Posse um Baldung-Grien-Gemälde

Kunstschätze Land wollte sein eigenes Bild kaufen

Von Peter Reinhardt

Posse um Baldung-Grien-Gemälde
Posse um Baldung-Grien-Gemälde

Für Wissenschaftsminister Peter Frankenberg stand bis gestern die „Markgrafentafel“ von Hans Baldung Grien ganz oben auf der Liste der Kunstschätze, die das Land vom Haus Baden übernehmen will. „Wenn das Haus Baden Gegenstände wie den Balung Grien verkaufen würde, die eindeutig in seinem Besitz sind, könnten wir daran nichts ändern“, erklärte der CDU-Minister vor Monatsfrist im Streit um den geplanten Vergleich mit dem Adelshaus. Wie eine Bombe schlug da gestern der Befund des Freiburger Historikers Dieter Mertens, dass dieses auf acht Millionen Euro geschätzte Gemälde dem Land schon seit Jahrzehnten gehört.

„Große Blamage“ „Mit diesem Kauf würde das Land ein Kunstwerk erwerben, das ihm bereits gehört“, spottet Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann. „Bis auf die Knochen blamiert“ sieht SPD-Oppositionschefin Ute Vogt Ministerpräsident Günther Oettinger.

Mertens hat gleich zwei Belege für seine Behauptung. Danach hat Adam Remmele, der langjährige Innen- und spätere Kultusminister des Landes Baden, 1930 Großherzogin Hilda das Familiengemälde abgerungen. Markgraf Berthold von Baden bestätigt dies in einem Brief vom 18. Februar 1930: „Das Großherzogliche badische Haus ist bereit auf das Votivbild von Hans Baldung zu Gunsten des badischen Staates zu verzichten.“ Zweitens verweist der Historiker auf den so genannten Koelitz-Katalog. In dieser Liste der Kulturgüter, die von der Übereignung an das Land ausgenommen werden sollten, fehlt die Markgrafentafel.

Sponsorensuche „Wenn ein Sachbearbeiter das nachgeprüft hätte, hätte das eigentlich auffallen müssen“, sagt Mertens. In Regierungskreisen wurde sein Befund auch schnell als „GAU“, also als größter anzunehmender Unfall, eingestuft. Schließlich sucht Oettinger derzeit Sponsoren, die dem Haus Baden gehörende Kunstobjekte abkaufen und den staatlichen Museen als Dauerleihgabe überlassen. So soll der Vergleich mit dem Haus Baden zur Beilegung des Eigentumsstreits über Kulturschätze im Wert von 300 Millionen finanziert werden.

Der Schock sitzt tief Im Finanzministerium sitzt der Schock tief. Man nehme den Bericht „ernst“, heißt es nach stundenlangen Krisengespächen. „Schnellstmöglich“ werde neu geprüft.


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