Kommentar: Den Geschichtsumdeutern keine Chance gegeben

Heilbronn  Selten zeigten im Netz und auf der Straße so viele Menschen, wie man auf Provokationen reagiert. Ein Kommentar zum Gedenken und den Aktionen 75 Jahre nach der Zerstörung Heilbronns.

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Wurde in den Texten dieser Redaktion den Opfern des 4. Dezember 1944 in Heilbronn zu wenig Raum gegeben? Wurde das Leid der Menschen ignoriert? Ganz sicher nicht. An einer zentralen Stelle wurde allerdings darauf hingewiesen, dass die Schuld für den Angriff "in letzter Konsequenz" nicht bei den britischen Militärs zu suchen ist, die den Einsatzbefehl für die "Operation Sawfish" auf Heilbronn gegeben haben. Unausgesprochen blieb dabei, dass die Alliierten auf den Aggressor Nazi-Deutschland mit Angriffen reagierte, die mit dem Völkerrecht nicht vereinbar waren.

Jedoch: Der abwägende Mittelweg ist hier weitgehend verstellt. Denn es gab und gibt Menschen, für die ist der Schlussstrich unter der Frage nach der Kriegsschuld überfällig. Und mit Schlussstrich meinen sie, dass es diese Schuld der Deutschen nicht gibt. Da muss die Beteiligung der Russen zu Kriegsbeginn als Ausrede herhalten. Da werden die Alliierten zu den Hauptschuldigen gemacht. Allzu nah kommt man dieser Denkart, wenn man die Briten für den Angriff auf Heilbronn einfach als Kriegsverbrecher bezeichnet.

Das Positive: Es war schön zu sehen, wie an diesem 4. Dezember 2019 die Menschen auf den Straßen, bei den Gedenkveranstaltungen und auch im Netz zusammenstanden. Wo man hinschaute, wurde besonnen und ruhig argumentiert, wenn Provokateure und Pöbler sich meldeten. Den Geschichtsumdeutern wurde so kein Forum gewährt.

 

 


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