Experten bereiten Rückkehr des Wolfes vor

Karlsruhe - Der deutsche Südwesten könnte bald Wolfs Revier werden. Ob im Schwarzwald, am Ober- und Hochrhein oder auf der Schwäbischen Alb: Das Raubtier auf vier Pfoten könnte hier heimisch werden.

Von Daniel Borchardt

Experten bereiten Rückkehr des Wolfes vor
Der Wolf könnte bald wieder im Land sein.Foto: dpa

Karlsruhe - Der deutsche Südwesten könnte bald Wolfs Revier werden. Ob im Schwarzwald, am Ober- und Hochrhein oder auf der Schwäbischen Alb: Das Raubtier auf vier Pfoten könnte hier heimisch werden. „Baden-Württemberg ist Wolfserwartungsland“, sagt Michael Hug, Wildtierexperte des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) in Stuttgart: „Die erste Sichtung kann jederzeit kommen“. Der Wolf könnte aus der Schweiz oder aus Frankreich, aber auch aus dem Nordosten Baden-Württembergs einwandern. Denn rund um Baden-Württemberg ist das streng geschützte Raubtier schon wieder heimisch.

Damit Behörden und Verbände nicht unvorbereitet sind, brütet eine Projektgruppe seit rund einem Jahr über einem Konzept für den Umgang mit dem ersten Wolf im Land. Die Runde ist bunt besetzt: Naturschützer, Landwirte, Jäger und Mitarbeiter von Behörden arbeiten bei dem Vorhaben Hand in Hand. „Jetzt ist das Projekt auf der Zielgeraden, zum Ende des Jahres wollen wir den Handlungsleitfaden fertig haben“, erläutert Hug den Zeitplan.

Gut vorbereitet

Das Papier soll eine Art Checkliste für den erwarteten Fall der Fälle sein: Kontaktdaten von Fachleuten, Ansprechpartner in den Behörden und die Frage der Entschädigung werden festgehalten. „Der erste Hinweis auf den Wolf werden wohl ein paar gerissene Schafe sein“, sagt Ludwig Müller, Artenschutzreferent bei der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) in Karlsruhe. Bei fünf toten Tieren liege der Schaden nach seiner Rechnung bereits deutlich höher als 1000 Euro. Die auf freiwilliger Basis zugesicherte Entschädigung für Landwirte und andere Tierbesitzer, da sind sich die Fachleute einig, würde daher die Akzeptanz für das seltene Raubtier unter Schäfern und Bauern deutlich steigern.

„Derzeit schwebt uns da eine Fond-Lösung vor“, berichtet Müller aus den Verhandlungen. In den Topf könnten die am Projekt beteiligten Verbände einzahlen, einen weiteren Teil würde das Land beisteuern. „Für den Luchs haben wir eine solche Regelung schon, daran könnten wir uns auch beim Wolf orientieren“, erläutert der Verwaltungsmann. Derzeit wirbt das Projektteam bei den Verbänden um deren Beteiligung, Details werden bei einem Treffen in den nächsten Wochen festgezurrt. Forstdirektor Müller hat die fachliche Leitung der Runde inne.

Mit Sorge beobachten die Fachleute, dass viele Menschen Angst vor der Rückkehr der Wölfe haben. „Diese Emotionen kommen aus Märchen und Erzählungen, sie haben mit der Realität meist nichts zu tun“, stellt Ludwig Müller klar.


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