«Interboot»: Friedrichshafen hofft auf Signalwirkung

Friedrichshafen (dpa)  Mit der Wassersport-Schau «Interboot» kehrt auf der Messe Friedrichshafen nach monatelanger Corona-Pause wieder Leben ein. Die Veranstalter profitieren dabei von einem Boom in der Branche. Wie es für den Messestandort weitergeht, bleibt aber unklar.

Von Frederick Mersi, dpa
Email
Das Segelboot «SE 27 Leisure» des Herstellers Saffier Yachts ist in einer Messehalle aufgebaut.

Als die «Interboot» mit einer Lautsprecher-Durchsage eröffnet wird, klatschen einige Besucher im Eingangsbereich der Messe Friedrichshafen spontan Beifall. Mehr als ein halbes Jahr standen die Hallen wegen der Corona-Pandemie leer, mit der Wassersportmesse kehrt am Samstag erstmals wieder Leben ein. «Das ist psychologisch wichtig», sagt Messesprecher Wolfgang Köhle. «Wir möchten zeigen, dass es geht.»

Rund 200 Aussteller zeigen in den Messehallen und am Bodensee vom 19. bis 27. September Produkte und Dienstleistungen rund um den Wassersport - mit breiteren Gängen, Mund-Nasen-Schutz bei Beratungsgesprächen und sogenannten Corona Guides - Mitarbeiter in grünen Westen. Sie sollen auf die Einhaltung der Abstandsregeln und der Maskenpflicht achten. «Wie das funktioniert, ist bisher sehr erfreulich», sagt Messesprecher Köhle eine Stunde nach der Eröffnung. «Die Leute haben wirklich ihren Mundschutz auf.»

Und die Messegäste sind nach Angaben vieler Aussteller sehr interessiert. «Die Glotzer kommen dieses Jahr nicht», sagt Axel Böhm, der an seinem Stand Elektro-Außenborder zeigt. «Statt Seh-Leuten kommen die Seeleute, die sich auch die Online-Anmeldung und die Maskenpflicht antun.» Bernd Flügel, der auf der Interboot vor allem Stand-Up-Boards ausstellt, sagt: «Es kommen sicher weniger Besucher, aber dafür ein qualitativ hochwertiges Publikum.»

Die Messe Friedrichshafen erhofft sich von der ersten Veranstaltung seit dem Corona-Lockdown im Frühjahr eine Signalwirkung. «Viele Kollegen aus Deutschland kommen vorbei und schauen sich an, wie wir das machen», sagt Projektleiter Dirk Kreidenweiß. «Messen unter Corona-Regeln sind Neuland, das müssen wir lernen.» Ähnliche Schwierigkeiten in der Branche habe er in den vergangenen 20 Jahren nur zu Beginn der Wirtschaftskrise 2007 erlebt, sagt er. «Aber bisher kommen die Besucher - Gott sei Dank.»

Unter ihnen ist Manfred Orywol aus Dillingen, der nach fünf Jahren in einem Segelverein über den Kauf eines eigenen Boots nachdenkt. «Bis jetzt hatte ich dafür keine Zeit», sagt der 55-Jährige. Das Boot wolle er sich nun auch mit Blick auf die Rente zulegen. Online-Registrierung, zwei Stunden Autofahrt und Maskenpflicht nimmt er für den Messebesuch in Kauf: «Hier kann man sich umschauen und die Dinge anfassen», sagt er.

Eine ähnlich lange Anfahrt hat auch Steffen Bauer aus Aalen auf sich genommen. Seit einem Urlaub am Lago Maggiore sei er von Motorbooten begeistert, sagt er. Jetzt wolle er sich auf der Messe umschauen: «Die Online-Registrierung war kein Problem, und bis auf die Masken gibt es hier ja keine besonderen Einschränkungen.»

Für die Betreiber ist die Interboot zudem eine Investition in weitere Schauen, die in den kommenden Monaten in Friedrichshafen stattfinden sollen. Man wolle zeigen, dass Messen auch in Zeiten von Corona noch attraktiv sind, betont Projektleiter Kreidenweiß. Zudem gehe es darum, den Schaustellern Sicherheit zu vermitteln: «Das Vertrauen, dass die Veranstaltung stattfindet, war bei manchen nach kurzfristigen Absagen anderer Messen nicht da.»

Dass überhaupt 200 Aussteller für die Interboot zusammenkamen, liegt auch an der wirtschaftlichen Lage der Wassersport-Branche: Nach dem Corona-Lockdown verzeichneten deutsche Hersteller von Jachten, Segelbooten und Stand-Up-Boards nach Angaben des Branchenverbands enorme Zuwächse bei Auftragszahlen und Umsätzen. «Viele haben gesagt, wir nehmen diesen Schwung mit der Messe ins nächste Jahr mit», sagt Kreidenweiß.

Auch bei der nächsten großen Schau in Friedrichshafen präsentiert sich eine Branche, die in der Corona-Krise einen Boom verzeichnet hat: Ende November findet die Fahrradmesse «Eurobike» statt. Andere Veranstaltungen im Herbst wie die Fachmesse «Fakuma» für Kunststoffverarbeitung oder die «Faszination Modellbau» sind dagegen aufs kommende Jahr verschoben worden.

«Wir sind bisher optimistisch, dass wir mit der Interboot eine Basis für weitere Schauen legen können», sagt Messesprecher Köhle. Dennoch erwartet das Unternehmen wegen abgesagter Messen fürs laufende Jahr einen Millionenschaden. Eine Prognose, wie es mit dem Messestandort Friedrichshafen weitergeht, könne er daher nicht abgeben, sagt Köhle. «Das ist derzeit einfach nicht möglich.»


Kommentar hinzufügen