Sollten 16-Jährige wählen dürfen?

Berlin  SPD und Grüne wollen das Wahlalter auf 16 Jahre senken. Widerstand gegen die Pläne kommt von der Union. Ist man mit 16 Jahren alt genug, um zu wählen? Diese Frage haben sich unsere Autoren gestellt.

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Pro von Christoph Donauer: Das Wahlalter sollte auf 16 Jahre sinken

Wer 16 wird, muss viel entscheiden: Welche Ausbildung soll es sein? Oder lieber Abitur und Studium? Mit 16 Jahren beginnen viele mit dem Führerschein oder starten ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Das Recht zu wählen sollte da nicht zurückstehen. In Bremen, Brandenburg und Hamburg können Jugendliche schon mit 16 wählen. Die Erfahrungen zeigen: Jugendliche wollen ihr Wahlrecht nutzen.

Jugendliche interessieren sich für Themen, nicht für Parteiämter

Ein Selbstläufer ist die Absenkung des Wahlalters nicht. Jugendliche müssen in Familie und Schule aktiviert werden und mit politischen Themen in Kontakt kommen. Denn die Jungen begeistern eher Klimaschutz und Gerechtigkeit, weniger politische Ämter. Besonders der Unterricht ist wichtig, damit die politische Aufklärung in allen Gesellschaftsschichten passiert.

Es wäre wünschenswert, dass so die institutionelle Politik gestärkt wird. Denn junge Menschen sind in Parlamenten unterrepräsentiert. Das Durchschnittsalter im Bundestag beträgt 49 Jahre, im Stuttgarter Landtag sind es 57. Die Parteien stehen daher in der Pflicht, ihre Listen jünger zu machen. Der aktuelle Vorstoß sollte darauf abzielen, auch das passive Wahlalter zu senken.


Contra von Christian Gleichauf: Mit 16 sollte man sich um Sozialgesetze noch nicht kümmern

Der Vorstoß ist zum wiederholten Mal der durchsichtige Versuch, sich als Politiker bei der jungen Generation einzuschmeicheln. Geschenkt. Inhaltlich gibt es keinen Grund, Jugendlichen das volle Wahlrecht zu gewähren. Ja, auch mit 16 muss man vielleicht schon Steuern bezahlen. Aber in der Regel lebt man bei den Eltern und muss sich hoffentlich noch nicht um Themen wie Gesundheitspolitik oder Sozialgesetze kümmern. Das ändert sich zwar auch mit 18 nicht von einem Tag auf den anderen. Aber mit der Volljährigkeit wird einem vieles zugetraut.

Die Eltern entscheiden für ihre Kinder mit - wie in anderen Bereichen auch

Das Wahlrecht ist ein Privileg, für das Demokraten kämpfen mussten. Es sollte nicht entwertet werden durch eine beliebige Absenkung des Wahlalters. Zumal es eben nicht so ist, dass damit automatisch das Interesse an Politik wächst, wie die Erfahrung bei Kommunalwahlen zeigt. Die Interessen der Minderjährigen müssen somit die Eltern wahren, die wie in anderen Bereichen auch für ihre Kinder mitentscheiden. Jugendliche können sich trotzdem engagieren - mit 13 Jahren genauso wie mit 18. Das tun sie auch: Bei Fridays for Future, im Jugendhaus oder in den Jugendorganisationen der Parteien. Gern mehr davon.

 


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

Christian Gleichauf

Christian Gleichauf

Chefkorrespondent Wirtschaft

Christian Gleichauf schreibt über Menschen, Unternehmen und wirtschaftliche Entwicklungen in der Region Heilbronn-Franken. Seit dem Jahr 2000 ist der gebürtige Südbadener bei der Heilbronner Stimme.

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