Land will alte Handschriften behalten

Oettinger: Geld für den Vergleich mit dem Haus Baden soll durch Sponsoren aufgebracht werden

Von Peter Reinhardt

Land will alte Handschriften behalten
Die Restauratorin Magdalena Liedtke zeigt eine Handschrift mit dem Titel „Konrad von Grünenberg, die Reise von Konstanz nach Jerusalem“, aus dem Bestand St. Peter in der Badischen Landesbibliothek in Karlsruhe. (Foto: lsw)

Von Peter Reinhardt

Ministerpräsident Günther Oettinger bot bei einem Spitzengespräch mit den Chefs der Karlsruher Museen und mehreren CDU-Landtagsabgeordneten an, den eingeworbenen Betrag zu verdoppeln. „Ich prüfe derzeit intensiv haushaltsneutrale Lösungen“, sagte der CDU-Regierungschef gestern gegenüber unserer Stuttgarter Redaktion.

Die Proteste von Wissenschaftlern gegen den Verkauf von Handschriften gingen unterdessen unvermindert weiter. In einem von 2500 Personen unterzeichneten offenen Brief heißt es: „In einem beispiellosen Akt der Barbarei würde dem Land ein zentraler Bestandteil seines kulturellen Erbes genommen.“ Der Direktor der Badischen Landesbibliothek, Peter Michael Ehrle, stuft die 3600 Handschriften als so herausragend ein, „dass kein einziges Stück veräußert werden dürfte“.

Am Vergleich mit dem Haus Baden führt für Oettinger kein Weg vorbei. Damit sichere sich das Land endgültig das Eigentum an wertvollen Kulturgütern. Das Adelshaus soll im Gegenzug 60 bis 70 Millionen Euro erhalten, die nach bisherigen Plänen aus dem Verkauf von Handschriften erwirtschaftet werden sollten. Stattdessen, so wurde beim Krisengespräch im Staatsministerium vereinbart, sollen Sponsoren einen Teil des Betrages aufbringen. Oettinger betonte, der Beitrag des Landes dürfe weder die Neuverschuldung erhöhen noch zu Kürzungen in anderen Ressorts führen. Einzelheiten werde er nächste Woche bekannt geben. Als dritte Säule erwarte er einen „Solidarbeitrag der Kunsteinrichtungen“.

Die CDU-Landtagsfraktion zeigte sich aufgeschlossen für den neuen Finanzierungsvorschlag. „Ich kann damit sehr gut leben“, sagte deren kunstpolitischer Sprecher Christoph Palm auf Anfrage. Gegenüber dem Handschriften-Verkauf hatte er sich zuvor skeptisch gezeigt. Oettinger betonte, der Vergleich mit dem Haus Baden habe Vorteile für das Land. In den nächsten Tagen will er eine Liste mit Kulturgütern im Wert von 70 Millionen Euro vorlegen, die „unstrittig dem Haus Baden gehören und uns übereignet würden“. Der Regierungschef geht davon aus, dass der Vergleich bis Ende des Jahres unter Dach und Fach ist. Die Gespräche zwischen dem Markgrafen von Baden, der aus eigener Kraft die Sanierung von Schloss Salem nicht stemmen kann, und dem Land hätten bereits vor drei Jahren begonnen. Werde die Lage noch prekärer, „drohen Pfändungen durch Banken“, sagte er.

Die vom Land mit der Klärung der strittigen Besitzverhältnisse beauftragten Gutachter Peter Wax und Thomas Würtemberger raten zum Vergleich. Ihre bislang unveröffentlichte Expertise sagt: „Es entspricht den beiderseitigen Risiken und Erfolgschancen, wenn dem Haus Baden von den 300 Millionen Euro Gesamtwert ein Anteil von 60 bis 70 Millionen überlassen wird.“


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