, mussten jedoch auf das Jahr 2021 gelegt werden.

"Dass vieles so kommen musste, war schmerzlich. Unter den Kulturschaffenden herrscht in dieser Krisen-Zeit aber ein toller Zusammenhalt, eine große Kulanz, viel Verständnis und Erfindungsgeist", sagt Dorothee Ritter.

Hinnehmen müssen die Akku-Mitglieder auch, dass die zweite Auflage des Kunsthandwerkermarkts und das Bürgerparkfest erst 2021 stattfinden können. Bis dahin denkt Ritter gern an den Erfolg der Markt-Premiere 2019 zurück. "In diesem Jahr wäre alles noch besser geworden. Und wir hätten das Bürgerfest an drei Tagen mit einem freien Kabarettabend ausgerichtet", sagt Dorothee Ritter. Sie bleibt zuversichtlich: "Kulturell gibt es trotzdem viel zu tun."

Das Kinderferienprogramm in Abstatt

Weniger Teilnehmer, weniger Angebote, weniger Vereine: "Wir haben lange hin- und herüberlegt, was wir zum Kinderferienprogramm anbieten", sagt Selina Schweizer von der Gemeinde Abstatt. Nach der Anmeldefrist bis 7. Juli habe es zwar Nachmeldungen von Teilnehmern, aber dementsprechen auch wieder Absagen gegeben.

"Wir hatten darum arg Probleme, Programmpunkte zu finden", sagt Schweizer. Andererseits mussten wegen der geringen Teilnehmerzahlen vier der 13 Programmpunkte gestrichen werden. Beim Kinderferienprogramm bieten unter anderem die Betreiber des Café Rondell eine Schleim-Werkstatt an. In Normalzeiten umfasst das Ferienangebot 40 Angebote. In diesem Jahr nehmen nur 49 Kinder am Ferienprogramm teil. In den Vorjahren sind es rund 130.

 

Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kam im November 2019 aus Weinheim zur Heilbronner Stimme. Nach einem Jahr in der Lokalredaktion ist sie seit 2021 in der Jugendredaktion.

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