Der Nachwuchs haut auf den Putz

Landesparteitag der Jungen Union - Steffen Bilger als Vorsitzender wiedergewählt

Von Henning Otte

Der Nachwuchs haut auf den Putz
Steffen Bilger

Asperg - Hunde, die bellen, beißen nicht, heißt es. So war es im Großen und Ganzen auch beim Landesparteitag der Jungen Union (JU) in Asperg am Wochenende. JU-Landeschef Steffen Bilger (30, Foto: lsw) haute zu Beginn kräftig auf die Pauke und knöpfte sich die baden-württembergischen CDU-Leute in Berlin vor - von denen aber zu dem Zeitpunkt noch keiner da war. Diese dürften „sich nicht an ihrer Beliebtheit im Kanzleramt messen“, wetterte Bilger.

„Mit der permanenten Benachteiligung muss endlich Schluss sein.“ Während man im Südwesten ständig im Stau stehe, „überfällt einen auf Ost-Autobahnen die Einsamkeit“. Bei Stuttgart 21 müsse Baden- Württemberg „bluten“ wie kein anderes Land bei einem vergleichbaren Verkehrsprojekt. Fazit: Die eigene Lobby in Berlin sei zu schwach.

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekam ihr Fett weg. Sie wolle einen Parteitag nach der Bundestagswahl verhindern, um einer möglicherweise schonungslosen Debatte zu entgehen - wie schon nach der Wahl 2005. Und dann noch das: „Unsinnig“ sei es, dass die Union in der Finanzkrise Steuersenkungen verspreche. Doch als Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) in die Asperger Stadthalle kam, schien die große Mehrheit des CDU-Nachwuchses einen Maulkorb zu tragen. Allerdings schockte er auch mit einer Erkenntnis: Internationale Terroristen erwägen nach den Worten von Schäuble einen Anschlag in Deutschland vor der Bundestagswahl am 27. September. Es gebe Hinweise von befreundeten Geheimdiensten. Im Internet werde darüber diskutiert, wie im März 2004 in Spanien nun auch die Parlamentswahl in Deutschland mit einem Attentat zu durchkreuzen, sagte Schäuble. „Wir müssen uns nicht verrückt machen. Aber es wäre unverantwortlich, wenn wir diese Hinweise nicht ernst nehmen würden.“

Bereits zuvor wurde Steffen Bilger für ein weiteres Jahr zum Vorsitzender der Jungen Union in Baden-Württemberg gewählt. Der 30-jährige Jurist erhielt aber einen Dämpfer. Hatte er vor einem Jahr noch 94,4 Prozent der Stimmen erhalten, kam er diesmal nur auf 81 Prozent. Bilger erhielt 145 Stimmen, 33 Delegierte stimmten mit Nein. Bilger tritt als Direktkandidat der CDU im Wahlkreis Ludwigsburg bei der Bundestagswahl an.