1900 Hektar für Windräder im Staatswald

Stuttgart  Das Land Baden-Württemberg hat die ersten fünf Standorte im Staatswald für Windräder festgelegt. Auf rund 1900 Hektar sollen bis zu 90 neue Anlagen entstehen. Grün-Schwarz hat sich zum Ziel gesetzt, dass im Südwesten 1000 neue Windräder in Betrieb gehen sollen.

Email

In Baden-Württemberg ging der Ausbau der Windkraft − hier zwei Anlagen im Schwarzwald − in den vergangenen Jahren nur schleppend voran. Foto: dpa

Die grün-schwarze Regierung will beim Windkraftausbau ihren Ankündigungen nun endlich auch Taten folgen lassen. "Wir haben die ersten potenziellen Staatswaldflächen, auf denen Windräder entstehen sollen, identifiziert", sagt Baden-Württembergs Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) im Gespräch mit unserer Zeitung.

Insgesamt geht es um einen Umfang von rund 1900 Hektar. "Wir werden die Flächen noch im Oktober in einem Angebotsverfahren veröffentlichen. Dann können sich interessierte Unternehmen bewerben", erklärt Hauk.

Fünf Standorte in Baden-Württemberg

Ausgewählt wurden fünf Standorte: Das größte Areal befindet sich im Altdorfer Wald im Kreis Ravensburg. Dort können auf einer Fläche von etwa 1370 Hektar Windräder im Staatswald gebaut werden.

Am Berg Blauen am Westrand des südlichen Schwarzwaldes (Kreis Lörrach) werden rund 200 Hektar ausgeschrieben, in Lichtenstein im Kreis Reutlingen sind es etwa 120. Hinzu kommen rund 110 Hektar Staatswald in Sulz (Kreis Rottweil) und etwa 70 Hektar in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg).

Land besitzt mehr als 300.000 Hektar Wald

Grüne und CDU haben sich im Koalitionsvertrag darauf verständigt, die Voraussetzungen zu schaffen, damit in Baden-Württemberg bis zu 1000 neue Windkraftanlagen gebaut werden können. Geplant ist, dass mindestens die Hälfte der Anlagen im Staatswald errichtet werden sollen. Der Staatswald hat eine Fläche von mehr als 300.000 Hektar - und damit ist das Land selbst der größte Waldbesitzer in Baden-Württemberg. Mit rund 1,4 Millionen Hektar sind 39 Prozent der Landesfläche mit Wald bedeckt.

 

In den vergangenen Jahren geriet der Ausbau der Windenergie im Südwesten ins Stocken. 2020 gingen nur zwölf neue Anlagen in Betrieb. 2019 waren es mit fünf neuen Windrädern noch weniger, 2018 mit 35 etwas mehr. Damit pendelten sich die Zahlen über mehrere Jahre hinweg auf einem sehr niedrigen Niveau ein. Zum Vergleich: In den Jahren 2016 und 2017 gingen im Südwesten zusammen 243 Windkraftanlagen in Betrieb. Insgesamt stehen in Baden-Württemberg aktuell rund 750 Windräder, die eine Leistung von mehr als 1650 Megawatt liefern.

Auf den jetzt vom Land ausgewiesenen Staatswald-Flächen sollen bis zu 90 neue Windenergieanlagen entstehen, erklärt Hauk. "Die tatsächliche Anzahl steht jedoch erst nach Abschluss der jeweiligen immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren fest", so der CDU-Politiker. Hauk sagt zudem, weitere Flächen des Staatswaldes sollen "zeitnah identifiziert und spätestens Anfang 2022 auf dem Markt angeboten werden".

Kretschmann verspricht Beschleunigung der Verfahren

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte zuletzt mehrfach erklärt, er wolle für mehr Tempo beim Windkraftausbau sorgen. Derzeit dauert es noch sechs bis sieben Jahre, bis ein Windpark entsteht. Ziel müsse es sein, diesen Zeitraum zu halbieren, kündigte Kretschmann an. Neben den langsamen Verfahren weist Hauk auch immer wieder daraufhin, dass der Artenschutz der Errichtung neuer Windkraftanlagen nicht im Weg stehen dürfe. Im Umweltministerium heißt es hingegen, man dürfe den Artenschutz nicht gegen den Klimaschutz ausspielen.

2021 hat sich die Lage zumindest im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert. Laut Umweltministerium gingen im Land bis zum 30. September 24 neue Anlagen in Betrieb.


Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

Kommentar hinzufügen
In diesem Artikel findet keine Diskussion statt. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen.