„Ein typischer Monsun-Sommer“

Stuttgart - Ein paar Tage lang ist es verhältnismäßig kühl, dann knallt wieder die Hitze aufs Land – und zum Schluss gewittert es ordentlich und vielleicht auch mehrmals. „Das ist ein typischer Monsunsommer“, sagt Meteorologe Michael Gutwein vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. „Die Gewittergefahr ist immer wieder da.“ Der Meteorologe erwartet immer mehr zerstörerische Unwetter

Von Adrian Hoffmann

Unwetter in Baden-Württemberg
Die Unterführung der B 27 in Dußlingen im Kreis Tübingen am Dienstag. Starke Regenfälle und Hagel haben Straßen überflutet.Foto: lsw

Stuttgart - Ein paar Tage lang ist es verhältnismäßig kühl, dann knallt wieder die Hitze aufs Land – und zum Schluss gewittert es ordentlich und vielleicht auch mehrmals. „Das ist ein typischer Monsunsommer“, sagt Meteorologe Michael Gutwein, 49, vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. „Die Gewittergefahr ist immer wieder da.“

Was Gutwein über die Zukunft des Wetters erzählt, hört sich in den Ohren vieler Menschen erschreckend an. „Das Problem ist hausgemacht“, sagt Gutwein. Der Klimawandel habe zur Folge, dass die Gewitterwolken wuchtiger daherkommen. „Wir gehen fest davon aus, dass wir in Baden-Württemberg in den nächsten Jahren immer mehr solcher unwetterträchtigen Phasen bekommen“, sagt Gutwein. Die Frage sei nur immer die gleiche: Wo genau wird das sein? Selbst in diesem Jahr könnte es erneut einige schwere Gewitter geben – denn die Großwetterlage bleibe erhalten.

Michael Gutwein arbeitet für den deutschen Wetterdienst.Foto: Adrian Hofmann

Viele unwettergeschädigte Anwohner versuchen nun aufgrund der Prognosen, sich gegen das nächste Gewitter zu schützen. Sei es mit Sandsäcken oder Holzlatten. „Es gibt Wetterlagen, da denkst du, es kommt ein Otto-Normal-Gewitter“, sagt Michael Gutwein, „und dann wird es XXL.“ Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit lässt sich die Heftigkeit abschätzen, aber manchmal eben nicht – so ähnlich war es auch am Freitag, 30. Mai, in den betroffenen Gemeinden im Unterland. Was an Wasser heruntergekommen sei, habe gar nicht alles abfließen können, selbst mit größeren Kanälen. „Das funktioniert nicht, das kann nicht funktionieren.“ Irgendwann sei der Boden gesättigt.

Politik gefordert

Immer mehr Gemeinden müssen in Zukunft laut Einschätzung von Wetterexperte Michael Gutwein aufrüsten und für einen besseren Unwetterschutz eine Menge Geld ausgeben. Da das überall noch seine Zeit dauern wird, bleibe letztendlich jedem nur der Eigenschutz. „Die Angst ist da bei den Leuten, und sie machen instinktiv das Richtige“, so Gutwein. „Auf lange Sicht ist aber auch die Politik aufgefordert, etwas zu machen.“

Früher Schutz

Die klimatische Entwicklung ziehe sich über Jahrzehnte, die Sommer würden im Schnitt trockener werden. Es gebe weniger Niederschläge, aber wenn, dann heftige. Auch Tornados oder starke Windhosen wären dann eine logische Folge. Gutwein nennt dies „Begleiterscheinungen“. Diese Unwetter „sind keine Eintagsfliegen, und die Abstände werden auch kürzer werden“, sagt er voraus. Die Frage werde sein, wie man dieser Entwicklung Herr werden könne. Bisher gibt es in Baden-Württemberg landkreisbezogene Unwetterwarnungen, in naher Zukunft sollen sie in Naturräume gegliedert werden. So lässt sich der Ort des erwarteten Unwetters genauer bestimmen. Es müssen früh Schutzvorkehrungen getroffen und das THW informiert werden. Aber genauso wichtig sei auch, dass man nicht überwarne.



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