Geigerzähler in Deutschland derzeit Mangelware

Schriesheim - Ein Schriesheimer Familienunternehmen ist Marktführer für Geigerzähler in Deutschland - und wird wegen der Atomkatastrophe in Japan nun von der Nachfrage überrollt. Täglich laufen rund 700 Bestellungen auf. Die Firma kommt mit der Produktion kaum nach.

Von Christian Jung, dpa
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Schriesheim - Die radioaktive Strahlung im Büro von Eva Katharina Mirow liegt im natürlichen Bereich. Die 27-jährige Pressesprecherin des knapp 50-Mitarbeiter starken Familienunternehmens Dr. Mirow/Gamma-Scout aus Schriesheim-Altenbach (Rhein-Neckar-Kreis) misst mit einem orangefarbenen Geigerzähler zwischen 0,05 und 0,25 Mikrosiefert pro Stunde.

Katharina Mirow, die Sprecherin der Firma Gamma-Scout mißt mit einem Geigerzähler die natürliche Strahlung in der Natur. Seit elf Jahren vertreibt die Firma Gamma-Scout im Norden Baden-Württembergs aus einem 2000-Einwohner-Dorf Schriesheim im Odenwald ausschließlich Hand-Geigerzähler für den privaten und industriellen Bereich. Foto: dpa

Seit elf Jahren vertreibt die von ihrem Vater gegründete Firma ausschließlich Hand-Geigerzähler für den privaten und industriellen Bereich. Nach den Atomunglücken in Japan waren die vier verschiedenen Gerätetypen des Unternehmens innerhalb weniger Tagen komplett ausverkauft, obwohl diese zwischen 300 und 500 Euro kosten.

„Zurzeit haben wir zwanzig Mal mehr Bestellungen als sonst. Neue Geräte zu produzieren, wäre kein Problem. Jedoch warten wir auf Zählröhrchen von einem Zulieferer aus den USA“, sagt Mirow. Die Tüv-geprüften Geigerzähler können wegen aufwendiger Kontrollen nicht in Massen produziert werden, neue Aufträge würden daher erst ab Mai angenommen. „Bis Juni werden aber schon bestellte Geräte ausgeliefert.“ Beim Onlineportal Ebay hätten Betrüger sogar schon versucht, nichtexistente Geräte zu verkaufen, „was wir zum Glück unterbinden konnten“.

Pro Tag kommen im Büro derzeit bis zu 700 Bestellungen an. Die Firma ist nach Worten Mirows Marktführer bei Geigerzählern in Deutschland. Die Website des Unternehmens lässt die internationalen Kontakte erahnen und bietet Informationen auch auf Russisch und Japanisch an. Umsatzzahlen und die Zahl der verkauften Geräte, die Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung messen, werden nicht preisgegeben. Dafür werden korrekte Messergebnisse bei Außentemperaturen von -20 bis +40 °C garantiert.

Gamma-Scout existiert erst seit zwölf Jahren. „Mein Vater arbeitete früher als Manager im Pharma-Bereich und gründete nach seinem Vorruhestand die Firma als Start-up-Unternehmen. Besonders nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 merkte er, dass es nirgendwo handliche und einfach zu bedienende Geräte gibt, mit dem auch ein Nicht-Wissenschaftler zuverlässig Strahlung messen kann“, betont Eva Katharina Mirow. So hätten viele Kunden überrascht festgestellt, dass ihre alten Wecker und Uhren radioaktiv sind.

Gerade hat die Literaturwissenschaftlerin an der Universität Freiburg erfolgreich ihr Studium abgeschlossen und soll nach einer Einarbeitungszeit bald neue Geschäftsführerin werden. „Auch wenn wir von der aktuellen Atomkrise indirekt und ungewollt profitieren, wurden unsere Produkte nicht für ein solches Ereignis entwickelt“, sagt sie energisch.

Die Haupteinsatzgebiete der gelben knapp 16 Zentimeter langen und sieben Zentimeter breiten Zählerkästen mit zehn Jahre haltenden Lithiumbatterien liegen bisher vor allem im medizinischen und industriellen Bereich. Auch die deutschen Sicherheitsbehörden, sowie Geologen, Ärzte, Piloten und Schrotthändler benutzen schon länger die Gamma-Scouts. Vorsorglich werden nun die Produktionszahlen gesteigert.
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