Grenke berichtet von Compliance-Problemen

Baden-Baden (dpa)  Der nach Manipulationsvorwürfen unter Druck stehende Leasingspezialist Grenke will bei einer Untersuchung seiner internen Prozesse Probleme ausgemacht haben - und hat sich in diesem Zuge nun von Vorstandsmitglied Mark Kindermann getrennt. Was dem langjährigen COO - dem Leiter des operativen Geschäfts - genau vorgeworfen wird, ließ der Konzern aus Baden-Baden am Montag offen.

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Der Schriftzug des Finanzdienstleisters Grenke AG.

Das Unternehmen teilte in diesem Zusammenhang lediglich mit, dass es im Rahmen laufender Prüfungen zu «kritischen vorläufigen Bewertungen bisheriger interner Prozesse in der Complianceorganisation und der internen Revision» gekommen sei. Kindermann habe zwar geäußert, dass diese Bewertungen nach Abschluss der Prüfungen revidiert werden müssten. Dennoch habe er seine Mandate niedergelegt, um «potentiellen Schaden» von der Firma fernzuhalten.

Der Kurs der Grenke-Aktie stürzte nach den Nachrichten um bis zu 37 Prozent in den Keller. Zuletzt lag der Kurs am Nachmittag noch mit 30,49 Prozent im Minus bei 26,76 Euro und war damit mit großem Abstand Schlusslicht im Nebenwerte-Index SDax.

Die Investorengruppe Viceroy Research hatte Grenke Mitte September öffentlich angegriffen und dem Konzern unter anderem ein undurchsichtiges Geschäftsmodell mit unlauteren Praktiken, Scheingewinnen und zu hoch ausgewiesenen Geldbeständen vorgeworfen. Beim Franchisingsystem von Grenke handle es sich um ein Betrugskonstrukt, mit dem entweder Luftbuchungen von Finanzmitteln kaschiert oder Geld abgezweigt werden sollten. Hinter dem Shortseller Viceroy steht der Brite Fraser Perring, der sich bereits mit dem inzwischen insolventen Zahlungsabwickler Wirecard angelegt hatte.

Grenke hatte daraufhin verschiedene Wirtschaftsprüfer mit internen Untersuchungen beauftragt. Der Konzern teilte mit, eine zügige Fortsetzung der Prüfungen und deren Abschluss hätten «höchste Priorität». Unabhängig davon nimmt auch die Finanzaufsicht Bafin das Unternehmen derzeit unter die Lupe.

© dpa-infocom, dpa:210208-99-352657/4


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