Problem Betriebsnachfolge: Genossenschaft als Alternative

Stuttgart (dpa/lsw)  Genossenschaften können nach Auffassung des baden-württembergischen Verbandes eine Lösung sein, um die Nachfolge von kleinen und mittleren Betrieben zu sichern. «Bereits drei gute Mitarbeiter genügen, um eine Genossenschaft zu gründen und so den Betrieb gemeinsam fortzuführen», sagte Präsident Roman Glaser vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband am Freitag in Stuttgart bei einer Online-Pressekonferenz. Der bisherige Inhaber könne seinen Betrieb in vertraute Hände geben und benötige keinen einzelnen Käufer, der alles alleine übernehme.

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Zudem bestehe die Möglichkeit, dass der frühere Eigentümer etwa für einige Jahre Aufsichtsratsvorsitzender der Genossenschaft werde und so den Betrieb und die Geschäftsleitung weiter begleiten könne. Für allem im Bereich Handwerk sieht Glaser große Chancen für den Vorschlag. «Durch Genossenschaften können hier viele Betriebe weitergeführt und auch Arbeitsplätze erhalten bleiben.»

Der Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertages, Wolfgang Grenke, sagte, die Corona-Pandemie und deren wirtschaftliche Folgen hätten viele Betriebe im Land stark getroffen. «Die Unternehmensnachfolge war schon vorher eine große Herausforderung und wird sich nun weiter verschärfen.» Man müsse daher verstärkt für dieses Thema sensibilisieren. Denn im schlimmsten Fall drohe der Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen.

Am Gelingen einer Unternehmensnachfolge hängen nach einer Schätzung des Instituts für Mittelstandsforschung für die Jahre 2018 bis 2022 die Existenzen von rund 21 700 Betrieben mit etwa 372 000 Beschäftigten in Baden-Württemberg ab, wie das Wirtschaftsministerium mitteilte. Ressortchefin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) sagte: «Das Thema Unternehmensnachfolge ist entscheidend für unsere mittelständischen Familienunternehmen, denn zahlreiche Betriebe brauchen in den kommenden Jahren qualifizierte Nachfolgerinnen und Nachfolger.» Es stimme sie zuversichtlich, dass der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband in der Betriebsübernahme durch Mitarbeiter eine Alternative zur Unternehmensnachfolge sehe.

Nach Angaben des Verbandes sind bislang die Genossenschaften gut durch das erste Jahr der Corona-Pandemie gekommen. Die Erlöse der 622 (2019: 630) Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften legten um 2,8 Prozent auf 9,12 Milliarden Euro zu. Im Südwesten arbeiten beinahe 34 000 Menschen bei Genossenschaften. Eine Vielzahl von Betrieben sind nach dem Modell organisiert, das reicht von landwirtschaftlichen bis hin zu gewerblichen Genossenschaften. Diese haben eine große Bandbreite: So gibt es Genossenschaften für Handel, Ärzte, das Handwerk, Energieunternehmen, Dorfläden, Kaminbauer, Softwareschmieden und Berater.

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