Auf Burg Wildeck wurde der Dornfelder gezeugt

Abstatt  Auf den 12,6 Hektar Rebflächen des Versuchsweinbetriebs Wildeck werden unter anderem neue Rebsorten getestet. Aber auch bedeutende Sorten wie der Dornfelder stammen von dort.

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Mit seiner romantischen Idylle ist der Abstatter Außenbetrieb Burg Wildeck einer der schönsten der Weinbauschule Weinsberg. Hier wachsen Spätburgunder und Weißweinsorten heran.

Fotos: Christiana Kunz

Der Versuchsweinbetrieb Wildeck mutet romantisch an, vor allem durch die erhabene Burg Wildeck, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Unter ihr erstreckt sich der Südwesthang mit 12,6 Hektar Rebhängen auf 360 bis 380 Höhenmeter - höher als in Weinsberg oder Gundelsheim, den anderen Weinbaustandorten der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO).

Im Außenbetrieb Wildeck werden neue Reben, Weinsorten, Bodenpflege oder Pflanzenschutzmittel getestet. Dort gedeihen Trauben von Rebsorten wie Chardonnay, Riesling, Traminer, Samtrot, Müller-Thurgau, Spät- und Grauburgunder. Es gelten beste Voraussetzungen für Spätburgunder und Weißweinsorten.

Von hier stammt er, der Dornfelder. Besser gesagt: Burg Wildeck ist der "Zeugungsort" der bedeutenden Rebsorte. "Geboren ist er aber eigentlich in Lauffen. Dort wurden die Kerne gepflanzt", verrät Dr. Dietmar Rupp, Agrarbiologe mit den Schwerpunkten Boden und Klimatologie. Auch die bekannten Rebsorten Kerner und Samtrot stammen aus der Züchtung der LVWO.

Eigentlich war der Dornfelder neu gezüchtet worden, um den Trollinger intensiver zu färben. Die Helfensteinerstöcke wurden dazu mit Pollen der Heroldrebe bestäubt. Das war im Juli 1955. Seinen Namen erhielt die Rebsorte nach dem Gründer der Weinbauschule, Immanuel Dornfeld. "Mit Dornfelder kann man nichts falsch machen", bewertet Dietmar Rupp die Rebsorte.

Schädlinge und Pilzen setzen den Reben zu

Wo der Dornfelder gezeugt wurde

Dietmar Rupp an einer Funkmessstation, die Wetterdaten für das Gut liefert.

Vom Dornfelder stammt wiederum der Acolon ab. Dessen Trauben beginnen schon jetzt, Anfang August, sich bläulich-rot zu färben. Entwickelt in den 70er Jahren und für kältere Bedingungen bestimmt, muss Acolon entsprechend früh gelesen werden. "Die Rebsorte kann man eigentlich nicht mehr brauchen. Sonst müssten wir Anfang September die Kelter aufmachen", sagt Dietmar Rupp. Ersetzt wird Acolon aber vorerst nicht. Deutlich vielversprechender sind da eine noch namenlose rote und die neu zugelassen weiße Rebsorte "Sauvetage".

Pro Jahr werden im Außenbetrieb Wildeck sechs bis sieben Tonnen Trauben geerntet und als Wein unter dem Label Staatsweingut Weinsberg verkauft. "Das sind sozusagen die übrig geblieben Produkte aus der Versuchstätigkeit", erklärt Dietmar Rupp. Für ihre Facharbeiten kommen LVWO-Studierende vor Ort. Vier festangestellte Mitarbeiter bearbeiten die Abstatter Rebhänge.

Schädlinge und Krankheiten bleiben ein Problem

Eine biologische Methode zur Schädlingsbekämpfung hängt in Rostrot an den Weinreben und ist zudem eng mit Burg Wildeck verbunden: Die Pheromonampullen, die in den 80er Jahren erstmals in der Praxis am Abstatter Außenbetrieb getestet wurden. Von den unscheinbaren Kunststoffverteilern geht der Lockstoff des Falters aus. "Der ganze Weinberg duftet sozusagen nach Weibchen", erklärt Dietmar Rupp. Das bringt die Männchen durcheinander. Die Verwirrmethode ersetzt landesweit Insektizid-Einsätze.

Die Hauptprobleme, mit denen Landwirtschaft und Weinbau immer mehr zu kämpfen haben, sind ganz klar Schädlinge und Krankheiten, berichtet Dietmar Rupp. Seit 2002 ist die Wildeck kein Ökobetrieb mehr. 100 Prozent der ungespritzten Reben fielen dem Falschen Mehltau zum Opfer. Zur Schädlingsbekämpfung werde jetzt in Ökobetrieben - auch auf Burg Wildeck - vorwiegend mit Kupfer und Schwefel gearbeitet, so Rupp. Sie wirken gut eine Woche, müssen zehn bis zwölfmal gespritzt werden. Weil die Mittel den Schafen, die einst am Außenbetrieb den Unterwuchs kurz hielten, nicht zuträglich war, werden die Bio-Rasenmäher nicht mehr eingesetzt.

Die Annahme, dass beim Ökoweinbau nicht gespritzt werde, sei weit verbreitet, sagt Rupp. "Ein richtiger Ökobetrieb braucht widerstandsfähige Pflanzen, die nicht krank werden. Alles andere wäre nur eine Verlagerung."

Die Weinbauschule

Die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg ist eine Ausbildungs- und Forschungseinrichtung. Sie entstand 1924 aus dem Zusammenschluss der 1868 gegründeten Württembergische Weinbauschule und der 1901 gegründeten Versuchsanstalt. Die Burg Wildeck war im Besitz der Grafen von Löwenstein. Sie verkauften sie in den 1920er oder 30er Jahren. Als der jüdische Kaufmann Salman Schocken die Burg nicht übernehmen konnte, ging sie 1933 in den Landesbesitz über. Seit 1939 gibt es das Versuchsgut.


Linda Möllers

Linda Möllers

Autorin

Linda Möllers kam im November 2019 aus Weinheim zur Heilbronner Stimme. Nach einem Jahr in der Lokalredaktion ist sie seit 2021 in der Jugendredaktion.

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