Polizei bläst Evakuierung in Stuttgart ab

Stuttgart - Falscher Alarm: Die vermeintliche Fliegerbombe am Stuttgarter Hauptbahnhof entpuppt sich als altes Rohrstück. Die Evakuierung fällt aus, Züge und Busse fahren doch. Hätte der riesige Aufwand sein müssen?

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Stuttgart - Im letzten Moment hat die Polizei am Sonntagmorgen eine groß angelegte Evakuierungsaktion rund um den Stuttgarter Hauptbahnhof wegen einer Weltkriegsbombe abgeblasen. Der vermeintliche Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entpuppte sich als altes gusseisernes Rohr. Züge, Busse und Autos konnten weiterfahren. Das Gelände um die Baustelle für das Bahnprojekt Stuttgart 21 blieb frei zugänglich.

Experten des Kampfmittelräumdienstes hatten am frühen Morgen gut einen Meter Kopfsteinpflaster und Erde abgetragen, bis sie den 30 bis 40 Zentimeter langen Metallgegenstand als Überbleibsel eines Abwasserrohres identifizierten. Der Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Baden-Württemberg, Peer Müller, vermutete, dass das Rohr bereits vor dem Krieg dort liegen gelassen wurde. „Diese Art wird schon seit Jahrzehnten nicht mehr verwendet.“

Das erwartete Chaos in der Landeshauptstadt blieb nach der Entwarnung aus. Eigentlich hätte der Hauptbahnhof ab 8.30 Uhr geräumt und das Gelände in einer Sicherheitszone von 325 Metern rund um den Fundort am Mittleren Schlossgarten abgeriegelt werden sollen. Die Polizei informierte laut einem Sprecher die 80 betroffenen Anwohner sowie die Gäste einiger Hotels in dem Gebiet mit Durchsagen, dass sie die Häuser - anders als geplant - nicht verlassen brauchen.

Ein Bahnsprecher sagte der Nachrichtenagentur dpa, die Züge führen weiter planmäßig über den Hauptbahnhof. Allerdings würden auch die vorab angekündigten Ersatzhalte angefahren. Es könne in Einzelfällen zu Verspätungen und Zugausfällen kommen.

Mit der Entschärfung und Bergung des vermeintlichen Relikts aus dem Zweiten Weltkrieg hatten die Experten des Kampfmittelräumdienstes gegen 11.00 Uhr beginnen wollen. Dass sie bereits vor der geplanten Räumung mit dem Graben begonnen hatten, entspreche den Vorgaben. Müller sagte: „Die Polizei hatte ein kleines Gebiet um den Fundort bereits abgesperrt.“

Hätte man nicht schon eher feststellen können, dass es sich nicht um eine Fliegerbombe handelt? Müller zufolge erhärteten mehrere Indizien wie Luftbildaufnahmen und Messungen mit einem Eisendetektor den Verdacht, der bereits Anfang März aufgekommen war. Zudem hätte im Fall einer echten Bombe schon bei einer ersten Untersuchung direkt -und somit unter Umständen mitten im Berufsverkehr - das gesamte Gelände angesperrt und entschärft werden müssen. In Absprache mit der Stadt habe man sich deshalb darauf geeinigt, erst an diesem Sonntag genauer zu prüfen und gegebenenfalls zu entschärfen.

Wie hoch die Kosten für die bereitstehenden Einsatzkräfte sind, konnten Polizei und Stadt zunächst nicht beziffern. Etwa 300 Polizisten waren extra für die mögliche Evakuierung in Bereitschaft, Mitarbeiter der Bundespolizei am Bahnhof und der Stadt hielten sich bereit. Der Kampfmittelräumdienst war sowohl mit einem Bagger als auch mit einem speziellen Bombentransportfahrzeug samt Entschärfungsgerät angerückt. lsw