Stuttgart ist zweitteuerste Stadt für Studierende

Stuttgart (dpa/lsw)  Vorlesungen vor dem Laptop, wegfallende Jobs und psychische Belastungen durch Lockdowns - Studieren in der Corona-Pandemie ist nicht leicht. Jetzt geht es vielerorts zurück in die Hörsäle. Deswegen könnte es noch mehr Stress geben. Denn: Günstiger Wohnraum ist knapp.

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Studierende mit Mund- und Nasenmaske sitzen in einem Hörsaal.

Hitzige Diskussionen in Seminaren und gemeinsam im Hörsaal sitzen - im Wintersemester soll es wieder mehr Präsenzlehre an den Unis geben. Ein altes Problem kommt damit auch zurück: Günstige Studentenbuden sind besonders in Großstädten Mangelware. Besonders Studierende in Stuttgart müssen tief in die Tasche greifen, denn studentisches Wohnen ist im bundesweiten Vergleich in der Landeshauptstadt am zweitteuersten.

750 Euro Warmmiete müssen Studierende für eine 30 Quadratmeter große Musterwohnung in Hochschulnähe in Stuttgart locker machen. Das geht aus dem Studentenwohnreport 2021 des Finanzdienstleisters MLP und dem Institut der deutschen Wirtschaft hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Nur München ist demnach mit einer Monatsmiete von 802 Euro noch teurer. Beide Städte waren schon 2020 Spitzenreiter. Karlsruhe liegt mit einem Preis von knapp 600 Euro auf Platz 6.

In der Untersuchung wurden 30 Studienstandorte in Deutschland miteinander verglichen. Im Schnitt stiegen die Mietpreise um rund 1,8 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr an. Im Südwesten legte besonders Freiburg mit einer Mietsteigerung von knapp sechs Prozentpunkten kräftig zu - der Preis für eine Musterwohnung liegt hier nun bei 515 Euro. Auch in Konstanz müssen Studierende durchschnittlich mehr zahlen. Laut den Berechnungen liegt der Preis 2021 bei 525 Euro, das sind 4,2 Prozentpunkte mehr als 2020. Günstigste Stadt im Südwesten ist Mannheim mir einer monatlichen Warmmiete von 469 Euro.

Stuttgart und Karlsruhe sind nach den Berechnungen zwar überdurchschnittlich teuer, aber in beiden Städten sanken die Preise zuletzt um 2,6 und 1,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. MLP begründet den Rückgang mit einer Zunahme des Angebots. Außerdem hätten viele Studierende in der Corona-Pandemie den Beginn ihres Studiums herausgezögert. MLP-Vorstand Uwe Schroeder-Wildberg betonte bei der Vorstellung der Untersuchung aber, dass das wahrscheinlich «nur eine kleine Atempause» sei. Er erwartet, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt für Studierende zuspitzen könnte. Trotz Corona soll vielerorts wieder mehr Präsenzlehre stattfinden - mehr Umzüge in die Hochschulstädte könnten die Folge sein.

Auch die stellvertretende Fraktionsvorsitzende und hochschulpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Gabi Rolland, erwartet eine Verschärfung der Wohnungsnot von Studierenden. «Unter Grün-Schwarz wird das Studium mehr und mehr zu einer Frage des Geldbeutels», kritisierte Rolland. Die Regierung müsse Studierendenwerke besser unterstützen. «Die Begleitung einzelner Projekte im Land, wie die Regierung derzeit das Problem angeht, reicht nicht aus.»

Besonders eng wird es für Studierende, die BAfÖG beziehen. Wer nicht bei seinen Eltern wohnt und den Höchstsatz erhält, bekommt fürs Wohnen einen Zuschlag von 325 Euro. Die Preise für die Musterwohnungen sind an allen untersuchten Hochschulstandorten außer in Magdeburg aber deutlich höher. Ein Sprecher der Landesstudierendenvertretung bezeichnete die Pauschale als «nicht annähernd angemessen» und forderte mehr günstige Wohnangebote für Studentinnen und Studenten. «Die Ergebnisse im "Studentenwohnreport" verdeutlichen noch mal dass wir ein grundlegendes, gesamtgesellschaftliches Problem auf dem Wohnungsmarkt haben», erklärte der Sprecher weiter. Das Land müsse Studierendenwerke besser fördern und Grundstücke für Wohnheime zur Verfügung stellen.

© dpa-infocom, dpa:210922-99-312764/3


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