Weitere Modellprojekte in Tourismus und Kultur: Hoffnung auch in Tripsdrill

Stuttgart  Die ersten Modellprojekte im Freizeitbereich sind angelaufen, nun macht das Land Baden-Württemberg den Weg frei für weitere Öffnungsversuche. Aufatmen herrscht vor allem im Tourismus und in der Kultur. Auch in der Region könnte es bald Profiteure geben.

Von dpa und Tobias Wieland

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Ein Blaskonzert oder ein Fußballturnier? Eine durchtanzte Nacht oder Schlussapplaus nach dem Theaterabend? Ewig scheint das angesichts der langen Corona-Zwangspause her zu sein. Nun macht das Land wegen der konstant sinkenden Infektionszahlen den Weg frei für weitere Modellprojekte im Tourismus, in Kultur, im Sport und in der Clubszene.

19 Versuche können an den Start gehen, um Konzepte für eine Zukunft mit weiter gesunkenen Corona-Zahlen zu erproben, wie das Gesundheitsministerium am Samstag in Stuttgart mitteilte. Voraussetzung: eine stabile Inzidenz von unter 100 im jeweiligen Land- oder Stadtkreis.

Ausgewählt wurden unter anderem Projekte für Chor- und Orchesterkonzerte, für Sehenswürdigkeiten, für die Freilichtspiele in Schwäbisch Hall und Ötigheim und das Welfenfest in Weingarten. Der Südbadische Fußballverband will die Mini-Fußballspieltage organisieren, in Ludwigsburg sollen Angebote für Jugendliche umgesetzt und in Ravensburg zwei Clubs geöffnet werden. Der Rems-Murr-Kreis plant sechs Open-Air-Konzerte im Aspacher Fußballstadion, Baden-Baden will seine Casinos und Spielhallen öffnen.

Allerdings könnte sich das eine oder andere Projekt als Modell bald erledigt haben: Denn mit der geplanten neuen Corona-Verordnung soll es Städten und Kreisen mit einer Inzidenz unter 50 auch erlaubt werden, unmittelbar in die nächste Öffnungsstufe einzutreten und Auflagen zu lockern. «Es braucht damit kein zeitliches Durchlaufen der einzelnen Öffnungsschritte», teilte das Ministerium mit.

Dank dieser generellen Öffnungsperspektive könnten zahlreiche eingereichte Modellvorhaben regulär im Rahmen der Corona-Verordnung umgesetzt werden, teilten Städtetag, Gemeindetag und Landkreistag mit. Land und kommunale Landesverbände hatten das Auswahlverfahren gemeinsam organisiert.

Fast jeder zweite Antrag kam aus dem Kulturbereich

Insgesamt gingen nach Angaben des Ministeriums 83 Anträge ein, fast jeder zweite (39) aus der Kultur. «Der Anteil von gut 50 Prozent zeigt, wie dringend gerade diese Branche Öffnungsperspektiven braucht», sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). Die Auswahl sei nicht leichtgefallen. Kriterien seien die wissenschaftliche Begleitung gewesen und die Frage, wie sehr sich die Projekte auf die jeweiligen Lebensbereiche oder die Branche übertragen ließen. Auch die Qualität von Test- und Hygienekonzepten sowie die digitale Nachverfolgung von Kontakten hätten eine Rolle gespielt.

Der Europapark (Ortenaukreis) hatte den Zuschlag bereits erhalten und vor einer Woche geöffnet. Eigentlich dürfen Freizeitparks in Baden-Württemberg erst in einer dritten Öffnungsstufe wieder Besucher empfangen - also frühestens etwa einen Monat nach dem Außerkrafttreten der sogenannten Bundes-Notbremse im jeweiligen Kreis. 

Im Zuge der Ausweisung weiterer Modellprojekte besteht nun auch Hoffnung in anderen Freizeitparks wie etwa in Tripsdrill - auch wenn die Cleebronner selbst kein Modellprojekt werden sollten. Als solches hatte sich der Erlebnispark beim Land beworben. Jetzt kam die Reaktion aus der Politik: Der Erlebnispark wird in der Liste des Sozialministeriums als sogenannter Selbstläufer geführt. Solchen Vorhaben wird eine Öffnung oder Durchführung in Aussicht gestellt - auch ohne Modellprojekt zu sein.

Hoffnung bei Freizeitparks

In einer Pressemitteilung wird Uwe Lahl, Amtschef im Sozialministerium, so zitiert: "Sollten die Infektionszahlen im Land weiter sinken und auch die Auswertung des Modellprojekts in Rust zu einem positiven Ergebnis kommen, so können aller Voraussicht nach ab dem 8. Juni auch die anderen Freizeitparks in Baden-Württemberg wieder ihre Türen öffnen. Vorausgesetzt natürlich, es liegt ein entsprechendes Hygiene- und Testkonzept vor und die Infektionszahlen steigen nicht."

Birger Meierjohann, Pressesprecher im Erlebnispark Tripsdrill, bewertet die aktuelle Entwicklung so: "Es ist eine Erleichterung, jetzt eine Perspektive zu haben." Tripsdrill und anderen Parks war in einer Videokonferenz am vergangenen Freitag das Vorgehen erläutert worden. Demnach will das Ministerium die Erkenntnisse, die der Europa-Park in einem Bericht zusammenfasst, am ersten Juni-Wochenende auswerten. Wenn das dortige Modellprojekt positiv bewertet wird, "wovon wir alle ausgehen", so Meierjohann, dann wäre der 8. Juni ein möglicher Starttermin für alle anderen Freizeitparks. 

Ob es genau an diesem Tag in Tripsdrill losgehen würde, steht allerdings noch nicht fest. "Wann wir dann genau öffnen, müssen wir noch entscheiden", sagt Meierjohann. "Wir gehen aber schon davon aus, dass es im Laufe der zweiten Juni-Woche sein wird." Alles unter dem Vorbehalt, dass die Infektionslage dies zulässt und der Abschlussbericht aus Rust seitens des Ministeriums positiv beschieden wird. 

Ist die Freigabe aus Stuttgart da, dann stünden in Tripsdrill noch letzte Vorbereitungen an. Meierjohann nennt die Freischaltung des Ticketshops, die Einteilung des Personals oder Gartenarbeiten als Beispiele. Grundsätzlich sei man aber vorbereitet, da der Erlebnispark eigentlich schon Ende März seine Tore öffnen wollte und die Attraktionen gecheckt worden seien. Anders als die Fahrgeschäfte ist der Wildpark bereits geöffnet, auch im Naturressort sind Übernachtungen schon möglich. 

Im ursprünglichen Plan des Landes tauchen Freizeitparks im Stufenplan unter Öffnungsschritt 3 auf. Jener ist frühestens 14 Tage nach Öffnungsschritt 2 erreicht, der wiederum frühestens 14 Tage nach Öffnungsschritt 1 erfolgt. Letzterer trat im Landkreis Heilbronn am Sonntag, 23. Mai in Kraft. Ohne die neuerliche Ankündigung aus Stuttgart hätte man in Tripsdrill und anderswo also noch länger als bis zum 8. Juni abwarten müssen. "Da ist ein deutlicher Unterschied", sagt Meierjohann.  

 


Tobias Wieland

Tobias Wieland

Onlineredakteur

Tobias Wieland kümmert sich um die onlinespezifische Aufbereitung eigener und fremder Artikel auf Stimme.de. Er erstellt Zeitleisten, Listicles, Grafiken und mehr.

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