Streit um einen Schrägaufzug zur Burg hoch über der Stadt

Wertheim - In die herrlich gelegene Stadt am Zusammenfluss von Main und Tauber pilgern alljährlich rund 400.000 Tagestouristen. Neben der netten Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern ist auch die Burgruine ein Wahrzeichen Wertheims. Um einen barrierefreien Zugang zur Burg zu gewährleisten, hat der Gemeinderat für den Bau eines Schrägaufzugs votiert. Eine Bürgerinitiative hat bereits 1800 Stimmen gegen diesen Plan gesammelt.

Von Heidemarie Seifert

Die große Burgruine liegt oberhalb des Fachwerkstädtchens Wertheim. Bislang können Besucher nur zu Fuß hinaufgelangen.Foto: Klaus Thomas Heck

Wertheim - In die herrlich gelegene Stadt am Zusammenfluss von Main und Tauber pilgern alljährlich rund 400.000 Tagestouristen. Neben der netten Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern ist auch die Burgruine ein Wahrzeichen Wertheims. Der Burggraben hat sich in den vergangenen Jahren als Kulisse für verschiedene Freiluft-Veranstaltungen etabliert.

Die Burg liegt allerdings hoch über der Stadt. Der Anstieg ist steil, und nicht alle Besucher haben die Kraft oder die Muße für den Fußweg. Seit 1995 ist die Stadt Eigentümerin der Ruine. „Wir wollen mehr aus der Burg machen.“ Zu diesem Ziel hat sich der Wertheimer Gemeinderat in seiner Sitzung am 21. Juli bekannt. Er hat mehrheitlich für ein Projekt votiert, das mit einem Schrägaufzug den Höhenunterschied überwinden soll.

Um diesen Bauplan ist nun in der nördlichsten Stadt Baden-Württembergs ein Streit entbrannt. Nach den Worten von Armin Dattler, dem Leiter der Fachgruppe Stadtplanung, geht die Diskussion um eine Aufstiegshilfe auf die Burg Jahre zurück. Bereits im Zuge einer Bewerbung für eine Landesgartenschau in den 90er Jahren seien verschiedene Möglichkeiten geprüft worden. Den Zuschlag zur Gartenschau erhielt Wertheim damals nicht, damit auch keine Fördergelder – das Vorhaben lag wieder auf Eis.

Nun gebe es wieder Überlegungen, die eine Betreibergesellschaft vorsehen – an der die Stadt aber eben auch ein Investor beteiligt wäre. Ziel ist, den städtischen Haushalt möglichst wenig zu belasten. Bei einer Burg südlich von Salzburg habe man ein solches Modell kennengelernt. Über die Nutzergebühr, hoffe man dort, in 20 Jahre die Ausgaben refinanziert zu haben. „Der Schrägaufzug bietet die Möglichkeit, einen barrierefreien Zugang zu gewährleisten und die Burg attraktiver zu machen“ zeigt sich Dattler von der Planung überzeugt.

Andere Wertheimer sind da ganz anderer Meinung. Sie fürchten um das Stadtbild, wenn eine 160 Meter lange Trasse mit Stützpfeilern von der Altstadt zur Burgruine aus dem 12. Jahrhundert hinaufführt. Einige bevorzugen den Ausbau einer Straße zur Burganlage. Die Bürgerinitiative Pro Wertheim sammelt nun Unterschriften dafür, dass der Beschluss des Gemeinderats, die Schrägaufzug-Planung fortzuführen, aufgehoben wird. Bis 1. September haben die Initiatoren des Bürgerbegehrens Zeit, 1800 Stimmen unter den rund 24 000 Wertheimern zu sammeln.

Die Stadtverwaltung vertraut dagegen darauf, in Informationsveranstaltungen – wie wieder am Donnerstagabend – mit ihren Argumenten zu überzeugen.