Der Keller, in dem dreckige Sneaker wieder sauber werden

Allmersbach im Tal  Marcello Casula kümmert sich nebenberuflich um die Reinigung von verschmutzten Sneakern. Seine Werkstatt befindet sich in der Nähe von Backnang - doch die Kundschaft stammt auch von weiter weg. Über einen Beruf, der im Kommen ist.

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Sneakerreiniger Marcello Casula bei der Arbeit in seiner Werkstatt. Das weiße Exemplar macht ihm wenig Mühe. Fotos: Christiana Kunz

Schuhputzer genießen hierzulande nicht allerhöchstes Renommee. Marcello Casula ist kein Schuhputzer. Casula ist Sneaker Cleaner - und trifft damit einen Nerv. "Als ich 2017 angefangen habe, gab es in Deutschland eine handvoll Sneaker Cleaner - ich wurde für meine Idee belächelt. Jetzt wird das Ganze ziemlich anerkannt." Kein Wunder. Sneaker sind beliebt.

Casula erzählt, dass manche Liebhaber der modischen Sportschuhe vor Läden übernachten, um ein limitiertes Paar zu ergattern. Auf Schuhbörsen im Netz werden jene für teils mehrere tausende Euro gehandelt. Turnschuhe als Spekulationsobjekt? Höchste Zeit für einen Besuch bei einem, der aus seiner Leidenschaft eine Nebentätigkeit gemacht hat. 

Im Keller befindet sich die Werkstatt

Ein Reihenhaus in Allmersbach im Rems-Murr-Kreis. Durch die Kellertür geht es hinein, die Werkstatt ist zehn Quadratmeter groß. "Mehr brauche ich nicht", sagt der 36-Jährige. Im weinroten Kapuzenpulli steht er vor seiner Arbeitsfläche, in Griffhöhe darüber befinden sich blaue Boxen voller Bürsten, Tücher und Schuhspanner. Im Regal links stehen sauber aufgereiht schwarze Fläschchen und Sprays mit unterschiedlichen Pflegemitteln. Möchte die Menschheit ihre Treter nicht mehr selbst schrubben? 30 bis 40 Paar Schuhe reinigt Casula hier im Monat. 18,90 Euro kostet die Premiumpflege, die fast alle Kunden wählen. Der Sneakerfreund ist sich sicher: "In Stuttgart könnte ich mehr verlangen und hätte trotzdem mehr Kundschaft." 

Doch Casula wohnt eben in Allmersbach, "auf dem Dorf", wie er sagt. Es dauert einige Zeit, bis sein Kleingewerbe Fahrt aufnimmt. Die ersten Kunden sind seine Kumpels, dann spricht sich seine Dienstleistung im nahen Backnang und in Stuttgart herum. Einmal steht ein Mädchen mit Schuhen vor der Tür, die "mit Bus und Bahn aus Esslingen angereist kam". Verrückt findet Casula das, schließlich kann man die Schuhe auch einschicken. 30 Prozent der mehr oder weniger dreckigen Exemplare gelangen so zu ihm, die restlichen 70 Prozent geben Kunden direkt ab. 

Die Zahnbürste ist das wichtigste Werkzeug

Bevor Casula loslegt, fädelt er zunächst die Schnürsenkel heraus. Sie werden über Nacht in einer Lösung mit Zitronensäure eingelegt. Dann steckt der 36-Jährige Schuhspanner hinein ("das macht das Arbeiten angenehmer"), den groben Schmutz bürstet er ab. Um die Sohle kümmert er sich mit der Zahnbürste ("das Werkzeug, mit dem ich am meisten schaffe"). Es folgt die Grundreinigung der Oberfläche mit Schuhbürste und Reinigungsmittel, für die Feinarbeiten nimmt er ein Reinigungstuch. Einen Tag darf der Schuh nun ruhen.

Mit diesem verschmutzen Schuh hat der Sneakerputzer mehr Arbeit.

Dann kommen Lederpflege, Imprägnierung und Schuhdeo darauf. 45 Minuten dauert alles zusammen. Sein Wissen hat er sich selbst, vor allem durch Videos anderer Sneakerputzer, angeeignet. 

Nach der Familien- beginnt die Sneakerzeit

Casulas Leben dreht sich nicht nur um Turnschuhe, hauptberuflich arbeitet er im Büro einer Ilsfelder Beleuchtungsfirma. Um 17 Uhr kommt er nach Hause, kümmert sich um seine Familie, bis die beiden Kinder ins Bett müssen. Gegen 19 Uhr geht es für zwei, drei Stunden hinunter in die Werkstatt. Aus der Neben- eine Haupttätigkeit zu machen, das hat er nicht vor. "Mein Hauptgeschäft macht mir Spaß - und wer weiß, wie lange der Boom mit den Sneakern noch andauert." 

Der größte Teil der Kundschaft ist zwischen 16 und 25 Jahre alt - die meisten genauso verrückt nach Sneakern wie er. "Schon als Jugendlicher habe ich darauf geachtet, dass sie nicht dreckig werden - das ist heute noch so." Casula gefällt, dass man die Sportschuhe "zu jedem Kleidungsstil kombinieren kann". Deshalb trägt er fast ausschließlich seine Lieblinge. Nur zur eigenen Hochzeit nicht, da hat er dann doch lieber zu festlicheren Schnürschuhen gegriffen. 

 

 


Tobias Wieland

Tobias Wieland

Onlineredakteur

Tobias Wieland kümmert sich um die onlinespezifische Aufbereitung eigener und fremder Artikel auf Stimme.de. Er erstellt Zeitleisten, Listicles, Grafiken und mehr.

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