Klimacamp in Stuttgart: Systemwandel statt Bambuszahnbürste

Stuttgart  Das Aktionsbündnis "Kesselbambule" veranstaltet an diesem Wochenende ein dreitägiges Klimacamp in Stuttgart. Ziel der Veranstalter: Das Thema Klimagerechtigkeit stärken und die Bewegung breiter machen.

Von unserer Korrespondentin Ulrike Bäuerlein
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Franziska Sander (links) und Nisha Toussaint-Teachout gehören zum Klimacamp-Organisationsteam. Die Veranstaltung will drei Tage lang Fragen zur Klimagerechtigkeit in den Fokus rücken.

Fotos: Ulrike Bäuerlein

Hoch über dem Klimacamp Stuttgart, auf der Spitze des riesigen Zirkuszeltes, weht eine Regenbogenfahne neben der zentralen Botschaft, unter der sich hier alle versammeln: "Für Klimagerechtigkeit und Solidarität". Drei Tage lang dreht sich an diesem Wochenende auf dem Stadtgarten-Areal hinter der Universität im Zentrum der Landeshauptstadt alles um die Frage der Klimagerechtigkeit und mögliche Wege zu einer Welt, die nicht nur das Klima schützt, sondern es dabei auch sozial gerecht zugehen lässt.

"Es ist kein Klimaschutz-Camp hier, sondern ein Klimagerechtigkeitscamp", macht Nisha Toussaint-Teachout vom Organisationsteam des Aktionsbündnisses "Kesselbambule" deutlich, das hinter der Veranstaltung steht. "Unser Ziel ist, das Thema Klimagerechtigkeit zu stärken und die Bewegung breiter zu machen. Es geht auch darum, nicht nur Veränderungen einzufordern und darauf zu warten, sondern selbst zu handeln, sich zusammenzuschließen, zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen. Es geht um Systemwandel statt Bambuszahnbürste", sagt die 21-jährige Aktivistin und Studentin.

 

Toussaint-Teachout: Ökokrise trifft vor allem die Armen

Systemwandel statt Bambuszahnbürste

An der Solarstation können die Teilnehmer Handy und Notebooks aufladen. Die Lebensmittel für das Camp sind gespendet und wären sonst in der Mülltonne gelandet.

Gemeinsam ist allen Mitgliedern des Aktionsbündnisses, dass sie mit dem Klimacamp nicht nur auf den Klimawandel aufmerksam machen wollen, sondern auf den Zusammenhang zwischen sozialer Frage und der Öko-Krise. "Es geht um grundlegende Veränderungen, wir müssen auf das Wirtschaftssystem schauen, das die globalen Ressourcen ausbeute, und darauf, wer vor allem davon betroffen ist. Die Ökokrise ist auch eine menschliche Krise und trifft vor allem die Armen. Weltweit, aber auch bei uns", sagt Toussaint-Teachout.

Dass es nach langen monatelangen Verhandlungen mit der Stadt gerade erst vor einer Woche die Camp-Genehmigung für das große zentrale Areal gab, ist für die Organisation um die Pressesprecherinnen Toussaint-Teachout und Franziska Sander (30) Tübinger Medizinstudentin ein großer Erfolg. Sämtliche nachhaltige Infrastruktur des Camps, das am Freitagvormittag aufgebaut wird – ein riesiges Zirkuszelt des Zirkus Mutter Erde e.V., Küchenzelt, Kompost-Toiletten, Info-Stände, Solar-Ladestation für Elektrogeräte, Veranstaltungspavillons, Versorgungs- und Übernachtungszelte – sind von den unterstützenden Organisationen und Freiwilligen des basisdemokratisch organisierten Camps gestellt oder werden auf Spendenbasis finanziert.

Essens- und Wasserversorgung für Teilnehmer kostenlos

Systemwandel statt Bambuszahnbürste

Vivienne (links) und ihre Schwester Annick Poirot sind beim Camp dabei.

Die Essens- und Wasserversorgung ist für die Teilnehmer kostenlos, die Lebensmittel für die Mahlzeiten sind gespendet und wären sonst in der Mülltonne gelandet. Ruth Schönle und Christiane Fockler von der Foodsharing-Gruppierung "Die Versorger" haben mit dem Küchenteam schon vor Wochen begonnen, für das Klimacamp Wegwerf-Tomaten einzukochen und Brotaufstriche zur fertigen. Am ersten Tag wird es Ratatouille mit Kartoffelecken oder Semmelknödeln geben.

Über 500 Teilnehmer haben sich bereits vorab angemeldet zu den Workshops, Vorträgen, Diskussionsrunden und Aktionen, die in den verschiedenen Zelten und in der Stadt geplant sind – unter freiwillig verschärften Corona-Sicherheitsvorkehrungen. Die Veranstalter rechnen mit deutlich mehr Tagespublikum. Es geht um Mobilitätswende, Energieversorgung, um Klimawandel als Fluchtursache, aber auch um Demokratie und neue Rechte, um Kapitalismuskritik und Aktionsformen.

Ergänzt wird das Programm mit Musik, Lesungen, Filmvorführungen. Am Sonntag soll das Klimacamp mit einer großen Fahrraddemonstration in der Stadt und weiteren Aktionen für Klimagerechtigkeit enden.

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