Blitzersäulen sorgen für stattliche Bußgeldeinnahmen

Moderne Messanlagen überführen Raser und füllen in Stuttgart und Esslingen den Stadtsäckel

Blitzersäulen sorgen für stattliche Bußgeldeinnahmen
Unauffällig, aber hochwirksam: Moderne Radar-Messanlagen.Foto: lsw

Straßenverkehr - Moderne Laser-Radarstationen, wie es sie auch schon in der Region gibt, setzen nun seit einigen Monaten auch Tausenden von Autofahrern zu, die in Stuttgart und Esslingen zu schnell unterwegs sind. Auf der Bundesstraße 10 bei Esslingen wurden seit Februar über 38 000 Raser erwischt, sagte Ordnungsamtsleiter Gerhard Gorzellik.

In Stuttgart blitzten zwei neue Lasersäulen seit September mehr als alle anderen festen Radarkontrollen der Stadt in einem Jahr. Mit den alten Starenkästen haben die modernen Anlagen nichts mehr gemein: Sie können bis zu drei Fahrspuren pro Fahrtrichtung überwachen und leiten alle Fotos automatisch weiter. Für die Städte kommt dadurch ein hübsches Sümmchen zusammen. Gorzellik ist über die vielen Messungen überrascht. Bis zu 800 Autofahrer haben die vier silber-schwarzen Säulen anfangs am Tag gemessen, inzwischen habe sich die Zahl bei 450 eingependelt. "Langfristig rechnen wir aber nur mit 40 bis 50 Überschreitungen pro Tag", sagte er. Im Schnitt zahlen die Raser 15 Euro Bußgeld − und fahren damit höchstens 15 Stundenkilometer zu schnell. Finanziell lohnt sich die neue Anlage: Die Stadt Esslingen hat bisher mindestens 570 000 Euro eingenommen.

Verärgerung Die Autofahrer sind über die neuen Messanlagen an der Pliensaubrücke und auf Höhe des Stadtteils Weil verärgert. "Vielen ist nicht ersichtlich, warum man auf einer gut ausgebauten Straße 80 Stundenkilometer fahren sollte", sagt Volker Zahn vom Regionalclub Württemberg in Stuttgart. Eine Geschwindigkeitsanzeige, die sich der Witterung oder dem Verkehrsaufkommen anpasst, wäre hier eher angebracht gewesen.

Anders sieht das Roland Karpentier von der Stadtverwaltung Esslingen. Tempo 80 sei dort wegen der hohen Kohlendioxid-Belastung in der Region Stuttgart vorgeschrieben und würde jetzt besser überwacht. Außerdem seien an beiden Standorten, wo 80 000 Fahrzeuge am Tag durchfahren, häufig Unfälle passiert. In der Bußgeldabteilung wurden für die neuen Kontrolle zwei Halbtagsstellen geschaffen − Kosten, die von den Einnahmen abgezogen werden müssten.

Auch in Stuttgart wurde in den vergangenen Monaten geblitzt. Die Stadt besitzt seit September zwei Laser-Radarmessstationen auf der Cannstatter Straße an der B14. "Bereits im ersten Monat haben sie ihre Anschaffungskosten von 250 000 Euro wieder eingespielt", so Sprecherin Steffi Kirstenpfad.

Vorsichtiger 1000 Verstöße haben die Säulen zwischen September und Dezember täglich gemessen, 81 200 Raser wurden geblitzt. Inzwischen wird dort aber etwas vorsichtiger gefahren: Zwischen Januar und März fuhren noch 400 Autofahrer pro Tag zu schnell. Dass an der Straße keine herkömmlichen Radarkontrollen aufgestellt wurden, liegt laut Kirstenpfad an dem hohen Verkehrsaufkommen. "2011 sind hier in den ersten drei Monaten dreieinhalb Millionen Autos durchgefahren. Bei normalen Messgeräten würden sich die Bodenkontakte schnell abnutzen und die Folgekosten wären zu hoch."

Wie viele Euro Stuttgart bislang genau eingenommen hat, wurde nicht verraten. Viele Bußgeldverfahren seien noch nicht abgeschlossen und die Zahlen einzelner vergangener Monate nicht repräsentativ, sagt Kirstenpfad. Die meisten Schnellfahrer fahren höchstens 70 Stundenkilometer in der Tempo 50-Zone. Dann wären bis zu 35 Euro fällig. Dennoch: Weitere Anlangen seien momentan nicht geplant. lsw