RTL-Supertalent und Frührentner streiten weiter

Karlsruhe - Ein Frührentner streitet sich weiter mit RTL-Supertalent Freddy Sahin-Scholl um eine Beteiligung am Gewinn der Talentshow. Einen Vergleich von 5000 Euro seitens Sahin-Scholls lehnte der Rentner am Montag vor dem Karlsruher Landgericht ab.

Karlsruhe - Viel Ruhm bringt viel Ärger: Im Prozess um eine Beteiligung am Gewinn der RTL-Show „Deutschland sucht das Supertalent“ lässt ein Frührentner nicht locker. Er streitet sich weiter mit dem Sänger Freddy Sahin-Scholl, der den Wettbewerb im vergangenen Dezember gewonnen hatte. Einen Vergleich von 5000 Euro seitens Sahin-Scholls lehnte der Rentner am Montag vor dem Karlsruher Landgericht ab. Der Betrag sei „lächerlich“ angesichts der Gewinnsumme von 100.000 Euro und weiteren daraus resultierenden Einnahmen von geschätzten 1,3 Millionen Euro.

Der Mann hatte Sahin-Scholl (Foto: Archiv, dpa) dazu überredet, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Im Gegenzug habe der Sänger ihm ein Fünftel der Erlöse zugesagt, sagte der Frührentner. Das bestreitet Sahin-Scholl und klagt auf Unterlassung und Schadensersatz.

Sahin-Scholl: Geschenk aber keine Gewinnbeteiligung

„Er hat mich zu RTL gebracht“, bestätigte zwar Sahin-Scholl. Eine Vereinbarung über eine Gewinnbeteiligung habe es aber nie gegeben. Lediglich von einem kleinen Geschenk sei die Rede gewesen. Einer der geladenen Zeugen hingegen bestätigte wesentliche Punkte der Aussage des Frührentners. Ein entsprechendes Gespräch zwischen dem Sänger und dem Rentner habe er im Mai 2010 mitangehört. Darin sei von 20 Prozent Beteiligung die Rede gewesen. Worum es sich dabei handelte, habe er erst verstanden, als er Sahin-Scholl im Fernsehen beim „Supertalent“-Finale wiedererkannte.

„Ich empfinde weiterhin Dankbarkeit“, sagte Sahin-Scholl nach der Verhandlung über den Frührentner. Er habe ihm aber nie Geld versprochen. „Ich hätte das gerne außergerichtlich mit ihm geklärt.“

Rentner geht volles Risiko

Der Rentner wiederum gab sich angriffslustig: „Sahin-Scholl sagt nicht die Wahrheit und hat eine falsche eidesstattliche Erklärung abgegeben.“

Dass er selbst im vergangenen Oktober in einer Mail an den Sänger auf etwaige Ansprüche verzichtet hatte, sah er gelassen. „Das Gericht soll jetzt entscheiden, ob ich Ansprüche habe oder nicht. Das Risiko gehe ich ein.“

Dem Mann waren bereits per einstweiliger Verfügung vom 5. Januar entsprechende Äußerungen untersagt worden. In der Hauptverhandlung fordert der Sänger zusätzlich Schadenersatz wegen Rufschädigung. Der Frührentner reagierte seinerseits mit einer Gegenklage, mit der er sein Geld einfordert. Der Prozess soll am 26. September fortgesetzt werden, um einen weiteren Zeugen zu hören.


Baracken am Neckar

Sahin-Scholl kann mit sich selbst im Duett singen und ist dafür in der gleichnamigen RTL-Show zum „Supertalent 2010“ gewählt worden. Er beherrscht den tiefen Bariton genauso perfekt wie den hohen Sopran. Für Jurymitglied Dieter Bohlen war das Gesangswunder von Anfang an der Favorit.

Sahin-Scholl, oder besser Galileo, wie sein Künstlername lautet, ist ein Heilbronner Kind – genauer gesagt: ein Heilbronner Besatzungskind. Seinen Geburtsort kennt der 57-Jährige, nicht aber seine Eltern. Dunkel kann er sich an Baracken am Neckar erinnern, präzise Erinnerungen indes setzen erst ein, als Hanni Ahlgrimm ihn mit 13 anderen Kindern, deren Mütter sich schämten, von einem im Unterland stationierten US-Soldaten ein Baby bekommen zu haben, aufnimmt.

Haus in Wüstenrot

Die gelernte Krankenschwester und Hebamme Hanni wird den Kindern zur Ersatzmutter in einem mit US-Hilfe ausgebauten Haus in Wüstenrot.

Das Heim in Wüstenrot wird Scholl zur Heimat. Hier geht er zur Schule und fällt durch seine musikalische Begabung auf. Mit dem Stimmbruch bekommt er seine tiefe Baritonstimme, ohne den Sopran zu verlieren. Er bleibt Autodidakt im Gesang wie am Klavier. Im Jahr 1980 wird er mit dem baden-württembergischen Kleinkunstpreis ausgezeichnet.

Bei der Finalshow der vierten Staffel von „Das Supertalent“ riefen in der Telefonabstimmung 22,84 Prozent für Sahin-Scholl an. Damit konnte sich der inzwischen in Karlsruhe lebende Sänger gegen elf Finalisten durchsetzen und hatte 100.000 Euro gewonnen. dpa/mkk