Südwesten droht Corona-Warnstufe

Stuttgart/Region  Hält die aktuelle Entwicklung an, dann könnte in Baden-Württemberg laut dem Sozialministerium bereits Ende nächster Woche die Corona-Warnstufe in Kraft treten. Hintergrund ist die Zunahme der Zahl der Covid-19-Patienten in den Intensivstationen. Fragen und Antworten zum Thema:

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In den Intensivstation der Kliniken in Baden-Württemberg müssen wieder mehr Covid-19-Patienten behandelt werden. Da diese Zahl für die Beurteilung der Pandemielage zentral ist, könnten im Südwesten bald verschärfte Regelungen gelten.

Foto: dpa

Während bundesweit das Ende der pandemischen Lage diskutiert wird, steigt auch in Baden-Württemberg die Zahl der Covid-19-Patienten in den Kliniken stetig an. Dabei rückt im Südwesten der Zeitpunkt immer näher, an dem die Maßnahmen der Corona-Warnstufe greifen. Hier die wichtigsten Fragen zur aktuellen Pandemielage im Südwesten.

 

Wie stellt sich die Situation dar?

Die für die Einschätzung der Pandemie zentralen Werte entwickeln sich in Baden-Württemberg kontinuierlich nach oben. Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Südwest-Intensivstationen ist bis Donnerstagmittag bereits auf über 220 angewachsen. Vor zwei Wochen waren es noch weniger als 200. Damit befindet sich das Land zwar noch in der Basisstufe, in der die aktuellen Regelungen gelten – also maximal die 3G-Regel in verschiedensten Gesellschaftsbereichen angewandt wird. Steigt der Wert der Corona-Intensivpatienten aber an zwei aufeinanderfolgenden Tagen auf mindestens 250 an, dann greift die Warnstufe. Dies bedeutet, dass Personen, die nicht geimpft und nicht genesen sind, in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens nur noch mit einem PCR-Test Zutritt erhalten. Dieser ist teurer als ein Antigenschnelltest und es dauert wesentlich länger, bis das Ergebnis vorliegt.

Neben der Zahl der Intensivpatienten ist noch die Hospitalisierungsinzidenz ein Gradmesser – also die Zahl der Corona-Patienten auf 100.000 Einwohner gerechnet, die innerhalb von sieben Tagen in die Südwest-Krankenhäuser eingewiesen worden sind. Erreicht die Inzidenz an fünf Werktagen in Folge mindestens den Wert 8, dann tritt die Warnstufe über diesen Kennwert in Kraft. Da die Hospitalisierungsinzidenz momentan unter dem Wert 4 liegt, ist es laut Sozialministerium wahrscheinlicher, dass die Warnstufe über die Belegung der Intensivbetten erreicht wird.

 

 

Was wird prognostiziert?

"Die Ärzteschaft auf den Intensivstationen ist in Habachtstellung, die Zahl der Patientinnen und Patienten dort steigt derzeit kontinuierlich und könnte schon Ende kommender Woche den kritischen Wert von 250 erreichen", lautet die Prognose von Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne). Beim überwiegenden Teil der Patienten handele es sich um Ungeimpfte.

 

Was würde die Warnstufe für den privaten Bereich bedeuten?

Tritt die Warnstufe in Kraft, dann darf sich ein Haushalt wieder nur noch mit fünf weiteren Personen treffen. Ausgenommen von der Regelung wären Genesene und Geimpfte, Kinder und Jugendliche bis einschließlich 17 Jahre und Menschen, die sich zum Beispiel aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können. Getrennt lebende Paare zählen als ein Haushalt.

 

 

Was gilt im öffentlichen Raum?

Bei öffentlichen Veranstaltungen wie Theater, Opern, Konzerten, Festen oder auch Betriebs- und Vereinsfeiern gilt in geschlossenen Räumen die 3G-Regel, allerdings benötigen nicht geimpfte oder nicht genesene Personen einen PCR-Test. Dieselbe Regelung tritt für Kultureinrichtungen wie Galerien, Museen oder Bibliotheken in Kraft. Auch in gastronomischen Betrieben, in Kantinen, bei Messen, Ausstellungen, in Freizeiteinrichtungen wie Bädern oder Parks sowie im Sport gelten die Vorgaben in geschlossenen Räumen. Ein wichtiger Aspekt: Im Freien genügt den Ungeimpften in der Warnstufe ein Antigenschnelltest.

 

Was passiert, wenn die Werte weiter steigen?

Befinden sich in den Südwest-Intensivstationen an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mindestens 390 Covid-19-Patienten oder wird in fünf aufeinanderfolgenden Tagen eine Hospitalisierungsinzidenz von 12 erreicht, dann greift die Alarmstufe.

 

 

Was gilt in diesem Fall?

In der Alarmstufe wird in vielen Bereichen – also bei Messen, in Restaurants, Kantinen, beim Sport oder in Freizeiteinrichtungen und Diskotheken die 2G-Regel vorgegeben. Zutritt haben dann nur noch geimpfte oder genesene Personen.

 

Wie schätzen die Kliniken im Land die aktuelle Situation ein?

"Die Lage ist derzeit noch nicht besorgniserregend, die Entwicklung geht aber eindeutig in die falsche Richtung", sagt Matthias Einwag, Hauptgeschäftsführer der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft. Nach 20 Monaten Pandemie seien viele Mitarbeiter in den Kliniken erschöpft. Einwag: "Die physische und psychische Belastung des Personals in der Pandemie war und ist sehr groß und wo immer es geht, sollte verhindert werden, dass die Zahlen weiter steigen."


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Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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